Suche
Suche

Vom Vorzeigeprojekt zum Förder-Aus: Warum Thallwitz die Kohlemillionen verlor

Ein Biomassekraftwerk, Wasserstoff, neue Unternehmen: Das Projekt „EThrila“ sollte zum Vorzeigeprojekt des Strukturwandels werden. Doch erst zog sich ein Großinvestor zurück, dann fehlte der Gemeinde das Geld. Wie aus einer Millionen-Chance ein gescheitertes Großvorhaben wurde.

Lesedauer: 3 Minuten

Bürgermeister Thomas Pöge auf der Fläche, auf der das Strukturwandelprojekt „EThrila“ entstehen sollte. Die Gemeinde Thallwitz hat die Planungen inzwischen gestoppt. Quelle: Thomas Kube

Von Robert Martin

Thallwitz/Landkreis Leipzig. Als Landrat Henry Graichen (CDU) in der vergangenen Woche neue Förderchancen für mehrere Kommunen im Landkreis Leipzig verkündete, stand eine Gemeinde plötzlich auf der Verliererseite. Thallwitz zieht sein Strukturwandelprojekt „EThrila” zurück und verzichtet damit auf rund 15 Millionen Euro Kohlegeld. Die frei werdenden Mittel fließen nun an andere Vorhaben.

Dabei sollte „EThrila“ einmal zu den Vorzeigeprojekten des Strukturwandels gehören. Auf rund 20 Hektar sollte das bestehende Gewerbe- und Industriegebiet erweitert werden. Die Idee: Unternehmen mit erneuerbarer Energie versorgen, neue Arbeitsplätze schaffen und langfristig sogar die Wärmeversorgung der Region stärken.

„Das war eigentlich ein Paradebeispiel für Strukturwandel“, sagt Bürgermeister Thomas Pöge (parteilos). Geplant gewesen seien ein Energiepark, neue Gewerbeansiedlungen und eine Versorgung mit grünem Strom, Biomasse und perspektivisch auch Wasserstoff.

Ein Teil der Pläne scheiterte früh

Das Herzstück des Projekts war zunächst ein Biomassekraftwerk. Die Firma BioCen sollte die Brennstoffversorgung übernehmen, Investor war die dänische Gruppe CIP. Geplant war ein Biomasse-Heizkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 20 Megawatt. Als Brennstoff sollte Restholz aus einem Umkreis von etwa 150 Kilometern dienen.

Doch dieser Teil des Projekts scheiterte früh. „Im Dezember 2021 wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz geändert und hat den Einsatz von Biomasse weiter eingeschränkt“, sagt BioCen-Geschäftsführer Ulrich Tuch. „Damit war das Projekt nicht mehr wirtschaftlich darstellbar.“ Nach seinen Angaben zog sich daraufhin die Investorengruppe CIP zurück und beendete entsprechende Vorhaben deutschlandweit.

„Wir hatten immer an einem Plan B gearbeitet“

Für die Gemeinde bedeutete das nach Darstellung Pöges jedoch nicht das Ende von EThrila. „Wir hatten immer an einem Plan B gearbeitet“, sagt der Bürgermeister. Die Gemeinde habe weitere Investoren angesprochen und das Projekt weiterentwickelt. Statt einer großen Stromproduktion für den überregionalen Markt seien später Alternativen in den Mittelpunkt gerückt.

Noch 2025 wurde EThrila vom Landkreis Leipzig offiziell als kommunale Gewerbeflächenentwicklungsabsicht geführt. Pöge betont, dass weiterhin Interesse bestanden habe. „Die Nachfragen nach Gewerbeflächen in dieser Größenordnung, über fünf Hektar hinaus, die sind ja nach wie vor da und können gar nicht bedient werden“, sagt er.

Die Fläche bleibt vorerst unbebaut: Bürgermeister Thomas Pöge am Standort des geplanten Energie- und Gewerbeparks „EThrila“.
Die Fläche bleibt vorerst unbebaut: Bürgermeister Thomas Pöge am Standort des geplanten Energie- und Gewerbeparks „EThrila“.
Quelle: Thomas Kube

Das eigentliche Problem lag aus Sicht der Gemeinde inzwischen woanders: beim Geld. Zwar hätte die Förderung 90 Prozent der Kosten übernommen. Dennoch wären rund zwei Millionen Euro Eigenanteil bei Thallwitz verblieben. Dazu zählten Planungskosten von etwa 200.000 Euro für das Bebauungsplanverfahren, die zunächst aus eigener Kraft hätten finanziert werden müssen.

In den nächsten drei, vier Jahren werden wir das nicht wieder anfassen. – Thomas Pöge, Bürgermeister von Thallwitz

Gleichzeitig verschlechterte sich die Haushaltslage der Kommune. „Wir sind nicht in der Lage, in diese Vorleistungen zu gehen“, sagt Pöge. Die Gemeinde habe ihre Reserven aufgebraucht und sei inzwischen auf Kassenkredite angewiesen. Einen beschlossenen Haushalt hat die Gemeinde nicht, das Minus beläuft sich auf etwa eine Million Euro.

„Wir werden das in den nächsten Jahren nicht wieder anfassen“

Hinzu kam Zeitdruck im Förderverfahren. Nach Angaben des Bürgermeisters habe der Freistaat deutlich gemacht, dass die reservierten Mittel nicht dauerhaft blockiert werden könnten. „Ihr seid jetzt hier anderthalb Jahre nicht weitergekommen und wir brauchen die Gelder für etwas anderes“, umschreibt Pöge die Reaktion aus Dresden.

Für BioCen-Geschäftsführer Ulrich Tuch bleibt das Scheitern des Projekts ein Rückschlag. Das ursprünglich geplante Biomassekraftwerk hätte nach seinen Angaben über Jahrzehnte Energie liefern können. Die Gemeinde blickt inzwischen nach vorn. Auf der vorgesehenen Fläche wird weiterhin Landwirtschaft betrieben. Eine Wiederaufnahme der Planungen hält Bürgermeister Thomas Pöge für die kommenden Jahre für ausgeschlossen. Die finanziellen Spielräume der Kommune seien dafür zu gering. „In den nächsten drei, vier Jahren werden wir das nicht wieder anfassen“, sagt er. Damit ist das Strukturwandelprojekt „EThrila“ vorerst beendet.

Das könnte Sie auch interessieren: