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Kelterei Sachsenobst startet Apfelsaison: „Wir sind die Obstretter“

Die Kelterei nimmt auch Äpfel von Privatleuten an. Die Früchte müssen eine gewisse Qualität haben. Für den „Lohn“ gibt es zwei Varianten.

Lesedauer: 3 Minuten

Cathrin Reichelt

Döbeln. Die Johannisbeeren und Sauerkirschen der diesjährigen Ernte sind zu Saft und anderen Getränken verarbeitet. Derzeit stehen die Pressen in der Kelterei Sachsenobst in Neugreußnig still. Sie werden umgerüstet. Denn in wenigen Tagen beginnt dort die Apfelsaison.

Das vergangene war in dieser Beziehung ein mageres Jahr. Denn eine einzige Frostnacht im April 2024 hatte einen Großteil der Blüten und ganz jungen Früchte zerstört. Das machte sich auch in der Lohnmosterei bemerkbar. Die Menge der Früchte, die Privatleute 2024 in der Kelterei abgegeben haben, bezeichnet Geschäftsführerin Elke Lehmann als nicht nennenswert.

Abgabe für Lohnmosterei startet am 1. September

Während der Frost 2025 in Osteuropa viele Schäden angerichtet hat, gibt es für die Ernte in Deutschland eine positive Prognose. „Wir schätzen, dass wir rund 2600 Tonnen Äpfel von den Obstland-Plantagen und aus dem Alten Land bekommen“, so Elke Lehmann. Außerdem hofft sie auf rund 900 bis 1000 Tonnen Lohnmostobst.

Die Kelterei verarbeitet auch Bio-Obst. Das seien voraussichtlich 1500 Tonnen von Obstland und aus dem Alten Land. Lohnmosterei sei im Bereich Bio eher unüblich, da für die Verarbeitung und den Verkauf strenge Richtlinien gelten.

„Aber wenn uns ein privater Obstbauer die entsprechende Zertifizierung vorlegt, nehmen wir auch diese Äpfel“, meint Elke Lehmann. Die Bio-Äpfel landen als klarer und trüber Saft in Flaschen, aber auch in Tanks für die Weiterverarbeitung bei Kunden der Kelterei.

Ab Montag, 1. September, können Privatpersonen Äpfel an sieben Sammelstellen in den Regionen Döbeln, Torgau-Oschatz und Muldental abgeben. Mengenvorgaben bestehen dabei nicht. „Aber es sollte nicht nur ein Körbchen voll sein“, schränkt Elke Lehmann ein.

Ausgewogener Saft durch Sortenvielfalt

Die Erfahrung zeige jedoch, dass die Autos und Hänger, die im Herbst auf den Hof des Unternehmens rollen, meistens gut gefüllt sind. „Von Personen, die eine Streuobstwiese besitzen, bekommen wir auch mal vier bis fünf Tonnen Äpfel angeboten“, sagt die Geschäftsführerin.

Auch sie werde dazu beitragen, dass sich die Apfelsilos in Neugreußnig füllen. Gemeinsam mit ihren beiden Enkelkindern wolle sie einen großen Baum in ihrem Garten „plündern“. Bei der Sorte will sie sich nicht festlegen. Es sei eine alte mit saftigen, roten Früchten, sagt sie schmunzelnd. Schätzungsweise 60 Kilogramm könnte die Ernte betragen. „Man sollte seinen Job auch leben“, erklärt sie.

Wir können auch damit leben, wenn die Äpfel nicht ganz so groß sind. Aber wir nehmen kein verdorbenes Obst.

Elke Lehmann, Geschäftsführerin der Kelterei Sachsenobst

Dass ihr der Name der Sorte entfallen ist, ist unwichtig, weil die Sorten eine untergeordnete Rolle spielen. Die privaten Früchte werden mit Industrieobst gemischt. Durch die Sortenvielfalt entstehe ein ausgewogener Apfelsaft mit einem guten Geschmack.

Wichtig sei die Qualität der Früchte, die abgegeben werden. Es müsse kein Tafelobst sein, aber solches, das die Menschen zu Hause auch selbst verwerten würden. Die Äpfel müssten nicht schön sein. Sie könnten auch kleine Einschlüsse haben, einen kleinen Ring oder einen Unwettereinschlag.

„Wir können auch damit leben, wenn sie nicht ganz so groß sind. Aber wir nehmen kein verdorbenes Obst“, sagt Elke Lehmann. Es dürfe nicht verschimmelt oder verfault sein. Solche Früchte müssten mit einigem Aufwand aussortiert werden. Schließlich wolle niemand Saft trinken, in dem schlechtes Obst enthalten ist.

Geld auf die Hand oder Kontingent für Getränke

Die Kelterei Sachsenobst sei die einzige Kelterei, bei der der private Kunde die Wahl hat. Zum einen könne er sich dafür entscheiden, die Äpfel direkt zu verkaufen und sich den Gesamtbetrag auszahlen zu lassen. Pro Kilo der Früchte werden in diesem Jahr zehn Cent gezahlt.

Das ist einer der höchsten Beträge in den vergangenen Jahren. Im Jahr 2022 seien es beispielsweise nur acht Cent gewesen, davor noch weniger. „Für die Kunden und die Kelterei hat sich der Aufwand erhöht“, begründet Elke Lehmann. Die Kelterei müsse beispielsweise an den einzelnen Standorten die Waagen vorhalten und das Obst dort regelmäßig abholen.

Zum anderen gibt es die Lohnmosterei. Entsprechend der abgegebenen Äpfel erhalte der Kunde ein Kontingent. In dessen Rahmen kann er sich bei Sachsenobst Getränke aussuchen. Das heißt, dem Kunden steht nicht nur Apfelsaft zur Verfügung, sondern die gesamte Produktpalette von Obstland.„Dafür gibt es eine Lohnmostpreisliste, die maximal drei Jahre gültig ist“, erklärt Evelin Hermsdorf, Vertriebs- und Marketingleiterin. Länger könne das Konto der Kunden nicht vorgehalten werden.

Die Annahme der Äpfel erfolgt bis zum 31. Oktober. Sollte das Aufkommen dann immer noch hoch sein, werde der Zeitrahmen verlängert. Verarbeitet werden die Äpfel bis zum nächsten Frühsommer. Ab Weihnachten sei das die Tafelware, die aus unterschiedlichen Gründen nicht verkauft wurde. Auch diese Äpfel landen dann als Saft in der Flasche, damit sie nicht vernichtet werden. „Wir sind die Obstretter“, meint Elke Lehmann.

Die Sammelstellen

  • Kelterei Sachsenobst, Neugreußniger Straße 16, Döbeln, Montag und Mittwoch, 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr
  • Kelterei Sachsenobst, Leisniger Chaussee 6, Mügeln (ehemaliger Hofladen Ablass), Montag, 9 bis 17 Uhr, Donnerstag 13 bis 17 Uhr (Äpfel nicht lose anliefern, keine Pkw-Waage vorhanden)
  • Agrargenossenschaft Laas, Kartoffellagerhaus Cavertitz, Klingenhainer Straße 18, Montag bis Freitag, 9 bis 11.30 und 13 bis 15.30 Uhr, Donnerstag zusätzlich bis 17.30 Uhr, Sonnabend 9 bis 11 Uhr
  • Gartencenter Röhl & Sohn, Nordstraße 81, Grimma-Hohstädt, Dienstag, 14 bis 18 Uhr
  • DLS-Schmidt, Am Bahnhof 2, Kleinzschepa bei Wurzen, Montag bis Freitag 8 bis 12 und 13 bis 16 Uhr
  • Raiffeisenmarkt Frohburg, Prießnitzer Straße 42, ab 3. September, Montag und Mittwoch 8 bis 17.30 Uhr, Sonnabend, 8 bis 11.30 Uhr
  • Ragema Markt Methau, Straße der Jugend 68A, Zettlitz, Dienstag, 15 bis 18 Uhr

SZ

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