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Lätzsch erneut insolvent: Kunststoffverarbeiter aus Kitzscher kämpft um Zukunft

Schon 2021 stand das Unternehmen vor dem Aus, 2023 gelang die Rettung. Nun hat die Lätzsch GmbH erneut Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Die Sorgen um Arbeitsplätze in der Region wachsen.

Lesedauer: 2 Minuten

Das Unternehmen Lätzsch besitzt im Gewerbegebiet in Thierbach bei Kitzscher ein ausgedehntes Firmengelände mit mehreren Hallen. Quelle: Kempner


Nico Schmook

Kitzscher/Thierbach. Armlehnen, Sitzgruppen, Trennwände – vieles, was Fahrgäste in Reisebussen ganz selbstverständlich nutzen, kommt aus Kitzscher (Landkreis Leipzig). Doch ausgerechnet dieser Geschäftszweig ist zuletzt ins Wanken geraten. Für die traditionsreiche Lätzsch GmbH hat das nun erneut schwerwiegende Folgen.

Am 1. April wurde für das Unternehmen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Die Geschäftsführung bleibt damit im Amt, steht jedoch unter Aufsicht eines Sachwalters. Diese Aufgabe übernimmt – wie bereits beim ersten Verfahren – Rechtsanwalt Dr. Jörg Schädlich aus Leipzig.

Großer Arbeitgeber mit langer Geschichte: Die Wurzeln der Firma Lätzsch reichen bis in die 1950er-Jahre.
Großer Arbeitgeber mit langer Geschichte: Die Wurzeln der Firma Lätzsch reichen bis in die 1950er-Jahre.
Quelle: Kempner

Suche nach Investor

„Der Betrieb wird weitergeführt. Parallel dazu wird nun nach einem Investor gesucht“, sagt er. Zudem werde ein Insolvenzplan erarbeitet. Schädlich zeigt sich vorsichtig optimistisch: „Es sind gute Aussichten, dass eine Lösung, wie auch immer sie aussieht, gefunden wird.“

Für das Unternehmen, bei dem mehrere Dutzend Beschäftigte angestellt sind, ist es ein Rückschlag mit Vorgeschichte. Schon Ende 2021 musste Lätzsch Insolvenz anmelden. Damals gelang es, das Verfahren erfolgreich abzuschließen und 2023 mithilfe eines Investors einen Neustart zu wagen. Nun steht der Kunststoffverarbeiter erneut vor einer ungewissen Zukunft.

Schwerer Stand in der Automobilbranche

Die Ursachen liegen nach Einschätzung des Sachwalters vor allem in den schwierigen Rahmenbedingungen der Branche. „Im gesamten Land haben es Firmen, die als Zulieferer für die Automobilindustrie arbeiten, schwer“, sagt Schädlich. Besonders deutlich zeigt sich das im Bussegment, das für Lätzsch eine zentrale Rolle spielt.

Im gesamten Land haben es Firmen, die als Zulieferer für die Automobilindustrie arbeiten, schwer. – Jörg Schädlich, Insolvenzverwalter

Dabei blickt das Unternehmen auf eine lange Geschichte zurück. Die Wurzeln reichen bis in die 1950er-Jahre. Das Kerngeschäft umfasst die Konstruktion und Montage von Kunststoffteilen – von geschäumten Materialien über glas- und kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe bis hin zur Metallverarbeitung.

Produziert werden unter anderem Trennwände, Armlehnen, komplette Sitzgruppen für Reisebusse sowie Lenkräder, Karosserieteile und Komponenten für Nutz- und Schienenfahrzeuge. Zu den Kunden zählen namhafte Hersteller wie John Deere und Liebherr.

Gefertigt wird an zwei Standorten in der Region: in Streitwald (Frohburg) und in Thierbach bei Kitzscher, wo ein Großteil der Belegschaft beschäftigt ist. Wie es für die Mitarbeiter weitergeht, ist derzeit offen. Die Geschäftsführer Lisa Todt und Hans-Joachim Lätzsch wollten sich auf Anfrage zu den aktuellen Entwicklungen zunächst nicht äußern.

Ähnlicher Fall in Naunhof

Die Situation erinnert an andere Fälle aus der Region, bei denen die Suche nach Investoren über den Fortbestand entschieden hat. So hatte etwa die Mocopinus GmbH & Co. KG mit einem Standort im nahegelegenen Naunhof bereits Ende des vergangenen Jahres ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Anfang des Jahres stand dort zunächst noch eine Rettung im Raum. Letztlich scheiterte jedoch die Investorensuche, sodass das Unternehmen seinen Betrieb einstellen musste und zahlreiche Beschäftigte ihre Arbeitsplätze verloren.

In Kitzscher sorgt die erneute Insolvenz von Lätzsch für große Sorge. Bürgermeister Maik Schramm (Freie Wähler) sagt: „Wir sind traurig, dass es so weit gekommen ist.“ Gleichzeitig verweist er auf die schwierige wirtschaftliche Lage insgesamt. „Es ist bedauerlich, dass nun Arbeitsplätze wegfallen könnten.“ Lätzsch sei einer der größeren Arbeitgeber in der Region. Dennoch bleibt ein Funke Hoffnung: „Wir drücken die Daumen, dass sie es noch einmal aus der Insolvenz schaffen.“

Ob das gelingt, hängt nun entscheidend davon ab, ob ein neuer Investor gefunden wird.

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