Florian Reinke und Lucas Grothe
Leipzig. Die Zukunft des Leipziger Straßenbahnherstellers Heiterblick ist gesichert: Das polnische Unternehmen Pesa Bydgoszcz SA übernimmt alle Anteile an dem insolventen Traditionsunternehmen mit Sitz im Leipziger Westen. Damit bestätigen sich jetzt die Informationen, über die diese Zeitung bereits vor Weihnachten exklusiv berichtet hatte: Wie Heiterblick und Pesa am Freitag bekanntgaben, wurde die entscheidende Investorenvereinbarung bereits im Dezember 2025 unterzeichnet. Der formale Vollzug der Übernahme soll im ersten Quartal abgeschlossen werden.
Der strategische Plan der neuen Eigentümer ist ambitioniert. Der Standort an der Niemeyerstraße im Leipziger Westen wird anders als befürchtet nicht abgewickelt, sondern aufgewertet. Er soll fortan als zentraler Hub für das gesamte Pesa-Geschäft in Deutschland und Westeuropa fungieren, während die polnischen Stammwerke Mittel- und Südosteuropa bedienen.
Pesa will Fertigung in Leipzig ausbauen
„Dieser Zusammenschluss bringt unsere Teams und wichtige Fähigkeiten in Sachen Markterfahrung und Technologien auf beiden Seiten zusammen. Auf dieser Basis wollen wir gemeinsam in Europa wachsen und wichtige Metropolen mit unseren Produkten, unseren Dienstleistungen und unserem ingenieurtechnischen wie industriellen Know-how bedienen“, erklärte der CEO von Pesa Bydgoszcz, Krzysztof Zdziarski. In einer Rede auf dem Gelände der „Techne Sphere Leipzig“, auf dem sich das Heiterblick-Werk befindet, erklärte der Unternehmenschef außerdem, dass man jetzt noch zwei bis drei Monate benötige, um alle Details zu beschließen.
Pesa will die Fertigung in Leipzig deutlich ausbauen. „Für die 250 Beschäftigten bei Heiterblick sind dies positive Nachrichten“, hieß es am Leipziger Standort. Schriftliche Zusagen gibt es zwar offenbar nicht, die Beschäftigten dürften trotzdem aufatmen. Der Investor strebt eine Fertigung von 25 Bahnen pro Jahr an. Die Priorität liegt nun darauf, die Aufträge der Städte Leipzig, Würzburg und Dortmund abzuarbeiten.
Wagenkästen für Straßenbahnen aus Polen
Die Wagenkästen für Leipzig sollen künftig in Polen gefertigt werden. Diese Nachricht ist für Heiterblick besonders wichtig, da der Schienenfahrzeugbauer Alstom die Lieferung gestoppt hatte.
Dieser Zusammenschluss bringt unsere Teams und wichtige Fähigkeiten in Sachen Markterfahrung und Technologien auf beiden Seiten zusammen. – Krzysztof Zdziarski, CEO von Pesa Bydgoszcz
Heiterblick war im Frühjahr 2025 in die Insolvenz gerutscht. Laut Heiterblick-Chef Samuel Kermelk habe man die Restrukturierung genutzt, „um eine schwierige Ausgangslage zu überwinden. Hieran haben wir mit unseren Geschäftspartnern und Kunden sowie den Banken in den letzten Monaten hart gearbeitet„.
LVB sind Schlüsselkunde für Heiterblick
Ein Schlüsselkunde für Heiterblick sind die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), die beim Unternehmen zunächst 25 neue XXL-Straßenbahnen bestellt hatten. Im Dezember 2025 fiel schließlich die Entscheidung, 30 weitere Fahrzeuge zu bestellen. Pesa hatte eine mittelfristige Auslastung des Werks offenbar als Voraussetzung für einen Einstieg bei Heiterblick gemacht. Mit der Bestellung soll das erfüllt werden.
LVB-Chef Ulf Middelberg sagte dieser Zeitung: „Pesa hat die Investorenvereinbarung unterschrieben – das ist ein Riesenschritt.“ Jetzt brauche es Sorgfalt auf den letzten Metern.
Heiterblick kann in neuer Halle fertigen
Fest steht jetzt auch: Für den Ausbau der Fertigung hat Heiterblick ausreichend Platz. Am Freitag hat Ludwig Koehne, Eigentümer der „Techne Sphere Leipzig“, zusammen mit der Belegschaft eine neue Halle eröffnet. Diese wurde laut Koehne ursprünglich geplant, um den hohen Auftragsbestand von Heiterblick abarbeiten zu können. Kurz nach Baubeginn im April 2025 meldete Heiterblick jedoch Insolvenz an, damit stand auch das Projekt auf der Kippe. Derzeit nutzt der Kranhersteller Kirow die Halle für die Reparatur und den Umbau von Kränen. Und man habe jetzt eine zusätzliche Perspektive, „da Heiterblick Teil eines dynamischen, europäischen Schienenfahrzeugkonzerns wird“, betonte Koehne.
Erleichtert zeigte sich auch Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD). „Heute ist ein Tag, an dem wir uns alle freuen können“, sagte der Leipziger. Der Freistaat werde seinen Teil dazu beitragen, dass auch die letzten Hürden bewältigt würden. Dazu zählt insbesondere eine Förderung für die zusätzlich bestellten Bahnen.


