Freital. Freital wird auch in Zukunft eine Glashütte haben. Wie die Beratungsfirma AGB Marketing mitteilte, sei es gelungen, für das insolvente Unternehmen Käufer zu finden. Inzwischen hat auch die Gläubigerversammlung dem Verkauf zugestimmt, sodass der Betrieb im Werk nahtlos fortgesetzt werden kann. Die neuen Eigentümer bestehen aus einem lokalen Investor und einem lettischen Partner.
„Gemeinsam übernehmen sie demnach nicht nur die Produktionsanlagen, sondern auch sämtliche Arbeitnehmer und stellen eine solide Finanzierung für den Standort bereit“, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Glashütte beschäftigt derzeit 80 Mitarbeiter. Im Februar 2025, als die Insolvenz angemeldet werden mussten, waren es noch 125 Beschäftigte.
Neue Märkte sollen erschlossen werden
In den vergangenen Monaten wurde eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchgeführt, um das Unternehmen wirtschaftlich zu sanieren und für Investoren interessant zu machen. Das Werk in Freital produziert Hohlglaskörper vor allem für die Lebensmittelindustrie, darunter Wein-, Spirituosen- und Saftflaschen sowie Gläser. Bei der Herstellung nutzt die Glashütte bis zu 75 Prozent Altglasscherben.
Mittelfristig sei geplant, zunächst mit dem Betrieb einer Schmelzwanne wieder Nischensegmente und Kleinserien zu produzieren und bestehende Kundenbeziehungen zu stärken, heißt es.
Aus Glashütte wird die Freitaler Glas GmbH
Darüber hinaus wollen die Investoren die Internationalisierung des Unternehmens vorantreiben, um neue Märkte zu erschließen. „Mit dieser Lösung sichern wir nicht nur Arbeitsplätze und Know-how, sondern auch die Zukunft eines Standortes, der seit über zwei Jahrhunderten für höchste Qualität in der Glasproduktion steht“, betonte die Geschäftsführung.
Jedoch wird all dies unter einem neuen Namen geschehen. Wie aus der Pressemitteilung hervorgeht, heißt das Unternehmen ab sofort Freitaler Glas 1802 GmbH.
Seit Corona in Turbulenzen
In jenem Jahr 1802 wurde die Glashütte errichtet und nahm kurze Zeit später als Königliche Friedrich-Hütte in Döhlen ihren Betrieb auf. Schon damals wurden Hohlglaskörper produziert. In den 1860er-Jahren stand die Hütte einige Zeitlang leer, bevor die Fabrikation wiederaufgenommen wurde. Kurz darauf erwarb die Industriellenfamilie Siemens die Fabrik. Zu DDR-Zeiten war das Werk ein Staatsbetrieb.
Nach der Wende stieg die Preiss-Daimler-Group ein, stieß das Glaswerk aber 2013 ab. Seitdem war es als Glashütte Freital GmbH wirtschaftlich eigenständig – bis zur Insolvenz.
In wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet das Unternehmen bereits mit der Corona-Pandemie. Damals brach die Nachfrage nach Flaschen und Gläsern weltweit massiv ein. Die Preise fielen. Kaum hatte sich der Markt erholt, ereilten steigende Energiepreise die deutsche Glasbranche, so auch die Glashütte in Freital.


