Suche

Suche

Investor will in Oderwitz großes Fensterwerk bauen

Errichtet werden soll die Produktionsstätte auf dem Gelände der früheren Ziegelei. Damit könnte die Industrietradition dort neu belebt werden. Wie es nun weitergeht.

Lesedauer: 2 Minuten

Auf dem zugewucherten Gelände (links) wurden bis zur Wende Ziegel produziert. In den nächsten Jahren soll hier in Oderwitz ein ein Fensterwerk entstehen.
Auf dem zugewucherten Gelände (links) wurden bis zur Wende Ziegel produziert. Nach dem Aus des Betriebes riss man es ab. In den nächsten Jahren soll hier in Oderwitz ein ein Fensterwerk entstehen. © Matthias Weber/photoweber.de

Von Frank-Uwe Michel

Noch ist die Firma Zerspanungstechnik Pötzsch allein in der Ziegeleistraße in Oderwitz. Doch das dürfte sich im Laufe der nächsten Jahre ändern. Ein Investor hat jetzt angekündigt, ein großes Fensterwerk an diesem Standort errichten zu wollen. Die Gemeinde hat deshalb wichtige Vorleistungen in Angriff genommen: Der ursprünglich angeschobene vorhabenbezogene Bebauungsplan wurde aufgelöst und stattdessen ein allgemeiner Bebauungsplan auf den Weg gebracht.

Damit ist allerdings auch Zeitverzug verbunden. Bereits im Juni 2022 hatte der Gemeinderat unter der Überschrift „Errichtung eines Fensterwerkes an der alten Ziegelei“ die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes beschlossen. Im Laufe der Zeit reifte jedoch die Erkenntnis, dass diese Planungsvariante für die Entwicklung des Standortes nicht zielführend ist. Der Grund: Bei dieser Variante kann nur ein Eigentümer mit seinem Planungsvorhaben einbezogen werden. Oderwitz will jedoch die Belange von mehreren Eigentümern mit unterschiedlichen Anliegen bedienen. So wäre es möglich, dass sich nach Abschluss der Planungen weitere Firmen ansiedeln.

Die Gemeinde bezieht insgesamt 44,08 Hektar in die Planungen ein. Der Großteil der Fläche befindet sich im Besitz des Investors, kleinere Anteile gehören der Kommune und zwei privaten Eigentümern. In einem sogenannten „Städtebaulichen Vertrag“ ist geregelt, dass die Firma sämtliche Kosten für Planung und Erschließung übernimmt.

Was genau entstehen soll, darüber spricht Sven Fankhänel noch nicht konkret. Er ist Prokurist der Firma FT Vilstal Produktions GmbH, einer Tochter der FT Vilstal GmbH mit Sitz in Rieden/Vilshofen in der bayerischen Oberpfalz. Das Unternehmen stellt momentan an drei Standorten in Zittau Fenster her und möchte diese Kapazitäten nach Aussage des Managers „in Oderwitz bündeln.“ Inhaltlich sei man vor allem im Sonderbau unterwegs, betont Fankhänel. Und: „Unser Ziel ist es, so bald wie möglich die Baugenehmigung zu erhalten, damit hier möglichst zeitnah produziert werden kann.“ Und zwar auf 10.000 Quadratmetern Fläche – das entspricht etwa eineinhalb Fußballfeldern. Ausgangsmaterial ist Holz und Aluminium, Kunststoff spiele indes keine Rolle, so der Prokurist. Möglicherweise sind die Pläne des Investors damit aber noch nicht erschöpft. Denn zum Portfolio gehört auch Fassadenbau – der wird momentan noch in Kroatien ausgeführt.

Die FT Vilstal GmbH ist ein erst 2017 gegründetes Unternehmen, das sich auf dem Weg zum „zukünftigen Marktführer Europas für Fenster und Fassadensysteme in Holz und Holz-Aluminium“ befindet – wie es selbstbewusst auf der Webseite heißt. Hergestellt werden Fenster, Türen und Fassaden, die bisher vorwiegend an Kunden aus dem bayerischen Raum geliefert wurden. So wirkte die Firma unter anderem an Schul- und Kitaneubauten sowie Sporthallen mit, gestaltete mit ihren Fenster- und Fassadenideen auch Gebäude in der Ortsmitte von Gemeinden.

Mit dem Gelände an der Ziegeleistraße wird ein traditionsreiches Industrieareal in Oderwitz neu belebt. Denn einst stand hier eine Ziegelei. Um den Ersten Weltkrieg herum wurde sie als sogenannte Ringofenziegelei mit Freilufttrocknung angelegt. Das benötigte Material holte man sich aus einer Grube gleich nebenan. In der Anfangszeit sollen hier 25 bis 30 Menschen beschäftigt gewesen sein. Später, als die DDR-Oberen 20 Millionen Ziegel als jährliches Ziel ausgegeben hatten, waren es bis zu 112 Mitarbeiter. Sie brachten es allerdings „nur“ bis auf 18,5 Millionen Ziegel.

Mit der Wende wurde das Schlusskapitel eingeläutet. Schon vorher war die Schließung des Werkes diskutiert worden, da zum Erhalt größere Investitionen notwendig gewesen wären. Deshalb gab es keine Zukunft. In den Folgejahren wurde kräftig abgerissen. Im Herbst 2007 verschwand der markante Schornstein, die Gemäuer wurden bis zur Gebäudekante zurückgebaut.

Wann das Areal neu erschlossen werden kann, hängt von der Schnelligkeit der Planer und Genehmigungsbehörden ab. Erfahrungswerte gehen von mindestens einem Jahr bis zur Baugenehmigung aus. Sven Fankhänel hofft jedoch, dass er bereits im Frühjahr 2024 loslegen kann.

Das könnte Sie auch interessieren: