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Spritpreis-Bremse beim Tanken in Tschechien endet: Wie entwickeln sich die Preise?

Die tschechische Regierung hebt die Preisobergrenze für Kraftstoffe auf. Seit April hatte Prag die Preise täglich festgelegt und damit die Tankstellenmargen reguliert. Was Autofahrer ab Montag erwartet.

Lesedauer: 2 Minuten

Der seit April geltende Preisdeckel der Regierung in Tschechien hatte das Tanken deutlich günstiger gemacht. Quelle: IMAGO/Bernd März

Von Hans-Jörg Schmidt

Prag. An den tschechischen Tankstellen herrschte am Sonntag nach Medienberichten nur normaler Betrieb. Viele Tschechen sind im Urlaub, den ein großer Teil von ihnen zudem im Ausland verbringt. Schlangen waren nirgendwo zu beobachten. Dabei wissen die Tschechen, dass um Mitternacht der seit April geltende Preisdeckel der Regierung in Prag erst einmal endet und ab Montag alles teurer zu werden verspricht.

Bemerkbar machte sich der nicht unumstrittene Eingriff der Regierung vor allem an den Tankstellen entlang der tschechischen Autobahnen. Die Betreiber dort langten schon immer mehr beim Preis hin als die andernorts. Der Preisdeckel galt aber für alle Tankstellen, egal wo im Land sie ihre Produkte an die Frau oder an den Mann bringen.

Festgelegt wurden die Preise immer am Vortag durch eine entsprechende Mitteilung des Prager Finanzministeriums. Das ging bei seiner Preisgestaltung von mehreren Kennziffern aus. Grundlage waren die Großhandelspreise der dominanten Anbieter Čepro, Orlen und MOL, sowie die Notierungen an der Rotterdamer Börse. Außerdem kürzte der Staat die Tankstellenmargen auf 2,50 Kronen pro Liter. Das verhinderte ein Ausreißen der Preise nach oben.

Fachleute lobten mehrheitlich dieses Vorgehen. Es zwinge die Tankstellenbetreiber, sinkende Einkaufspreise schneller als bisher an die Verbraucher weiterzugeben. Die Regierung räumte ein, auf Raffinerien oder Ölkonzerne keinen direkten Einfluss nehmen zu können. Also reguliere man da, wo es möglich ist.

Wenig Unterschiede zur Preisentwicklung in Deutschland

In Prag war man übrigens sicher, einen „intelligenteren Weg“ als Deutschland zu gehen, wo man vor allem über Steuern entlastete. In Prag setzte man auf direkte Eingriffe am Ende der Kette, dort, wo der Preis für den Kunden entsteht. Konkret also über die Margen. Kritiker sprachen dagegen von Aktionismus und Populismus, um die Autofahrer gnädig gegenüber der Regierung zu stimmen, die „etwas für die Menschen tue“.

Im Kern aber haben sich die Preisentwicklungen in Deutschland und Tschechien kaum unterschieden. Benzin ist in Tschechien seit Beginn der Krise um rund 30 Cent je Liter teurer geworden, Diesel um etwa 51 Cent – das entspricht in etwa der Entwicklung auch in Deutschland. Wobei allerdings der Ausgangspreis in beiden Ländern erhebliche Unterschiede aufwies und das Tanken für Deutsche in Tschechien attraktiv machte.

Anstieg der Preise ab Montag erwartet

Während des Rabattzeitraums wurde die Steuer auf Dieselkraftstoff im Nachbarland von den üblichen 9,95 Kronen (etwa 41 Cent) pro Liter auf 8,01 Kronen (etwa 33 Cent) pro Liter gesenkt. Laut einer Aussage von Finanzministerin Alena Schillerová verlor der Staat durch diese Maßnahme rund eine Milliarde Kronen pro Monat. Auch deshalb findet der Preisdeckel nun ein Ende.

Eine Preisregulierung ist nur bei einer anhaltenden außergewöhnlichen Marktsituation gerechtfertigt. – Alena Schillerová, Finanzministerin Tschechien

Bis Mitternacht kann man in Tschechien noch günstig tanken. Ein Liter Benzin kostet maximal 43,41 Kronen (etwa 1,80 Euro), ein Liter Diesel maximal 42,13 Kronen (etwa 1,75 Euro). Fachleute erwarten ab Montag vor allem bei Diesel einen Anstieg des Preises. Denn die Regierung hebt nicht nur die Preisobergrenze für Kraftstoffe auf, sondern auch den Deckel für die Händlermargen und die Senkung der Verbrauchssteuer auf Diesel. Analysten erwarten namentlich bei Diesel einen Anstieg um 3 Kronen pro Liter (etwa 12 Cent).

„Eine Preisregulierung ist nur bei einer anhaltenden außergewöhnlichen Marktsituation gerechtfertigt. Diese ist unserer Ansicht nach nun vorbei“, erklärte Finanzministerin Schillerová. Sie räumte zwar ein, dass die Spannungen im Nahen Osten fortbestehen, betonte aber, dass die Weltmärkte auf die Entwicklungen besonnen reagierten und die Ölpreise nicht mehr so dramatisch stiegen wie zu Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Die Preisregulierung habe ihren Sinn erfüllt, weil Tschechien dadurch zu den Ländern innerhalb der EU mit den niedrigsten Kraftstoffpreisen zählte.

SZ

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