Görlitz. Im Grunde ist die Infrarotheizung eine unscheinbare, sechs Zentimeter flache Blechkiste, weiß angestrichen. Das kleinste Modell misst 60 mal 60, das Größte 180 mal 60 Zentimeter. Es lässt sich an der Wand oder der Decke montieren und hat eine Leistung zwischen 400 und 1200 Watt.
In den Häusern Friedrich-Engels-Straße 33/35 in Görlitz-Weinhübel, die Daniel und Kathrin Heidrich aus Schönau-Berzdorf als Energiespar-Wohnblock sanieren, wird die Heizung nächstes Jahr eingebaut – als Decken- und als Alleinheizung. Damit wird der Block auch beim Thema Heizung zum Vorreiter.
Wir wollen über 100.000 dieser Heizkörper pro Jahr produzieren. – Sebastian Heidrich, Vorstand Thermotec AG
Sebastian Heidrich, der Bruder des Bauherren, hofft, dass sich die Infrarotheizung nicht nur in Weinhübel durchsetzt: „Wir wollen über 100.000 dieser Heizkörper pro Jahr produzieren“, berichtet der Inhaber der Thermotec AG am Ortsrand von Arnsdorf bei Görlitz. Dort wurde diese Infrarotheizung erfunden. Und dort wird sie nun auch produziert.
Die Thermotec AG mit ihren rund 35 Mitarbeitern entwickelt und produziert schon länger modernste Elektroheizungen für den weltweiten Einsatz. Wenn die neue Infrarotheizung so ankommt, wie der Firmenchef es sich erhofft, könnte die Mitarbeiterzahl in den nächsten Jahren steigen und die Firma auch räumlich wachsen.
Wir tragen seit Jahren Infos zusammen und haben alle Infrarotheizungen am Markt abgescannt. – Sebastian Heidrich, Vorstand Thermotec AG
Infrarotheizungen seien ein Trend, sagt Sebastian Heidrich: „Wir tragen dazu seit Jahren Informationen zusammen und haben alle Infrarotheizungen am Markt abgescannt.“ Was ihm dabei fehlte, war ein Premium-Produkt zum günstigen Preis: „Deshalb haben wir selbst eines entwickelt.“ Das sei nicht von heute auf morgen gegangen: „Wir haben lange probiert und getestet.“ Dass der Produktionsstart jetzt zeitlich mit dem Sanierungsprojekt seines Bruders in Görlitz-Weinhübel zusammenfällt, sei ein Zufall – aber ein glücklicher.
Das Besondere an der Infrarotheizung der Thermotec AG ist die Duo-Chamber-Technologie: „Sie besteht aus einer doppelten Isolation und einem Reflektor.“ Wer das Prinzip genauer verstehen will, wird auf der Firmen-Internetseite fündig. Ein Modell dort zeigt, dass sich zwischen der Front und der Rückwand eine Heizmatte, Luftisolation, eine Reflektionsplatte und schließlich gebundene Mineralwolle befinden. Das bietet kein anderer Hersteller so an. „Wir haben uns diese Technologie schützen lassen“, sagt Heidrich.

Quelle: Martin Schneider
Er sieht darin eine große Zukunft: „Wir wollen ein Premium-Produkt als Massenprodukt anbieten und dafür die Produktion hochfahren.“ Die Arnsdorfer wollen nach seinen Worten „ein großer Player im Infrarotmarkt” werden. Verkauft werden soll die Infrarotheizung europaweit, im Idealfall sogar weltweit – immer Made in Germany, Made in Arnsdorf. Die Produktion hat im März begonnen. Bisher läuft sie chargenweise, also je nach Bedarf.
Andreas Rudolph, Teamleiter Vertrieb bei der Thermotec AG, sagt, dass es viele Muster- und inzwischen auch schon erste Serienbestellungen gebe: „Und wir erhalten sehr positive Rückmeldungen von den Installateuren.“ Nach seinen Worten sollte die Infrarotheizung dort im Raum angebracht werden, wo man sich für gewöhnlich aufhält. Die erzeugte Wärme kommt nämlich genau da an, wo sie gebraucht wird.
Ähnlich wie Sonnenstrahlen
Die Heizung erzeugt langwellige Infrarotstrahlung, ähnlich wie Sonnenstrahlen. Sie erwärmt nicht die Luft, sondern direkt Gegenstände und Menschen im Raum. Durch den integrierten Strahlungsreflektor und die doppelte Isolationskammer wird der überwiegende Teil der erzeugten Wärme konsequent nach vorn in den Raum gelenkt.
Das Gute dabei: Infrarotheizungen liefern sofort Wärme. Schon nach drei bis fünf Minuten sei die angenehme Strahlungswärme zu spüren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Systemen müsse man also nicht erst warten, bis sich die gesamte Raumluft erwärmt hat.
Natürlich liegt der Preis höher als bei den Billig-Heizungen aus China. – Andreas Rudolph, Teamleiter Vertrieb Thermotec AG
Die Rückwandtemperatur sei dadurch niedriger als bei konventionellen Infrarotheizungen. Das reduziere Wärmeverluste und erhöhe die Effizienz der Flächenstrahlung. Die maximale Oberflächentemperatur liege bei 120 Grad Celsius. Dadurch entstehe eine gleichmäßige, behagliche Wärme, ohne Luftverwirbelung oder Staubaufwirbelung. Die Heizung arbeite geräusch- und geruchlos. Das System sei wartungsfrei und für den dauerhaften Betrieb ausgelegt.
Die Installation ist denkbar einfach. Die Heizung wird an die Wand oder an die Decke mithilfe einer von der Thermotec AG entwickelten Halterung montiert und an eine Steckdose angeschlossen. Dafür sind weder Rohrleitungen noch ein Fachmann nötig. In weniger als einer Stunde ist alles einsatzbereit. Steuern lässt sich die Heizung entweder vor Ort im Raum oder per Mobiltelefon.
Nur über den Preis möchte der Teamleiter nicht sprechen. „Natürlich liegt er höher als bei den Billig-Heizungen aus China“, sagt Andreas Rudolph. Aber die Qualität sei dank der Duo-Chamber-Technologie auch eine völlig andere. Die Thermotec AG verkauft ohnehin nicht direkt an den Endkunden: „Das macht eine selbstständige GmbH, der Shop befindet sich in Leipzig“, sagt er.
SZ


