Suche
Suche

Konsum Leipzig und Dresden kaufen bei Edeka ein

Die Handelsketten mit rund 90 Läden kooperieren nach dem Grünen Licht vom Kartellamt mit Edeka, der Nummer 1 in Deutschland. Statt des befürchteten Abbaus wollen die Genossenschaften wachsen.

Lesedauer: 3 Minuten

Michael Rothe

Dresden. Eines hat der Chef vom Konsum Dresden bereits von Edeka übernommen: Schon lange bevor die Lebensmittelkette 2026 vom größten deutschen Einzelhändler beliefert wird, signiert auch Sören Goldemann seine E-Mails mit „Frische Grüße“ – wie bei Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen (NST) üblich.

Im Herbst 2024 hatte seine genossenschaftlich aufgestellte Kette erklärt, dem Branchenprimus beitreten zu wollen – auch um durch kürzere Wege wettbewerbsfähiger werden. Während der Noch-Hauptlieferant in Norddeutschland sitzt, kann Edeka die 31 Konsum- und Frida-Märkte in Dresden und Umgebung sowie in Plauen aus seinem Logistikzentrum Berbersdorf an der Autobahn 4 bedienen.

Entwarnung für Konsum-Beschäftigte

Edeka NST mit Sitz in Rottendorf ist eine von sieben Regionalgruppen mit rund 840 Märkten in Sachsen, Thüringen, der Oberpfalz, Franken und im nördlichen Baden-Württemberg. Sie erwirtschafteten 2024 mit 47.500 Beschäftigten und 1200 Azubis einen Umsatz von über 5,3 Milliarden Euro.

Der Konsum Dresden schaffte gut 111 Millionen Euro, nach fast 114 Millionen im Jahr zuvor. Der Ertrag konnte indes gesteigert werden: Auf einen Millionenverlust folgte ein Überschuss von 160.000 Euro – auch zur Freude der 20.600 Mitglieder, die mit Vorteilen im Wert von 500.000 Euro bedacht wurden. Chef Goldemann beklagt Kaufzurückhaltung der Kunden, bedingt durch Inflation und ein unsicheres Umfeld, sowie Baumaßnahmen, die eine Erreichbarkeit mehrerer Filialen eingeschränkt hätten.

Auch die Zahl der Mitarbeitenden ist um ein Zehntel auf 707 geschrumpft. Für die Verbliebenen gibt der Vorstand Entwarnung. „Es braucht sich kein Beschäftigter Gedanken bezüglich seines Arbeitsplatzes machen“, verspricht er. Mittelfristig gebe es sogar mehr Standorte.

Grünes Licht vom Kartellamt

Zwischenzeitlich haben die Wettbewerbshüter den Deal bewilligt – wie Monate zuvor einen ähnlichen Vertrag mit dem Konsum Leipzig, der mit 60 Filialen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen doppelt so groß ist. Die Neuen zählten zu den Mitgliedern mit den meisten Märkten, heißt es von Edeka.

Es braucht sich kein Beschäftigter Gedanken bezüglich seines Arbeitsplatzes machen. – Sören Goldemann, Chef des Konsums Dresden

Für die Verbraucher gebe es weiter hinreichende Einkaufsalternativen, sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. Mit dem Zusammenschluss schließe Edeka im Großraum Dresden zur führenden Schwarz-Gruppe mit Kaufland sowie Lidl auf und erreiche einen Marktanteil von rund einem Drittel.

In Leipzig kommt der Branchenriese nun auf rund ein Viertel Marktanteil, gleichauf mit Rewe. Die Schwarz-Gruppe ist noch etwas stärker. Die Kooperation sei „gut angelaufen“, schreibt die Regionaldivision NST mit 250 Adressen. Gemeinsam mit einer Tochter vom Konsum Leipzig betreibe man bereits drei Märkte.

Weder Übernahme noch Fusion

Edeka profitiert laut eigenen Angaben nur von den Erträgen aus der Warenbelieferung. Die Sachsen, hervorgegangen aus dem Konsum der DDR, betonen ihre Eigenständigkeit. Für die Dresdner handelt es sich „weder um eine Übernahme noch um eine Fusion, sondern um eine strategische Bündelung unserer genossenschaftlichen Werte“.

Die Leipziger sprechen lediglich von „Lieferbeziehung“. Sie bekommen schon seit Jahren einen Großteil ihrer Waren von Edeka Minden-Hannover. Sie sehen sich gut aufgestellt und blicken zurück auf ihr erfolgreichstes Jahr. Die Genossenschaft mit gut 30.000 Mitgliedern erzielte einen Umsatzrekord von 202 Millionen Euro. Rückvergütung und Dividende auf Mitgliedereinlagen betrugen je zwei Prozent. Anfang Juni hatte die bisherige Prokuristin Carola Graefe Dirk Thärichen im Vorstand abgelöst, der seine Honorarprofessur an der Hochschule Mittweida vertiefen will.

Während es beim Konsum Dresden in diesem Jahr weder Schließungen noch Eröffnungen geben soll, kündigen die Leipziger für Herbst neue Adressen auf dem Land an. Derzeit wird flächendeckend auf LED-Beleuchtung umgestellt, Photovoltaik ausgebaut, Kühltechnik modernisiert, gibt es immer mehr Selbstbedienungskassen.

„Zudem wird das Sortiment regionaler Produkte weiter ausgebaut, insbesondere im Frischebereich“, sagt Vorstandssprecher Michael Faupel. „Wir bleiben ein lokaler Anbieter mit einem regionalen Produktportfolio von über 25 Prozent.“ Kooperationen und Partnerschaften mit hiesigen Produzenten würden weiter ausgebaut.

Ost-Vermarkter nur bis Jahresende im Boot

In Ostsachsen gibt es Fragezeichen. Der Konsum Dresden, der mit „Hier ist Heimat“ und „Frische von daheim“ wirbt, hatte seinen Liefervertrag mit der Erzeugervermarktung EVO Ost im März kurzfristig gekündigt. Wurde der Stopp zunächst per einstweiliger Verfügung aufgehoben, so einigten sich beide Seiten danach auf eine Belieferung bis zum Jahresende.

Laut Konsum-Chef Goldemann beginnt der Bezug von Obst und Gemüse über Edeka im Januar, folgen die restlichen Sortimente bis Mai. Es würden auch regionale „Streckenlieferanten“ gelistet, die Logistik gegebenenfalls optimiert und regionale Produkten über das Lager in Berbersdorf ausgeliefert, sagt er.

Für EVO-Chef Jens Pawlik ist das unrealistisch. „Kleine Lieferanten fahren nicht nach Berbersdorf, um dort drei Stunden zu warten, bis sie abgeladen werden“, sagt er. Es gebe Gespräche, zu denen er sich aber nicht äußern wolle. Nur: Es würde beide Federn lassen – Konsum und Erzeuger.

SZ

Das könnte Sie auch interessieren: