Von Susanne Sodan
Görlitz. Angekündigt ist ein entspannter, witziger Termin auf dem Gipfel der Landeskrone: Es ist mal wieder Sagenabend. Erzähler in historischen Kostümen und Sänger Giso Weißbach sind auf den Görlitzer Hausberg gekommen. Doch zu Beginn des Abends herrscht eine eher gedrückte Stimmung.
Den Hut auf für den Sagenabend hat Peter Hoffmann vom Bürgerrat Königshufen. Mit der Landeskrone ist er seit Langem verbunden, holte in der Vergangenheit zum Beispiel immer wieder Schlagerstars auf den Gipfel. Zumindest in nächster Zeit jedoch werde es solche Veranstaltungen wohl nicht mehr geben, erklärt Hoffmann bei seiner Begrüßung: Der Mietvertrag für die Betreiber der Gastronomie auf der Landkrone wurde gekündigt, zum Monatsende.
„Krönchen“ gab es nur ein Jahr
Betreiber der Gastronomie sind Patrick Lukoschek, bekannt für seinen Hausmeisterservice, und Heiko Mantel. In den sozialen Netzwerken bestätigen sie die Kündigung, bedanken sich bei Mitarbeitern und Gästen. Weiter kommentieren möchten sie das Geschehen nicht. Im Grunde sagen sie, sie wollen damit abschließen.
Bisherigen Informationen nach soll die Kündigung von Unternehmer Stefan Menzel ausgegangen sein. Er hatte 2023 die Erbpacht für das Gipfelareal der Landeskrone mit dem historischen Gebäudeensemble übernommen. Dort eröffneten Lukoschek und Mantel vor grob einem Jahr ihren Imbiss und Biergarten unter dem Namen „Krönchen“. Einen dreijährigen Mietvertrag sollen sie mit dem Erpachtnehmer gehabt haben.

Quelle: Steffen Unger, privat
Stefan Menzel war in Görlitz bekannt für verschiedene Freizeit- und Tourismusangebote, etwa Casinos, das Fahrgastschiff auf dem Berzdorfer See und Stadtrundfahrten. Die Landeskrone wollte er wieder zu einem beliebten Ausflugsziel machen, plante dafür den Bau einer neuen Aussichtsplattform.
Er selbst sah sich immer als Unternehmer, der etwas tun wolle für die Region. Ein Bild, das jedoch spätestens mit einer Razzia im Juni vorigen Jahres fiel. Für einen Monat musste Menzel in U-Haft. Er ist wegen verschiedener Wirtschaftsdelikte angeklagt. Doch zum Prozessbeginn im Mai dieses Jahres tauchte er nicht auf. Er gilt als flüchtig. Eigenen Angaben nach lebt er jetzt in den USA.
Erklärung zu Kündigung lässt Fragen offen
Anfragen an ihn zur Kündigung des Mietvertrags der „Krönchen“-Betreiber blieben bislang unbeantwortet. Jedoch hat die Volcano GmbH, die hinter der Landeskrone und auch dem Fahrgastschiff auf dem Berzdorfer See steht, seit Kurzem mit der Freitalerin Alina Tretyakova eine neue Geschäftsführerin und Eigentümerin. Eine Anfrage an sie wird beantwortet von einem „digitalen Assistenten der EMS Berzdorf“, allerdings recht präzise.
Die Kündigung gegenüber den Gastro-Betreibern „erfolgte vor dem Hintergrund der Unwirtschaftlichkeit des Betriebs zu einem marktüblichen Pachtzins. Ein Subventionsgeschäft an diesem Standort ist für uns wirtschaftlich nicht darstellbar“.
Gastro auf der Landeskrone steht in den Sternen
Tatsächlich gilt die Landeskrone, eines der ältesten Naturschutzgebiete der Region, als wirtschaftlich schwieriges Pflaster. Schon frühere Gastronomen hatten damit zu kämpfen, dass in der Regel keine Autos hinauffahren dürfen. Aber: Innerhalb ihres Mietvertrags sollen die Gastro-Betreiber selbstständig gearbeitet haben. Inwiefern ihr Gewinn oder Verlust einen Einfluss auf die Volcano GmbH gehabt haben könnte? Eine Rückfrage an den digitalen Assistenten bleibt unbeantwortet.
Offen ist auch, wie die Zukunft auf der Landeskrone aussieht. Stefan Menzels Pläne für den Aussichtsturm auf dem Gipfel sollen weiterverfolgt werden, heißt es in der Antwort an die SZ: „Wir schätzen seine durchdachten Ideen und Konzepte sehr und sehen es als unsere Aufgabe, diese umzusetzen.“ Einen genauen Zeitplan „können wir leider noch nicht nennen, da das Vorhaben von öffentlich-rechtlichen Genehmigungen abhängt und sich Verwaltungsprozesse erfahrungsgemäß über längere Zeiträume erstrecken“. Daher sei auch noch offen, ob und wann es wieder ein Gastronomieangebot auf dem Gipfel gebe.
Wer steht jetzt hinter Landeskrone und Fahrgastschiff?
Ein wenig erinnert der Verweis auf Verwaltungsprozesse und Genehmigungen an Stefan Menzel: Häufig sah er sich von aus seiner Sicht überbordenden gesetzlichen Vorschriften und Behörden behindert, auch auf der Landeskrone. Tatsächlich ist der Görlitzer Hausberg mit vielen Vorschriften verbunden. Neben dem Naturschutz gilt für das Gebäudeensemble auf der Landeskrone Denkmalschutz. Ein wichtiger Schritt für die Aussichtsplattform wäre ein Baugenehmigungsantrag – ein solcher liegt der Stadt Görlitz jedoch bislang nicht vor.
Auf dem Papier sieht es danach aus, als ob Menzel damit nun nichts mehr zu tun hätte. Seit der Razzia gab es einige Änderungen in seinem Firmenkonstrukt. Schon lange gibt es die M-Resort GmbH, die bislang aber eine eher untergeordnete Rolle spielte. Über diese Firma verfügte Stefan Menzel über die Erbpacht für die Landeskrone. Einziger Gesellschafter und damit Eigentümer der M-Resort GmbH war die polnische Firma Epic Arts, hinter der Menzel steht.
Neue Geschäftsführerin
Vor rund zweieinhalb Monaten wurde der Name der M-Resort geändert in Volcano GmbH. Unter dieser läuft jetzt auch das Fahrgastschiff. Man sehe Landeskrone und Schiff als „zusammengehörende Teile eines Ganzen“, heißt es vom digitalen Assistenten der EMS Berzdorf. Als neuer Geschäftsführer der Firma war laut Handelsregister zunächst ein Dresdner bestellt worden, der früher eine Baufirma leitete. Wenige Wochen später änderte sich das.
Vor rund einem Monat übernahm Alina Tretyakova die Geschäftsführung der Volcano GmbH und auch die Gesellschafteranteile der Volcano GmbH, die bislang bei Stefan Menzels Epic Arts lagen. Die 33-Jährige leitete bis vor Kurzem eine Immobilien- und Handelsfirma in Freital.
Mit Blick auf seine Geschäfte sprach Stefan Menzel selbst kürzlich gegenüber der SZ noch viel von „Wir“. In der E-Mail der EMS Berzdorf an die SZ heißt es, „die Gesellschaft wurde vollständig übernommen“. Zu Details und Hintergründen von Personen könne man keine weiteren Angaben machen.
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