Lommatzsch/Dresden. Nach der Wende gestartet mit rund 460 Beschäftigten, als Hersteller von Landmaschinen gefragt in der Agrarbranche, zweifelhafte Investoren und jetzt wieder zahlungsunfähig: Der inzwischen als Fahrzeug- und Modulbau Lomma GmbH firmierende sächsische Traditionsbetrieb Lomma hat beim Amtsgericht Dresden Mitte März einen Insolvenzantrag gestellt. Es ist bereits die fünfte Pleite seit der Wende.
Ein Fortbestehen des Standorts in Lommatzsch ist ungewiss. Seit mindestens Mitte November ruht die Produktion. Der bis dahin amtierende Manager hätte die Geschäftsführung gar nicht ausüben dürfen, weil er wegen vorsätzlicher Insolvenzverschleppung und Betruges verurteilt worden war. Nun hat der zu Jahresbeginn neu eingesetzte Geschäftsführer offenbar die Reißleine gezogen.
Vorläufiger Verwalter sucht nach Vermögen
Der vom Amtsgericht eingesetzte vorläufige Verwalter Christian Heintze wollte sich vorerst öffentlich nicht konkret äußern. Er müsse sich zunächst einen Überblick in diesem doch „verworrenen Fall“ verschaffen, teilte er auf Anfrage mit.
Heintze hat jetzt die Aufgabe, das noch verbliebene Vermögen der Firma – falls vorhanden – im Interesse der Gläubiger zu verwerten. Dem Vernehmen nach hatte die Fahrzeug- und Modulbau Lomma GmbH zuletzt nur noch eine Handvoll Beschäftigte, deren Löhne teilweise ausstanden.
Fragwürdige Investoren und viele Pleiten
Der Betrieb war bereits 2003, 2010, 2013 und 2023 in die Pleite geschlittert. Jedes Mal startete man neu durch, allerdings mit teils fragwürdigen Investoren. So erwarb 2006 der Unternehmer Martin Spieß das Unternehmen und schaffte es sogar, Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nach Lommatzsch zu lotsen. Er häufte jedoch beim Landmaschinenbauer auch Schulden in Millionenhöhe an und geriet ins Visier der Justiz. Das Amtsgericht Dresden verurteilte ihn wegen Insolvenzverschleppung und Bankrotts.
Der jüngste Versuch eines Neustarts begann nach der Insolvenz im November 2023 mit der Gründung der jetzigen Fahrzeug- und Modulbau Lomma GmbH. Von damals 66 Beschäftigten blieben zunächst rund 40 übrig. Als Investor präsentierte sich damals die Beteiligungsgesellschaft Schober Investment Holding mit Sitz in Salzburg.
Pläne für Wohncontainer-Bau scheiterten
Die plante, das Werk in Lommatzsch unter anderem zu einem Produzenten für Wohncontainer umzubauen, etwa für Geflüchtete oder Katastrophenfälle. Ein Prototyp wurde für den Sommer 2025 angekündigt, aber nie hergestellt. Die Salzburger Beteiligungsgesellschaft existiert nicht mehr. Stattdessen gehört die Lommatzscher Firma nun einer Beteiligungsgesellschaft, die über zwei weitere Firmen zwei Geschäftsleuten aus dem Rheinland und Oberbayern zuzuordnen ist.
Einer der beiden ist Philipp Schober, der bis Ende 2025 auch Geschäftsführer in Lommatzsch war. Wie sich später herausstellte, hätte er diese Position aber nicht antreten dürfen, denn er war im Herbst 2021 in München wegen „vorsätzlicher Insolvenzverschleppung in Tatmehrheit mit Betrug“ rechtskräftig verurteilt worden.
Der Standort Lommatzsch erfordert eine strategische Neuausrichtung, die derzeit (…) konsequent umgesetzt wird. – Ex-Geschäftsführer Philipp Schober, Anfang März dieses Jahres
Noch Anfang März hatte der 40-jährige Schober über seinen Anwalt mitteilen lassen, der Standort Lommatzsch erfordere eine strategische Neuausrichtung, „die derzeit angegangen und konsequent umgesetzt wird“. In diesem Zusammenhang seien auch die personellen Entscheidungen erfolgt.
Damit bezog er sich auf den Wechsel in der Geschäftsführung. An Schobers Stelle trat zu Beginn dieses Jahres ein früherer Sägewerksbesitzer aus Nordthüringen, der ebenfalls mit einer Insolvenz zu kämpfen hat.
Die Wurzeln der Firma reichen weit zurück
Dieser zog jetzt offenbar Konsequenzen, weil Geschäftsführer gesetzlich verpflichtet sind, einen Insolvenzantrag schon bei drohender Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung anzumelden. Ob das nicht schon eher hätte geschehen müssen – auch das muss nun der vorläufige Verwalter Heintze feststellen.
Die Wurzeln der Fahrzeug- und Modulbau Lomma GmbH reichen weit zurück. Bereits 1861 legte der Handwerksmeister Moritz Buschmann den Grundstein für mehrere Betriebe im Metall- und Gerätebau in Lommatzsch. Die alte Lomma GmbH gibt bis heute auf ihrer ohne Impressum versehenen Homepage 1884 als Gründungsjahr an.
In der DDR gehörte das Unternehmen zunächst zum VEB Dämpferbau „Rotes Banner“ in Döbeln, der zum Kombinat Fortschritt in Neustadt (Sachsen) zählte. Zur Wende beschäftigte man noch fast 500 Leute, die Fahrzeuganhänger für die Landwirtschaft und technische Ausrüstung für Kläranlagen bauten.
SZ


