Von Franziska Anders und Ulrich Wolf
Leisnig. Das Fliesenwerk im mittelsächsischen Leisnig fährt zum Monatsende vorsorglich seine Produktion herunter. Das teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Christian Heintze von der Kanzlei BBL Brockdorff den Beschäftigten in einer Mitarbeiterversammlung am Dienstag mit.
Ein Investor, der den Geschäftsbetrieb zum 1. Juli übernimmt, ist derzeit nicht in Sicht. Damit spitzt sich die Krise bei Sachsens größtem Fliesenproduzenten weiter zu. Erst Mitte April hatte die italienische Panariagroup Deutschland GmbH Insolvenz angemeldet. Damals hieß es noch, der Geschäftsbetrieb an allen Standorten laufe ohne Einschränkungen weiter. Alle Aufträge und Bestellungen würden wie gewohnt gefertigt und ausgeliefert. Zugleich hatte Heintze angekündigt, einen Zusammenschluss mit einem Investor anzustreben. Betroffen sind rund 230 Beschäftigte.
Bislang konnte der Geschäftsbetrieb im vorläufigen Insolvenzverfahren aufrechterhalten werden, weil Löhne und Gehälter der Beschäftigten über das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit gesichert waren. Dieser Zeitraum endet jedoch Ende Juni. Danach würden die Verluste des Unternehmens wieder voll durchschlagen.
Verkauf von Fliesen läuft weiter
„Als Insolvenzverwalter darf ich ein Unternehmen nur fortführen, wenn dadurch keine Nachteile für die Gläubiger entstehen“, erklärte Heintze. „Das wäre ab dem 1. Juli der Fall.“ Deshalb würden nun die Brennöfen kontrolliert heruntergefahren, um Schäden an den Anlagen zu vermeiden und die Tür für einen möglichen Erhalt des Standorts offenzuhalten. Dieser Prozess dauert mehrere Tage.
Der Verkauf von Fliesen und Vorräten läuft nach Angaben des Unternehmens weiter. Auch ein Wiederanfahren der Produktion sei grundsätzlich möglich. Als Option steht demnach noch im Raum, dass ein potenzieller Investor zu einem späteren Zeitpunkt die Produktionsanlagen übernimmt. Derzeit verhandelt das Unternehmen mit Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters mit allen Beteiligten, insbesondere mit dem Gesamtbetriebsrat, über das weitere Vorgehen.

Quelle: BBL
Als Ursache der Krise nennt der Insolvenzverwalter die schwache Baukonjunktur und die hohen Energiepreise. Schon im April hatte Heintze erklärt, das Management habe bereits vor dem Insolvenzantrag begonnen, einen Investor für eine strategische Partnerschaft zu suchen. Dadurch sei „eine bedeutende Vorarbeit“ geleistet worden.
Größtes Fliesenwerk Deutschlands
Die Panariagroup Deutschland GmbH gehört seit 2024 zur italienischen Panariagroup Industrie Ceramiche S.p.A. mit Sitz in Fiorano Modenese bei Bologna. Der Konzern beschäftigt mehr als 1800 Menschen und betreibt weitere Werke in Italien, Portugal und den USA.
Das Werk in Leisnig wurde 1997 in Betrieb genommen. Auf einer Fläche von rund 16 Hektar werden dort Boden- und Wandbeläge für den europäischen Markt gefertigt. Nach Angaben der Wirtschaftsförderung des Landkreises Mittelsachsen gilt der Standort mit einer Kapazität von 6,2 Millionen Quadratmetern Fliesen als größtes Fliesenwerk Deutschlands und als eine der modernsten Produktionsstätten der Branche.
Neben dem Stammwerk in Leisnig unterhält Panariagroup Deutschland weitere Standorte, darunter ein Lager im baden-württembergischen Mühlacker sowie eine Repräsentanz in Bremen. Unter dem Dach des Unternehmens werden mehrere bekannte Marken vertrieben, darunter Steuler Design, Grohn, Nordceram, Kerateam und Zwei Outdoor.
Für das Leisniger Werk ist es bereits die zweite Insolvenz binnen weniger Jahre. Schon im Sommer 2023 hatte der Standort ein Insolvenzverfahren durchlaufen, nachdem die damalige Eigentümerin, die Bremer Steuler Fliesengruppe, in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Mit der italienischen Panariagroup fand sich damals rasch ein neuer Betreiber. Nun ist offen, ob dies erneut gelingt.
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