Florian Reinke und Luisa Zenker
Leipzig. Es schien lange so zu sein, als ritt man im Leipziger Nordosten auf der perfekten Welle. Dort, wo Gewerbehallen das Bild dominieren, hat die Energiekonzepte Deutschland GmbH (EKD) ihren Sitz, und stieg zu einem der großen Player in Deutschland auf. Als die Energiekrise Solaranlagen 2022 und 2023 zum begehrtesten Gut der Republik machte, lieferte EKD – und wuchs schneller, als mancher Handwerker schrauben konnte.
Doch auf den Rausch folgte die Ernüchterung. Die Nachfrage nach privaten Solaranlagen kühlte ab. Damit geriet auch die Erfolgserzählung von EKD ins Wanken. Heute prägt eine neue Realität das Bild. Ein Stellenabbau erschütterte die Belegschaft, und Medienberichte wie zuletzt im „manager magazin“ zeichnen das Bild eines Unternehmens, das „regelrecht abgestürzt“ sei. Was ist los bei den Leipzigern?
Was plant der neue CEO bei EKD in Leipzig?
Christian Arnold empfängt in einem Besprechungsraum im Leipziger Nordosten.
An meterlangen Whiteboards hat der CEO Kurven, Zahlen und Schlagworte gemalt. Seit August 2025 steuert er die Geschäfte.

Quelle: Energiekonzepte Deutschland
„EKD ist jetzt sieben Jahre alt und kommt aus der klassischen Start-up-Phase, dem Cash to burn“, analysiert Arnold – also aus der klassischen Start‑up‑Phase mit hohem Kapitalverbrauch.
Die neue Marschroute im Haus EKD: „Jetzt müssen wir beweisen, dass das Geschäftsmodell nachhaltig profitabel ist.“
Nach dem steilen Aufstieg kommt die Krise
EKD hat einen steilen Aufstieg hingelegt. Vom langjährigen Eigentümer Mathias Hammer gegründet, landete die Firma laut dem „Europäischen Solarmarkt Unternehmensmonitor“ im Jahr 2024 auf Platz vier der marktführenden Solaranbieter im Privatkundengeschäft in Europa. Ein beachtlicher Erfolg, wenngleich die Leipziger im Vorjahresvergleich um einen Platz nachgaben.
Laut Ranking installierte EKD in demselben Jahr 12.000 Solaranlagen und erzielte einen Umsatz von 310 Millionen Euro. Auf Platz 1 thront das Berliner Unternehmen Enpal, gefolgt von E.on und 1KOMMA5°.
Design statt grauer Kasten
Um gegen die großen Wettbewerber zu bestehen, krempelt Arnold EKD um. „Wir entwickeln uns vom reinen Solarteur zu einem digitalen Energieversorger“, erklärt der CEO.
„Heute kaufen Kunden ein ganzes Ökosystem: Photovoltaik, Speicher, Wallbox, seit eineinhalb Jahren auch die Wärmepumpe – und die intelligente Software dazu.“
Wir mussten Überkapazitäten abbauen, die für ein Wachstum aufgebaut worden waren, das so nicht eingetreten ist. – Christian Arnold, CEO Energiekonzepte Deutschland
Von Wettbewerbern grenzt sich EKD vordergründig über das Design ab.
„Unsere Kunden wollen sich keinen grauen Kasten in den Keller hängen. Sie wollen Ästhetik und Wertigkeit“, sagt Arnold.
Der Wind hat sich gedreht – auch gegen die Leipziger
Doch die Realität sah zuletzt rau aus. Im Unternehmen spricht man offen von einer Phase, in der der Markt für Photovoltaik und Energielösungen in den vergangenen Jahren „stark unter Druck“ stand: „Volatile Nachfrage, steigende Qualitäts- und Serviceanforderungen, komplexere Netzanbindungen, intensiver Wettbewerb“.
Derzeit setzt EKD 8000 bis 10.000 Projekte im Jahr um. In der Spitze waren es 20.000, erklärt Arnold.

Quelle: Kempner
Der CEO gibt sich im Rückblick selbstkritisch. Ist EKD zu schnell gewachsen? „Die Wachstumsambition war extrem hoch, ja“, sagt Arnold. „Das hat dazu geführt, dass die Organisation teilweise überfordert war. Wir arbeiten heute noch ‚Spitzenlasten‘ aus dieser Zeit ab, etwa bei offenen Kundenfällen.“
Das Eingeständnis: „Wir haben zu schnell zu viel gewollt. Jetzt ist unser Ziel: Qualität vor Quantität. Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen, sondern verlässlich liefern.“
80 Stellen gestrichen
Dieser Kurswechsel ist schmerzhaft. „Wir mussten Überkapazitäten abbauen, die für ein Wachstum aufgebaut worden waren, das so nicht eingetreten ist“, sagt der CEO. Dies habe alle Bereiche betroffen. Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz sorge für Effizienzgewinne.
Aus Mitarbeitersicht bedeutet das harte Einschnitte. 80 Stellen hat das Unternehmen gestrichen. Es handelt sich laut Arnold um festangestellte Mitarbeiter im Kernunternehmen. Heute zählt EKD im Kernteam 400 feste Mitarbeiter, davon rund 150 Handwerker. Dazu kommen etwa 1200 Handelsvertreter. Früher, auch das sagt Arnold, waren es mehr.
Investor steigt bei Leipzigern ein
Nicht nur intern, auch in der Kapitalstruktur stellte sich EKD neu auf. Im vergangenen Jahr verkündete EKD, man habe mit Fonds, die vom britischen Finanzgiganten Pemberton Asset Management beraten werden, „einen finanzstarken Investor“ fest an Bord geholt und die Übernahme abgeschlossen. Offiziell hieß es, man wolle sich „robuster“ aufstellen, profitiere von Know-how und zusätzlichem Kapital.
Doch hinter den Kulissen sah es offenbar kritischer aus. Das „manager magazin“ berichtete unter Berufung auf interne Unterlagen von „Anzeichen einer Liquiditätskrise“ und hohen Verlusten bei EKD. Demnach beabsichtigte Finanzinvestor Pemberton in einem Brief, auf Forderungen von rund 145 Millionen Euro zu verzichten. Laut einem von Beratern erstellten Gutachten, auf das sich das Magazin beruft, sei dieser Schritt notwendig gewesen, damit EKD überhaupt als sanierungsfähig gelten konnte.
Das Unternehmen indes spricht von einer Umwandlung der entsprechenden Verbindlichkeiten in Eigenkapital – ein übliches Instrument, um die Bilanz zu entlasten und das Unternehmen zu stabilisieren. Der Einstieg Pembertons sei kein kurzfristiges Krisenmanöver gewesen, sondern ein Schritt zur langfristigen Stabilisierung und Weiterentwicklung. EKD sieht sich dadurch nach eigenen Angaben heute solide finanziert.
EKD bleibt ein Schwergewicht
Für Sachsen und die Branche bleibt EKD mit Hunderten Arbeitsplätzen und dem bundesweiten Netzwerk aus über 1000 Handelsvertretern ein Schwergewicht. Doch die wilden Jahre sind vorbei.
Arnold hat klare Ziele ausgegeben: „Erstens: Kundenzufriedenheit. Wir wollen Anlagen innerhalb von zehn Wochen ans Netz bringen.“ Zweitens müsse die Kasse stimmen. Volle Profitabilität soll bis 2027 erreicht sein.


