Von Anja Beutler
Görlitz. Der Zgorzelecer Bürgermeister Rafał Gronicz erhöht gemeinsam mit Amtskollegen der Nachbargemeinden, Unternehmen und sozialen Einrichtungen den Druck auf Polens Premierminister Donald Tusk und die Regierung in Warschau. Sie fordern für die von Grube und Kraftwerk Turów wirtschaftlich enorm abhängige Region eine tragfähige Perspektive für die Zeit nach der Kohle. Man habe deshalb am 28. Mai den Premierminister gebeten, einen Sonderakt für Turów vorzubereiten, teilte der Zgorzelecer Bürgermeister unter anderem jüngst auf Instagram mit.
Konkret fordern Gronicz und seine Mitstreiter, die Region um Turów als „vorrangiges Entwicklungsgebiet“ auszuweisen, Mittel aus dem Modernisierungsfonds bereitzustellen und eine Institution zu gründen, die den nötigen Transformationsprozess in der ganzen Region koordiniere, teilte Gronicz mit.
Unklare Linie zum Kohle-Ende
Auch der Bürgermeister von Bogatynia, Wojciech Dobrołowicz, unterstützt diese Forderung. Er schildert, dass zwar offiziell noch das Jahr 2044 für das Ende der Kohlekonzession gelte, mittlerweile aber auch von Ministerien mit deutlich früheren Daten hantiert werde. „Wir kennen die Pläne nicht“, sagt er mit Blick auf die Regierung und das Thema Energiewende. Informationen, die man auf Nachfrage erhalte, seien widersprüchlich.
Bogatynia sucht deshalb selbst nach Perspektiven. So trat die Stadt jüngst der „Sonderwirtschaftszone Kamienna Góra für Kleinunternehmen“ bei, um Investoren anzulocken. Über 90.000 Złoty steckt die Gemeinde in die Erschließung eines neuen Industriegebietes in Pojarów am deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländereck.
Ideen für Rüstungsindustrie, Gas- und Kernkraftwerk
Woher neue Investoren kommen könnten – auch da hat Dobrołowicz konkrete Vorschläge: Die Region um Turów und die jetzigen Tagebauflächen könnten seinen Vorstellungen nach ein wichtiges Zentrum der polnischen Verteidigungsindustrie werden, zitierte ihn eine Regionalbeilage der Tageszeitung Rzeczpospolita”.
Demnach hat Bogatynias Bürgermeister den polnischen Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz gebeten, Investitionen in Rüstungsindustrie oder IT-Technologie – beispielsweise für große Serverräume, Rechenzentren, Rüstungsfabriken – in die hiesige Region zu verlagern.
Nach Angaben der „Rzeczpospolita“ arbeitet auch der Energiekonzern PGE, der Eigentümer von Grube und Kraftwerk Turów, bereits an Ideen, wie es nach der Kohle weitergehen könne. Neben Plänen für Investitionen in erneuerbare Energien, in Speichertechnik, in ein Gaskraftwerk und ein Wärmekraftwerk für die Versorgung der Bevölkerung, prüfe man auch die Möglichkeit, kleine modulare Reaktoren, also die neue Generation kleinerer Kernkraftwerke, zu installieren. Sie werden gewissermaßen aus Fertigbauteilen errichtet und sind dadurch günstiger.
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