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Neuer Arbeitgeber-Riese für Region Leipzig: Mytheresa plant hunderte neue Jobs am Flughafen

Hunderte neue Jobs in weniger als fünf Jahren: Der Luxus-Modehändler Mytheresa baut die Zahl der Arbeitsplätze nach einem großen Deal weiter aus. Auch andere Logistik-Projekte versprechen hunderte neue Jobs am Flughafen. Kann die Infrastruktur mithalten?

Lesedauer: 4 Minuten

Florian Reinke

Leipzig. New York, Dubai, Tokio – seine Kundinnen und Kunden beliefert Mytheresa rund um den Globus. In über 130 Ländern lassen sich die Waren des Online-Händlers empfangen, und der Standort am Leipziger Flughafen nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein: Hier werden Waren verpackt, an DHL übergeben – und bisweilen um die halbe Welt geflogen.

Anfang 2024 hatte Mytheresa sein neues Logistikzentrum in Schkeuditz offiziell eröffnet. Das Unternehmen bleibt auf Wachstumskurs – und die Region kann sich auf hunderte neue Jobs einstellen.

Weitere 350 Jobs geplant: Blick auf das Mytheresa-Logistikzentrum.
Weitere 350 Jobs geplant: Blick auf das Mytheresa-Logistikzentrum.
Quelle: Michael Strohmeyer

350 neue Jobs in den kommenden Jahren

Sebastian Dietzmann, der als Chief Operating Officer (COO) das operative Geschäft leitet, sagte jetzt der LVZ: „Wir sind mit der positiven Entwicklung seit der Eröffnung sehr zufrieden und planen, die Zahl der Arbeitsplätze bis 2030 auf über 1000 zu erhöhen.“

Das ist eine Hausnummer. Derzeit arbeiten in dem Logistikzentrum nach Unternehmensangaben 650 Menschen. Heißt also: In den kommenden Jahren will das in München gegründete und an der New Yorker Börse gehandelte Unternehmen mindestens weitere 350 Jobs schaffen.

Wichtiger Arbeitgeber in Wirtschaftsregion

Der Mytheresa-Komplex kommt unscheinbar daher, doch hinter den Hallenwänden lagern T-Shirts, die schnell mal ein paar hundert Euro kosten, exklusive Handtaschen – und Luxus-Uhren, die in einem riesigen Tresor unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen aufbewahrt werden.

Dass Mytheresa den Standort weiter stärken will, freut den Schkeuditzer Oberbürgermeister Rayk Bergner. „Es ist ein höchst seriöses Unternehmen, das uns hier bereichert – und ein wichtiger Arbeitgeber“, betont der CDU-Politiker.

Schkeuditzer Oberbürgermeister Rayk Bergner: Rund um den Flughafen ist viel in Bewegung.
Schkeuditzer Oberbürgermeister Rayk Bergner: Rund um den Flughafen ist viel in Bewegung.
Quelle: Andre Kempner

Mytheresa übernimmt Wettbewerber

Die Frage, wie es am Standort weitergeht, drängte sich zuletzt auf – Grund ist ein großer Übernahme-Deal: Denn inzwischen hat Mytheresa den einstigen Mitbewerber Yoox Net-a-Porter übernommen. Dieser verkauft über Marken Net-a-Porter und Mr Porter ebenfalls Luxus-Artikel. Bisheriger Eigentümer war der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont. Man kennt diesen Namen in Sachsen: Zum Portfolio zählt etwa die Uhrenmarke A. Lange & Söhne aus dem sächsischen Glashütte.

Nach der Übernahme, die jetzt in Sack und Tüten ist, will Mytheresa nicht weniger als einen europäischen Giganten in der Luxus-Branche schaffen. Einen neuen Namen gibt es bereits: Die Unternehmensgruppe tritt als LuxExperience auf.

Job-Zuwachs stellt Wirtschaftsregion vor Herausforderungen

Der Leipziger Standort wird im Konzern weiterhin eine Schlüsselrolle spielen, versichert Manager Dietzmann: Denn Mytheresa bleibe als eigenständige Marke erhalten. „Das hochmoderne Logistikzentrum in Leipzig ist und bleibt ein integraler Bestandteil der erfolgreichen Operationen von Mytheresa“, sagt Dietzmann.

Mit dem angekündigten Job-Zuwachs steht der Wirtschaftsraum zwischen Leipzig und Halle zugleich vor neuen Herausforderungen. Auch der Dax-Konzern Beiersdorf investiert 200 Millionen Euro in ein neues Logistikzentrum im Leipziger Norden und will 450 neue Jobs schaffen. Unmittelbar am Flughafen errichtet die belgische Weerts Group einen Logistikpark mit 100 neuen Arbeitsplätzen. Auch der Flugzeughersteller Deutsche Aircraft will bis zu 350 Menschen in seinem neuen Werk beschäftigen. Schon jetzt lässt sich sagen: Es wird für die Unternehmen eine Herausforderung, den Arbeitskräftebedarf zu decken.

Flugzeugwerk der Deutschen Aircraft auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Laut Plan soll der Bau einer Endmontagelinie des Regionalflugzeugs Ende 2025 abgeschlossen sein. Die Investitionssumme beläuft sich nach Angaben des Unternehmens auf etwa 100 Millionen Euro, pro Jahr sollen 48 Flugzeuge die Halle verlassen. Auch neue Jobs entstehen.
Flugzeugwerk der Deutschen Aircraft auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Laut Plan soll der Bau einer Endmontagelinie des Regionalflugzeugs Ende 2025 abgeschlossen sein. Die Investitionssumme beläuft sich nach Angaben des Unternehmens auf etwa 100 Millionen Euro, pro Jahr sollen 48 Flugzeuge die Halle verlassen. Auch neue Jobs entstehen.
Quelle: Jan Woitas/dpa

Infrastruktur gerät an Grenzen

Hinzu kommt, dass die Infrastruktur an ihre Grenzen gerät. Bereits jetzt sind die S-Bahnen übervoll, und in der Wirtschaft herrscht bisweilen Ärger über den stockenden Ausbau der Infrastruktur.

Wir versuchen alles, was möglich ist. Aber klar ist: Es bleibt eine große Herausforderung. – Rayk Bergner, Oberbürgermeister von Schkeuditz

Der Schkeuditzer Oberbürgermeister Bergner weist jedoch darauf hin, dass sich die Region durchaus weiterentwickele – von Stillstand könne keine Rede sein. Bergner erinnert an den Masterplan Infrastruktur: Ende 2023 hatte der Freistaat Sachsen bekannt gegeben, den Infrastrukturausbau rund um den Flughafen mit 24 Millionen Euro zu fördern. In dem Maßnahmenkatalog finden sich Straßenbauprojekte wie die Radefelder Allee hin zum Porsche Werk, S-Bahn-Haltepunkte und bessere Verbindungen im Nahverkehr.

Mytheresa: 1,5 Millionen Sendungen abgewickelt

„Wir sind in Schkeuditz mit unseren Maßnahmen im Plan“, betont Bergner – und verweist etwa auf die Altscherbitzer Straße, die ab diesem Jahr ausgebaut wird. In Gesprächen mit Unternehmen wie Mytheresa sei die Stadt stets um Lösungen bemüht. „Wir versuchen alles, was möglich ist. Aber klar ist: Es bleibt eine große Herausforderung.“ Auch Bergner weiß, dass es nicht bei allen Projekten schnell geht: Etwa den neuen S-Bahn-Haltepunkten, wie sie unweit des DHL-Hubs und im Güterverkehrszentrum entstehen könnten.

Mytheresa jedenfalls ist zufrieden mit der Entwicklung am Standort. Man sehe stetige Verbesserungen bei Produktivität und Qualität, heißt es im Unternehmen. Im laufenden Geschäftsjahr wurden in Leipzig/Halle bereits über 1,5 Millionen Sendungen abgewickelt.

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