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Neue Studie: Bis 2035 sinken die Immobilienpreise in der Oberlausitz

Die Postbank hat jetzt die deutschlandweite Prognose für die kommenden Jahre vorgelegt. Die Kreise Görlitz und Bautzen folgen demnach einem Trend: Die Preise in ländlichen, grenznahen und strukturschwachen Regionen fallen – jedenfalls beim Wohneigentum.

Lesedauer: 3 Minuten

Umgebindehäuser in der Oberlausitz: Schön anzusehen, aber wer will darin wohnen oder es kaufen? (Archivbild) Quelle: Matthias Weber (Archiv)

Matthias Klaus

Görlitz. Die Immobilienpreise sind deutschlandweit gesehen im vergangenen Jahr leicht angestiegen. Dieser Trend werde sich langfristig verstärken. Das geht aus dem Postbank Wohnatlas 2026 hervor. Der wurde vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut für die Postbank erstellt. Bis 2035 sollen demnach die Kaufpreise für Eigentumswohnungen über alle Landkreise und kreisfreien Städte inflationsbereinigt um 0,41 Prozent steigen.

Der Preisanstieg fällt – erwartungsgemäß – voraussichtlich in einigen Groß- und Mittelstädten besonders stark aus, sowie in deren Umlandregionen. In Sachsen gehört zum Beispiel Leipzig zu den boomenden Städten, auch für Dresden sieht es gut aus. Der Anstieg des jährlichen Kaufpreises bei Immobilien bis 2035 wird hier pro Jahr mit einem Plus von mindestens 0,8 Prozent prognostiziert – alles im grünen Bereich für Dresden auf der Karte des Wohnatlas.

Leipzig und Dresden als Leuchttürme

Nur ein paar Kilometer weiter östlich von der Landeshauptstadt entfernt ist die Lage allerdings eine ganz andere. Für die Oberlausitz, die Landkreise Bautzen und Görlitz, zeigt die Karte ein tiefes Rot. Das bedeutet, die Immobilienpreise rutschen jährlich ins Minus – so jedenfalls die Prognose. Oder wie es im Wohnatlas heißt: Preisrückgänge seien in stark ländlich geprägten Regionen in Ost- und Mitteldeutschland sowie in einigen grenznahen Gebieten zu erwarten.

„Auf dem Wohnungsmarkt zeigt sich immer deutlicher, dass die sozioökonomische Lage, definiert als wirtschaftliche Stärke und demografische Entwicklung, über die künftige Wertentwicklung entscheidet“, so Manuel Beermann, Leiter Produktmanagement Immobilien der Privatkundenbank Deutschland. Auf Deutsch meint der Experte: Schwache Wirtschaft, Wegzug junger Leute, Überalterung der Bevölkerung lassen Immobilienpreise purzeln.

„In strukturschwachen und stark ländlichen Regionen dürfte die Preisentwicklung dagegen deutlich verhaltener ausfallen“, formuliert es Manuel Beermann. Für die Landkreise Görlitz und Bautzen ist das noch relativ freundlich ausgedrückt. Hier stehen im Wohnatlas der Postbank bis 2035 nur Minuszeichen vor den Zahlen.

Bevölkerungszahl geht weiter zurück

So wird erwartet, dass die Bevölkerungszahl im Landkreis Görlitz bis 2035 um knapp 11,6 Prozent abnimmt, im Kreis Bautzen um 10,2 Prozent. Demgegenüber sinkt die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter im Kreis Görlitz um 1,6 Prozent, im Kreis Bautzen um knapp 1,5 Prozent – bis 2035, pro Jahr wohlgemerkt. Das wiederum hat Einfluss auf das verfügbare Einkommen. Es sinkt jährlich im Kreis Görlitz um 1,7, im Kreis Bautzen um 1,2 Prozent.

Wer Wohneigentum für die eigene Nutzung sucht, kann auch in Märkten mit stagnierenden oder leicht sinkenden Preisen interessante Angebote finden. – Manuel Beermann, Deutsche Bank

Relativ stabil bleibt hingegen das Angebot an Wohnraum. Im Kreis Bautzen sinkt das Angebot pro Jahr um 0,1 Prozent, im Kreis Görlitz um 0,3 Prozent.

Das Ganze hat natürlich Auswirkungen auf die Immobilienpreise. Der Postbank Wohnatlas geht davon aus, dass bis 2035 die Kaufpreise im Landkreis Görlitz jährlich um 0,66 Prozent zurückgehen, im Kreis Bautzen um 0,3 Prozent. 2035 wäre Wohneigentum demnach im Kreis Görlitz 6,99 Prozent günstiger als heute, im Kreis Bautzen knapp drei Prozent – so die Prognose.

Ähnlich sieht es übrigens bei den nördlichen Nachbarn des Kreises Görlitz, in Spree-Neiße aus. Hier gibt es mit der Stadt Cottbus allerdings noch einen Ausreißer. Die Prognose sagt für die Stadt zumindest einen unveränderten Immobilien-Kaufpreis voraus. Noch weiter nördlich beginnt dann schon der erweiterte Speckgürtel von Berlin mit steigenden Immobilienpreisen.

Trotz der Leuchttürme Leipzig und Dresden samt unmittelbarer Umgebung: In Sachsen fallen die Preise laut Prognose über alle kreisfreien Städte und Landkreise hinweg um 0,1 Prozent. Steigende Kaufpreise prognostiziert das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut für 13 Bundesländer. Ins Minus kommen neben Sachsen noch Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Preisentwicklung abhängig vom Einzelfall

„Bei den prognostizierten Preisen handelt es sich um Durchschnittswerte für ganze Regionen. Wie sich die Preise tatsächlich entwickeln, hängt im Einzelfall stark von Faktoren wie Lage, Infrastruktur und Nachfrage vor Ort ab“, so Manuel Beermann. Deshalb gebe es auch in Bundesländern mit insgesamt verhaltener Entwicklung einzelne Städte und Regionen mit steigenden Preisen.

„Wer Wohneigentum für die eigene Nutzung sucht, kann auch in Märkten mit stagnierenden oder leicht sinkenden Preisen interessante Angebote finden“, so der Experte. Eine schuldenfreie Immobilie bleibe langfristig ein wichtiger Baustein der privaten Altersvorsorge.

SZ

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