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Nachfrage-Sprung für schnelles Internet

Der „Deutsche GigaNetz“- Geschäftsführer Soeren Wendler über das Ende der Kupfernetze und die Glasfaser-Pläne in Sachsen.

Lesedauer: 4 Minuten

Blick auf das Firmenschild Deutsche Giganetz.
Deutsche GigaNetz wurde 2020 in Hamburg als Telekommunikationsunternehmen gegründet und ist spezialisiert auf den Aufbau und den Betrieb eigener Glasfasernetze in Deutschland. Das Unternehmen hat 650 Beschäftigte an acht Standorten, in Sachsen befinden sich Niederlassungen in Leipzig und Dresden. Foto: Deutsche GigaNetz

Herr Wendler, vor fünf Jahren haben Sie mit einer Handvoll Gleichgesinnter gewissermaßen aus dem Nichts ein Unternehmen gegründet, das eigene Glasfasernetze in der ganzen Bundesrepublik aufbauen und betreiben will. Dies erscheint wie eine kühne Kampfansage an die Telekom und Vodafone: Wenn diese Riesen bis heute mit mäßigem Erfolg daran herumlaborieren, uns endlich in die Glasfaser-Spitzenliga zu heben, wie wollen Sie das schaffen?

Auf jeden Fall sehen wir dafür einen ganz dringenden Handlungsbedarf: Obwohl die Glasfasertechnik in den 1970er-Jahren in Sachsen erfunden wurde und man längst erkannt hat, dass darin die Zukunft liegt, haben uns Japan, Tschechien, Südkorea, Polen, Dänemark und viele andere Länder längst überholt. Deutschland liegt heute beim Glasfaserausbau auch im weltweiten Vergleich auf den letzten Plätzen. Die Bundesrepublik hat sich zu sehr auf immer neue kleine Verbesserungen des Kupfernetzes konzentriert, obwohl die physikalischen Grenzen dieser Technologie lange bekannt sind.

Daran wollen wir etwas ändern und mit der Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger einen zeitnahen großflächigen Glasfasernetzausbau für einen Anschluss bis in die eigenen vier Wände ermöglichen. Mit einem klaren Fokus auf den eigenwirtschaftlichen Ausbau ist es das Ziel, 100 Prozent Glasfaser in den Kommunen zu bauen und dabei vorhandene Infrastrukturen als auch Förderungen ergänzend einzubeziehen.

Das dürfte teuer werden. Woher wollen Sie das Geld dafür nehmen?

Mit den InfraRed Capital Partners und der Deutsche-Bank-Tochter DWS haben wir zwei Großinvestoren, die unsere Visionen einer leistungsfähigen, nachhaltigen digitalen Infrastruktur teilen. Gemeinsam mit weiteren Geldgebern sind für unsere Pläne mehrere Milliarden Euro zugesagt. Durch die gewährte Finanzierung sind die von der Deutschen GigaNetz bereits fest vereinbarten Ausbauziele für die kommenden Jahre über alle laufenden sowie neuen Projekte voll finanziert.

Und das geht einfach so? Wollen die keine Sicherheiten von einem doch noch recht jungen Unternehmen wie dem Ihren sehen?

Bisher haben wir schon eine Viertelmillion Haushalte ausgebaut, vor allem in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen. Nun geht es in diesen Kerngebieten fokussiert weiter, aber auch in anderen Regionen, unter anderem auch Sachsen, in insgesamt in zwölf Bundesländern mit über 210 Kommunen.

Wie sehen Ihre Pläne hier aus?

In Sachsen gehen wir achtsam vor und zunächst bis zu zehn Projekte an, unter anderem in den Regionen Dresden, Leipzig, Delitzsch, Eilenburg, Frohburg, Zwickau und Kamenz. Insgesamt wollen wir hier bis 2026/2027 rund 200 Millionen Euro investieren und bis zu 145.000 Haushalte anschließen.

Wo steht der Freistaat aus Ihrer Sicht derzeit?

In Sachsen haben etwa 14 Prozent aller Haushalte Glasfaseranschlüsse. Das ist Mittelfeld im Deutschlandvergleich und im internationalen Maßstab sind Quoten unter 70 Prozent ohnehin nur ein Trauerspiel. Doch das war eben auch eines der Kriterien, warum wir jetzt in Sachsen ausbauen: Ein eher schlechter Ausbaustand der Glasfasernetze, ein überschaubarer Wettbewerb und konkret im Falle Dresdens sowie an anderen Standorten kommen noch eine hohe Kaufkraft und gute politische Unterstützung dazu.

Fokussieren Sie sich dabei auf Privathaushalte oder Gewerbekunden?

Sowohl als auch. Unser Fokus liegt auf Privathaushalten, da wir einen möglichst flächigen Ausbau anstreben. Wir erschließen aber auch Geschäftskunden und ebenso Gewerbegebiete, wenn da noch keine Versorgung gegeben ist.

Da muss ich doch noch mal fragen: Warum braucht zum Beispiel Oma Kasubke einen Supidupi-Gigabit-Internetanschluss per Glasfaser? Und selbst von den Jüngeren, die täglich Videos gucken, im Netz zocken oder Videokonferenzen abhalten, werden wohl die meisten sagen: Ich brauch keine Gigabit-Leitung, wenn sie nicht gerade ultrabillig ist …

Homeoffice, Tele-Learning, Videotelefonie und künftig auch 8K-Fernsehen beziehungsweise -Streaming werden den Bedarf an immer schnelleren Internetverbindungen weiter hochtreiben. Wir rechnen zudem damit, dass die Telemedizin nun wirklich in die Gänge kommt und auf Glasfaser bis ins letzte Dorf angewiesen sein wird. Der demografische Wandel und der Ärztemangel jenseits der Großstädte sorgen dafür, dass immer mehr Videosprechstunden und andere Telemedizin-Dienste vor allem auf dem Lande angeboten werden.

Dazu kommen die großen datenhungrigen Megatrends wie Cloud-Dienste oder autonomes Fahren bis hin zur Energiewende, wo viele Privatkunden zum Stromerzeuger und somit zum Sender von zeitkritischen Daten werden. Und wenn jetzt überall von Künstlicher Intelligenz die Rede ist, sollten wir nicht vergessen, dass diese KIs riesige Datenmengen zum Lernen, aber auch bei der Kommunikation vom und zum Nutzer bewegen, oft auch über viele verteilte Rechenzentren hinweg. Wenn dann bei den KI-Anwendungen noch grafische Elemente oder Geodaten hinzukommen, dann steigt der Breitband-Bedarf in beide Richtungen, also im Download wie im Upload, sprunghaft um Faktor 10 und mehr. Für all das braucht man stabile und leistungsstarke Leitungen und das bietet eben nur Glasfaser.

Wirklich? Manche sagen, dass drahtlose Lösungen wie 5G inzwischen so schnell sind, dass vielerorts gar keine teuren, weil unterirdisch verlegten Glasfasern mehr nötig sind…

Festnetz beziehungsweise Glasfaser und Mobilfunk koexistieren schon seit Jahren. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Was vielen aber kaum bewusst ist: Nur sechs bis acht Prozent des weltweiten Datenverkehrs spielen sich in Mobilfunknetzen ab, ohne Glasfaser würde alles zusammenbrechen. Denn über eine einzige Glasfaser können Sie schon heute bis zu acht Terabit je Sekunde bewegen – das schaffen weder Mobilfunk noch Kupferkabel auch nur annähernd.

Apropos Kupfer: Sie gelten als Verfechter der Idee, die Kupfernetze bald abzuschalten. Warum? Man könnte ja argumentieren: Jetzt haben wir mit Milliardenaufwand über Jahrzehnte recht gute Kupfernetze in Deutschland aufgebaut und ständig verbessert – weshalb muss man die nun unbedingt abschalten, die stören die Glasfaserprojekte doch nicht?!

Hier geht es unter anderem um Planungssicherheit, Zukunftssicherheit, Ressourcenverbrauch und Umweltschutz: Glasfasernetze verbrauchen etwa 70 Prozent weniger Strom als Kupfer und sind viel stabiler. Zudem ächzen unsere Kupfernetze schon heute unter der Datenlast. Dass die Kupferkabel keine Zukunft haben, sollte auch den End-Verbrauchern klar gemacht werden. Auch deshalb plädieren wir dafür, zum Beispiel 2030 als Abschaltdatum für die alten Netze festzulegen. „Das Alte darf dem Neuen nicht im Wege stehen“ – wir kennen das auch vom Automobilbau mit der Abwrackprämie oder von Zuschüssen für neue Technologien in der Solartechnologie. Wir sollten uns lieber früher als später auf die Zukunftstechnologie Glasfaser konzentrieren und die Menschen mitnehmen, damit Deutschland auch im Digitalsektor ganz vorne mitspielen kann.

Das Gespräch führte Heiko Weckbrodt

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