Dresden. Ambulante und stationäre Rehabilitationseinrichtungen stehen nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft Reha Sachsen (LARS) unter „massivem Druck“. An zahlreichen der rund 60 Standorte im Freistaat sei es „fünf vor zwölf“, sagte LARS-Vorsitzender Carsten Tietze im Gespräch mit Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung. Grund sei ein neues Vergütungssystem, das seit Anfang dieses Jahres im Rahmen des „Gesetzes Digitale Rentenübersicht“ umgesetzt wird.
Träger der Reha-Maßnahmen ist oft die Deutsche Rentenversicherung (DRV). Sie vergütet die Kliniken fortan anhand verschiedener Kriterien. Unterschieden wird etwa, ob ein Patient ambulant oder stationär behandelt wird und ob er etwa ein orthopädischer oder kardiologischer Fall ist. Die entsprechenden Reha-Kliniken erhalten zudem Zuschläge, je nachdem, wie sie ausgestattet sind oder wenn Kurtaxen anfallen.
Viel Durcheinander bei den Reha-Trägern
Der Plan sei zwar weitgehend sinnig, scheitere aber an der Umsetzung, erklärt Tietze, der selbst zwei Kliniken in Pulsnitz im Landkreis Bautzen leitet. Das neue System werde überall zeitlich versetzt und anhand unterschiedlicher Kriterien angewendet. „Das Problem ist momentan, dass es ein sehr heterogenes Bild an Rückmeldungen von der Rentenversicherung gibt.“
Tietze nennt als Beispiel den Kurort Bad Elster im Vogtland. Bei der einen Klinik werde die Kurtaxe mit der Vergütung verrechnet, bei einer anderen nur teilweise und bei der nächsten gar nicht. Welche finanziellen Zugeständnisse eine Klinik letztlich von einem Reha-Träger bekomme, variiert also von Fall zu Fall. „Da gibt es nirgendwo einheitliche Regelungen, wie das zu berechnen ist.“
Es besteht das Risiko, dass Reha-Kliniken in eine wirtschaftliche Schieflage geraten und vielleicht sogar insolvent gehen. – Carsten Tietze, Landesarbeitsgemeinschaft Reha Sachsen
Die Folge sei eine große Planungsunsicherheit, sagt LARS-Chef Tietze. „Es besteht das Risiko, dass Reha-Kliniken in eine wirtschaftliche Schieflage geraten und vielleicht sogar insolvent gehen.“ Denn die finanzielle Belastung durch die neue Art der Abrechnung ist nur die letzte in einer Reihe von Hürden, mit denen Rehaeinrichtungen derzeit zu kämpfen haben.
Hinzu käme der generelle Kostenanstieg, etwa für Energie, Wasser und Lebensmittel. Und auch die Ausgaben, die beim Anwerben von Personal aus dem Ausland entstehen. Zahlreiche Kliniken in Sachsen seien darauf angewiesen.
Wenn eine bereits finanziell strapazierte Klinik durch das neue Vergütungssystem benachteiligt werde, könne das eine ganze Region ins Ungleichgewicht bringen, betont Tietze. In manchen Regionen wie dem Osterzgebirge oder Nordsachsen seien Reha-Kliniken große Arbeitgeber und wichtige Kunden regionale Produzenten und Dienstleister.
Die Reha-Branche ist ein Milliardenmarkt. Allein über die Deutsche Rentenversicherung wurden 2024 mehr als eine Million Reha-Leistungen verrechnet. Mit Blick auf die alternde Bevölkerung steigt der Bedarf. Wie sich das neue Gesetz letztlich auf die Finanzen der sächsischen Kliniken auswirken wird, lässt sich bisher nicht sagen.
Einige Reha-Kliniken machen Verlust
Von den im Jahr 2023 durch die sächsische Landesärztekammer erfassten Reha-Standorte sind bislang zwei aufgegeben worden. Eine ambulante Reha in Zwickau wurde liquidiert. Am nächsten Mittwoch wird dort jedoch ein neues Reha-Zentrum eröffnet. Bad Elster verlor ein Klinikum.
In den roten Zahlen steckten 2024 nur wenige Reha-Gesellschaften. Die meisten davon waren ambulant tätig. Bei den Kliniken traf es lediglich vier Häuser: die Evangelische Fachklinik Heidehof in Weinböhla, die Fachklinik für Geriatrie in Radeburg, die Klinik am Tharandter Wald in Hetzdorf (nach Zahlen aus dem Jahr 2022) und die Rehaklinik im erzgebirgischen Erlabrunn.

Quelle: Katrin Mädler/dpa
Auffallend: Nur noch 13 Reha-Einrichtungen in Sachsen sind mehr oder minder gemeinnützig orientiert. Dazu zählen sechs Standorte der öffentlichen Hand wie das Sächsische Krankenhaus Rodewisch, die vier kirchlichen Häuser sowie drei von Wohlfahrtsverbänden.
Allein zehn Häuser gehören zwei Investmentfonds. Bei einem handelt es sich um die Waterland Private Equity-Gesellschaft mit Sitz nahe Amsterdam. Seit 2011 gehört dem Finanzinvestor die Klinik-Gruppe Median, die in Sachsen sechs Kliniken betreibt. Seit dem Einstieg von Waterland habe es eine „bemerkenswerte 30-fache Wachstumssteigerung“ gegeben, betont Waterland auf seiner Homepage.
Für Investmentfonds ist das lukrativ
In Paris residiert die Fondsgesellschaft Emeis, die nach eigenen Angaben mehr als 850 Pflege- und Gesundheitseinrichtungen betreibt. Ihr gehört seit 2014 der Celenus-Klinik-Verbund.
Zu dieser Gruppe zählte das Fachklinikum Sachsenhof in Bad Elster. Ende 2024 machte dieses 240-Betten-Haus mit einst rund 100 Beschäftigten dicht. Die Freie Presse berichtete seinerzeit über „tiefrote Zahlen“.

Quelle: Patrick Kallweit Unternehmenskommunikation und Marketing Vitrea Pulsnitz
Großkapital steckt zudem hinter den früheren Vamed- und Paracelsuskliniken. Beide firmieren seit November 2025 unter dem Namen Vitrea.
Sie sind nun auch Namensgeber für Kliniken in Pulsnitz und Bad Elster. Sie gehören zum Finanzinvestor PAI Partners in Paris.

Quelle: Steffen Brost
Unabhängig von Fremdinvestoren sind in der Reha-Branche einige sehr vermögende Familien unterwegs. Die wohl erfolgreichste ist die auf rund drei Milliarden Euro geschätzte Familie Broermann im hessischen Königstein.
Ihr gehört der Asklepios-Klinikverbund. Bei den Rehaeinrichtungen in Sachsen kommt die Familie auf drei Standorte, sogar auf vier die Familie Michels aus Schleswig-Holstein.
Ein weiterer bekannter Name ist Rudolf Presl, dem in Kreischa bei Dresden die Bavaria-Klinik gehört. Insgesamt sind reiche Familien Eigner von 16 Reha-Standorten im Freistaat. Einige wenige stationäre Einrichtungen in Sachsen gehören Medizinern, etwa der Erfurter Arzt Hans-Christian Ebel mit einem Haus in Bad Brambach.
SZ


