Suche
Suche

Neue Studie zur Arbeitszeit in Sachsen: Gewerkschaften gegen längere Schichten

Droht Sachsens Arbeitnehmern die 12-Stunden-Schicht? Gewerkschaften warnen bereits vor erhöhtem Unfallrisiko und fordern Diskussionen mit der Politik. Wie viele Stunden arbeiten Leipziger, Dresdner und Chemnitzer wirklich?

Lesedauer: 3 Minuten

Die Gewerkschaften IG Metall und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wehren sich gegen Pläne der Bundesregierung, den Acht-Stunden-Tag als reguläre Arbeitszeit durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen. Quelle: dpa/Jan Woitas

Tobias Winzer

Leipzig/Dresden. Die Gewerkschaften IG Metall und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wehren sich gegen Pläne der Bundesregierung, den Acht-Stunden-Tag als reguläre Arbeitszeit durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen. „Künftig sollen 12-Stunden-Schichten möglich sein. Das darf auf keinen Fall passieren“, so die Kritik von Christian Ullmann, Geschäftsführer der NGG in der Region Leipzig-Halle-Dessau.

Schon jetzt, werde in Sachsen zum Teil zu viel gearbeitet, heißt es. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf eine neue Studie zur Arbeitszeit – aufgeschlüsselt auch nach Kreisen in Sachsen.

Die NGG ruft ihre Mitglieder deshalb dazu auf, sich an der bundesweiten Kampagne des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) „Mit Macht für die 8“ zu beteiligen. Das Arbeitszeitgesetz erlaubt schon heute Arbeitszeiten von bis zu zehn Stunden täglich. Mit dem Vorhaben der Regierung könnten es ausnahmsweise auch zwölf werden.

Gewerkschaft sieht erhöhtes Unfallrisiko nach acht Arbeitsstunden

Die Gewerkschaft NGG warnt in diesem Zusammenhang vor „zu viel Arbeit am Stück“. Wer regelmäßig mehr als zehn Stunden am Tag oder über 40 Stunden in der Woche arbeite, der werde das irgendwann merken. Außerdem seien lange Arbeitstage auch aus Sicht des Arbeitsschutzes nicht ungefährlich. „Denn das Unfallrisiko steigt nach acht Stunden stark an. Die Ermüdung nimmt zu, die Konzentration ab.“

Zehn Stunden und mehr am Stück seien hochriskant, ab der zwölften Arbeitsstunde passierten statistisch doppelt so viele Unfälle wie bei einem Arbeitstag mit acht Stunden, sagt Ullmann.

Neue Studie zu Arbeitsvolumen der Arbeitnehmer

Die NGG beruft sich bei ihren Forderungen auch auf eine aktuelle Studie des Pestel-Instituts aus Niedersachsen zum Arbeitsvolumen. Demnach ist die Zahl der Arbeitnehmer in Deutschland von 1991 bis 2024 um knapp 20 Prozent angestiegen – bei einem Rückgang der Erwerbsfähigen um 1,3 Prozent.

Insgesamt summieren sich die Arbeitsstunden aller Arbeitnehmer in Sachsen auf 6,8 Millionen pro Tag. Den größten Anteil daran haben aufgrund der schieren Menge der Berufstätigen die Arbeitnehmer in Leipzig mit rund 1,25 Millionen Arbeitsstunden und die Arbeitnehmer in Dresden mit 1,19 Millionen Arbeitsstunden. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2024.

Jeder Sachse arbeitet im Schnitt 3,6 Stunden pro Tag

Damit arbeitete jeder Sachse im Durchschnitt 3,6 Stunden pro Tag. Deutschlandweit sind es laut Studie nur 3,54 Stunden. Berücksichtigt seien dabei auch Minijobber und Teilzeitbeschäftigte. In Sachsen wird demnach mit durchschnittlich 3,66 Stunden pro Tag im Landkreis Nordsachsen am meisten gearbeitet. Schlusslicht sei der Erzgebirgskreis mit 3,55 Arbeitsstunden pro Tag. In Chemnitz und Leipzig liegt die durchschnittliche Tagesarbeitszeit bei 3,61 Stunden, in Dresden bei 3,63.

Die IG Metall wandte sich am Mittwoch in einer Pressemitteilung persönlich an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Dieser habe immer wieder eine höhere Arbeitszeit und niedrigere Tariflöhne gefordert.

„Wir laden den Ministerpräsidenten ein, mit Beschäftigten aus Sachsen und der IG Metall über die Arbeitszeit zu diskutieren“, so Stefan Ehly, Erster Bevollmächtigter IG Metall Dresden und Riesa. „Obwohl wir in vielen Betrieben in Sachsen immer noch 38 und mehr Stunden arbeiten, glaubt Herr Kretschmer offenbar immer noch an das Billiglohnland. Wir laden Herrn Kretschmer ein, mit uns darüber zu diskutieren, ob er wirklich findet, dass der Einsatz der Beschäftigten in Sachsen das Übel in der derzeitigen Krise der Industrie ist.“

In der Staatskanzlei heißt es auf Nachfrage dazu: Der Ministerpräsident scheue keine Diskussion, wie man wüsste, und sei prinzipiell dazu bereit. Aber bislang sei keine offizielle Einladung angekommen.

SZ

Das könnte Sie auch interessieren: