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Silicon Saxony auf der Überholspur

Drei Global Player investieren in die Chipindustrie in Dresden. Das schafft neue Jobs im großen Stil. Doch die Stellen müssen erst einmal besetzt werden.

Lesedauer: 3 Minuten

Drei Männer stehen unter dem Schriftzug Infineon Smart Power Fab
Infineon-Vorstand Jochen Hanebeck, Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, und Ministerpräsident Michael Kretschmer (v.l.) bei der Eröffnung der neuen Chipfabrik. Foto: SZ/Veit Hengst

Von Annett Kschieschan

Dresden. Angesichts der vielen Nachrichten von Insolvenzen und Betriebsschließungen wirkt sie wie ein weithin sichtbares Zeichen der Hoffnung auf wirtschaftlich bessere Zeiten – die riesige Chipfabrik des taiwanesischen Konzerns TSMC, die im Norden von Dresden wächst. Gerade erst war Richtfest, 2027 soll sie die Produktion aufnehmen. Infineon hat im Sommer seine vierte Chipfabrik in Dresden eröffnet. Die sogenannte Smart Power Fab soll rund 1000 neue Arbeitsplätze schaffen. Zusammen mit ESMC – so die Bezeichnung des Dresdner Werks der Taiwanesen – und den Investitionen bei Globalfoundries, dem dritten Global Player mit Dresdner Niederlassung, könnten so bis 2040 bis zu 100.000 Jobs in der Chipindustrie beziehungsweise ihrem direkten Umfeld entstehen. Infineon-Vorstandschef Jochen Hanebeck sprach angesichts der jüngsten Eröffnung von Dresden als „Herzkammer der europäischen Halbleiterindustrie“.
Eine Perspektive, die Mut macht, aber auch neue Aufgaben schafft, denn so viele top-ausgebildete Arbeitskräfte müssen gute Gründe haben, um nach Dresden zu kommen. Der international gute Ruf des Silicon Saxony hilft dabei. Doch er allein dürfte nicht ausschlaggebend für die Frage sein, ob Menschen ihren Lebensmittelpunkt nach Ostsachsen verlegen. Nicht von ungefähr knüpft der Freistaat daher schon jetzt engere Beziehungen über Grenzen und Kontinente hinweg. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland wird die Zukunft der hiesigen Chipindustrie nicht gestaltbar sein, da sind sich Experten einig.
Und viele dieser Fachkräfte könnten aus Asien kommen, idealerweise direkt aus Taiwan. Hierhin führte die jüngste Wirtschaftsreise mit offiziellen Vertretern des Freistaats, darunter Wirtschaftsminister Dirk Panter. Auf dem Programm stand unter anderem ein Besuch der Halbleitermesse Semicon in Taipeh.
Südostasien insgesamt ist für Sachsen einer der wichtigsten Außenhandelsmärkte. Taiwan hat hier zudem eine Sonderrolle inne. „Taiwan ist in der Halbleiter- und Hochtechnologieindustrie weltweit führend“, so Panter. Der Freistaat Sachsen wolle sich dementsprechend „als leistungsfähiger Technologie- und Investitionsstandort positionieren“. Damit reagiere man auf das „Interesse taiwanischer Unternehmen an europäischen Standorten im Nachgang zum Bau einer neuen Chipfabrik des taiwanischen Halbleiterkonzerns TSMC im Joint Venture ESMC in Dresden, die wachsende Investitionsdynamik im Halbleiterbereich und nicht zuletzt auf die Notwendigkeit des Ausbaus resilienter Lieferketten“, so der Minister weiter.

Viele Schnittmengen
Doch bei dem Besuch stand ausdrücklich nicht nur die wirtschaftliche Expertise im Fokus. Bei einem Kulturaustausch zwischen Sachsen und Taiwan sowie dem Netzwerkabend „Saxony Networking Dinner“ ging es auch darum, dass sich durchaus unterschiedliche Kulturen besser kennenlernen. Das ist wichtig, wenn man junge Taiwanesen für die Arbeit in Dresden begeistern will. Und so betonte auch Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen, die die Reise mitorganisiert hatte, dass die „Schnittmengen zwischen Taiwan und Sachsen weit über die Halbleiterbranche“ hinausgehen.
Sie reichen auch über Taiwan hinaus. Und so ging es für die sächsische Delegation Anfang des Monats auch nach Vietnam, einem laut Dirk Panter „strategisch wichtigen Wachstumsmarkt für sächsische Unternehmen“. Man wolle „neue Perspektiven für beide Regionen schaffen und gezielt Impulse für mögliche Partnerschaften setzen“, ergänzte Thomas Horn. „Vietnam bietet enormes Potenzial – und wir sind überzeugt, dass sächsische Kompetenz und technologische Stärke dort gefragt sind.“ Tatsächlich kann sich Sachsens Außenhandelsbilanz mit Taiwan und Vietnam durchaus sehen lassen. So steht Taiwan seit dem letzten Jahr auf Platz elf im Ranking der sächsischen Exportpartner. Noch wenige Jahre zuvor lag das Land auf Rang 25. Die Exporte aus Sachsen nach Taiwan stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 9,8 Prozent auf einen Warenwert von 1,74 Milliarden Euro. Das war nach Angaben des Wirtschaftsministeriums die drittbeste Exportbilanz Sachsens mit Taiwan überhaupt.
Den Hauptanteil bildeten mit großem Abstand die Erzeugnisse der Elektrotechnik, die rund 1,2 Milliarden Euro in der Exportbilanz ausmachen. Wenn es um Importe geht, liegt Taiwan derzeit auf Rang zwölf in Sachsen. Die Einfuhren nahmen im vergangenen Jahr um 31,3 Prozent zu und erreichten einen Warenwert von 891,7 Millionen Euro – das zweitbeste Importergebnis mit Taiwan jemals. Hier waren vor allem diverse Erzeugnisse der Elektrotechnik und des Maschinenbaus gefragt.
Nach Vietnam exportierten sächsische Unternehmen 2025 Waren im Wert von 120 Millionen Euro. Die Bilanz des Wirtschaftsministeriums weist „insbesondere chemische Vor- und Enderzeugnisse sowie Erzeugnisse des Maschinen- und Kraftfahrzeugbaus“ aus. Die Einfuhren aus Vietnam nach Sachsen lagen demnach deutlich über den Exporten und erreichten mit einem Warenwert von 351,3 Millionen Euro 2025 einen neuen Bestwert. Den Hauptanteil machten hier Erzeugnisse der Elektrotechnik, des Maschinenbaus sowie der Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik aus. Gefragt gewesen seien aber auch Bekleidung aus Seide und Chemiefasern.

Wohnen, ÖPNV und Schulen im Fokus
Künftig soll es neben Produkten aber noch viel stärker um Menschen gehen. TSMC hat bereits angekündigt, zum Aufbau und Start seiner Riesenfabrik Fachleute aus dem eigenen Land nach Dresden zu schicken. Die Bereitschaft dazu sei hoch. Und in der sächsischen Landeshauptstadt will man darauf vorbereitet sein – mit Wohnungen, funktionierenden Verkehrsanbindungen und einem Umfeld, das das Ankommen einfacher macht. Die Dresden International School (DIS) etwa reagiert auf den zu erwartenden Zulauf ausländischer Schüler mit dem Bau eines zusätzlichen Schulgebäudes. Damit soll Platz für circa 100 Kinder und Jugendliche aus Taiwan geschaffen werden. Und neben den Baukränen im Dresdner Norden darf auch das als Zeichen der Hoffnung verstanden werden.

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