Die Wiedereinführung der Meisterpflicht und die Sicherung von Fachkräfte-Nachwuchs stehen im Mittelpunkt auf der diesjährigen Frühjahrskonferenz des Deutschen Handwerkskammertages (DHKT) gestern und heute in Chemnitz.
"Es ist ein zunehmendes Problem, junge Leute für das Handwerk zu begeistern", sagte Markus Winkelströter, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Chemnitz.
Viele wüssten gar nicht, was das Handwerk an Karrierechancen oder im Bereich der Digitalisierung biete. "Das ist momentan unsere Hauptaufgabe, dieses Wissen an die jungen Menschen weiterzugeben", so Winkelströter.
Bis zum Dienstag diskutieren die Chefs der 53 Handwerkskammern in Chemnitz über aktuelle Entwicklungen ihrer Branche. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der neu geschlossenen Ausbildungsverträge zum vierten Mal in Folge gestiegen, sagte der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke.
"Das reicht aber noch lange nicht." 2018 blieben rund 17 000 Lehrstellen im Handwerk unbesetzt. Insgesamt gab es im Vorjahr rund 368 000 Lehrlinge deutschlandweit im Handwerk.
Das ZDH dringt seit langem auf eine Rückkehr zur Meisterpflicht, unter anderem auch weil Unternehmen ohne Meisterbrief kaum ausbilden. 2004 war die Meisterpflicht in mehr als 50 von 94 Berufen weggefallen, etwa für Gold- und Silberschmiede oder Fliesenleger.
Besteht Meisterpflicht, dürfen nur Handwerker mit entsprechender Qualifikation Betriebsinhaber sein. Mit der Reform wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen. Das Handwerk kritisiert allerdings seither einen Rückgang bei Ausbildung und Qualität der Arbeit.
Nachdem sich jüngst eine Arbeitsgruppe der Fraktionen von Union und SPD im Bundestag auf Eckpunkte für eine Änderung der Handwerksordnung verständigt hat, rückt eine Rückkehr zur Meisterpflicht für viele Berufe näher.
Im Sommer soll dazu ein Gesetzentwurf erarbeitet werden. In Deutschland gibt es knapp eine Million Handwerksbetriebe mit rund 5,5 Millionen Beschäftigten. (dpa)
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