Girbigsdorf. Sven Löbmann hat die Lizenz zum Zünden. Seit neun Jahren arbeitet der Girbigsdorfer als Pyrotechniker. „Korrekt heißt es staatlich geprüfter Großfeuerwerker“, sagt Sven Löbmann. Feuerwerk – das habe ihn schon in jungen Jahren fasziniert, schildert er und machte das Hobby zum Beruf, jedenfalls im Nebengewerbe. Sven Löbmann besuchte die Thüringer Feuerwerkerschule, bekam seinen Abschluss. „Heute darf ich eigentlich alles zünden, was auf dem Markt ist“, sagt er.
Und Sven Löbmann tut es auch, das ganze Jahr über, mal mehr, mal weniger. Es sind vor allem die Dorffeste, zu deren Abschluss seine Kenntnisse benötigt werden, in Girbigsdorf, Königshain, Weißkeißel und anderswo, zum größten Teil im Bereich Görlitz. In Polen und Tschechien gilt seine Erlaubnis nicht, die Länder sind für ihn pyrotechnisch tabu.
Feuerwerk Hoch-Zeit ist im Sommer
Gemeinsam mit seinem Freund erleuchtet er den Abend und die Nacht deshalb hier in der Gegend, meistens dauert die Schau knapp zehn Minuten. Vor allem im Sommer ist das Auftragsbuch voll. „Wir werden auch für private Feiern wie Hochzeiten und Geburtstage gebucht“, erzählt Sven Löbmann.
Das ganz große Geld lasse sich zwar mit dem Nebenjob nicht verdienen. „Aber ein bisschen letztendlich schon“, sagt er. Zehn- bis zwölfmal pro Jahr werden seine Dienste angefordert. Was er von der Kundschaft letztendlich dafür verlangt, hängt ganz von deren Wünschen ab. „Man kann in zehn Minuten 1500 Euro in die Luft jagen aber auch 15.000″, so der Pyrotechniker.
Hauptberuflich ist Sven Löbmann Projektleiter in einem Betrieb in Hagenwerder. Mit dem Job lasse sich der Nebenberuf gut verbinden. „Fürs Feuerwerk bin ich ja meistens am Wochenende unterwegs“, sagt er. Seine Frau hat sich mit dem feurigen Hobby arrangiert. „Sie kommt zwar nicht mehr zu jedem Feuerwerk extra mit. Aber sie akzeptiert meinen Nebenberuf“, schmunzelt Sven Löbmann.
Extra Laden für den Verkauf
In diesem Jahr will er erstmals vor Silvester etwas Neues ausprobieren: nicht nur selbst Feuerwerk zünden, sondern es auch verkaufen. In Girbigsdorf an der Holtendorfer Straße 31 wird es ab dem 29. Dezember dafür einen extra Laden geben. Bis zur Klasse zwei, also das gängige Feuerwerk für Silvester, wird es zu kaufen geben und Kinderfeuerwerk, Klasse eins.
Wenn es beispielsweise in Görlitz ein großes Feuerwerk für die Stadt geben sollte, wo sollte das gezündet werden, damit es alle sehen? – Sven Löbmann, Staatlich geprüfter Großfeuerwerker
Ein extra-Geschäft für Feuerwerk? Die Supermärkte sind doch voll mit Raketen, Abschuss-Batterien und Böllern aller Art. „Sicherlich bekommt man auch im Discounter gutes Feuerwerk“, sagt Sven Löbmann. Aber dennoch, was er im Angebot habe, sei doch etwas anders. „Es gibt etwa 50 Hersteller in Deutschland. Viele produzieren vor allem für Großfeuerwerke, aber auch herkömmlich für Silvester“, schildert der Experte.
In den Supermärkten seien immer wieder dieselben Hersteller vertreten. „Aber es gibt schon Unterschiede zu den anderen Anbietern, etwa was die Dichte der Effekte betrifft, wie lange sie zu sehen sind“, sagt Sven Löbmann. Andere Feuerwerke, andere Effekte, einfach mal etwas anderes zu Silvester – das möchte er seinen Kunden anbieten. Natürlich alles im gesetzlich erlaubten Rahmen. Am ersten Verkaufsabend, am 29. Dezember gegen 17 Uhr hat er eine kleine Vorführung der Produkte geplant, auch für Kinderfeuerwerk.
Von Raketen rät der Experte übrigens ab, hat sie aber auch im Angebot. „Raketen haben einen Eigenantrieb. Gerade wenn es windig ist, weiß man nie, wo die Rakete hinfliegt“, sagt er. Als Profi setzt er daher schon immer auf die Batterien, das Verbundfeuerwerk.
Respekt vor Kugelbomben
Wie sieht er als Großfeuerwerker die Einfuhr aus Polen? „Es gibt in Polen in den Geschäften natürlich Feuerwerk, das alle gesetzlichen Bedingungen erfüllt. Das kann man ganz normal kaufen“, so Sven Löbmann. Aber er warnt vor Böllern, die irgendwo in einer Hinterhofgarage hergestellt wurden. „Das kann echt gefährlich werden. Und die Polizei warnt nicht umsonst jedes Jahr vor den Folgen“, sagt er.
Vor Kugelbomben beispielsweise, auch wenn sie schöne Effekte erzielen, hat der Pyrotechniker Respekt. Deshalb zündet er fast immer aus der Ferne elektrisch. „Hingehen, anzünden und wegrennen geht im Zweifelsfall natürlich auch“, sagt Sven Löbmann.
Skeptisch gegenüber Großfeuerwerk für Görlitz
Ein immer wieder gefordertes Feuerwerksverbot für privat zu Silvester sieht er eher skeptisch. „Wenn es beispielsweise in Görlitz ein großes Feuerwerk für die Stadt geben sollte, wo sollte das gezündet werden, damit es alle sehen? Auf dem Marienplatz etwa? Ich glaube nicht, dass die Stadtverwaltung das mitmachen würde“, sagt er.
Wenn jemand Feuerwerkskörper kauft, muss man als Verkäufer davon ausgehen, dass der Käufer auch verantwortungsvoll damit umgeht, so Sven Löbmann. Er freue sich jedenfalls schon auf Silvester. Eine Vorverkaufsliste hat er schon angelegt. „Das Interesse ist da”, freut sich Sven Löbmann. Verkaufen darf er aber erst am 29. Dezember. Sven Löbmann wird mit seiner Familie, seinen Kindern das Neue Jahr begrüßen – ganz sicher, so als Profifeuerwerker.
SZ


