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Pirnaer Unternehmer baut Linienbus zum Laden um

Carzone-Inhaber Maik Lange erweitert seine SB-Werkstatt in Copitz um einen Geschäftszweig – was so ursprünglich gar nicht geplant war.

Lesedauer: 4 Minuten

Das Bild zeit einen Mann vor einem Bus.
Carzone-Inhaber Maik Lange mit seinem neuen Teile-Bus: Zwölf Quadratmeter für den Verkauf, zwölf Quadratmeter für das Lager. © Daniel Schäfer

Von Thomas Möckel

Maik Lange steht vor seiner neuen Errungenschaft. Vor einigen Tagen ist sie eingetroffen, eine riesige Fuhre, allein der Tieflader war 18 Meter lang, das Transportgut selbst misst in der Länge zwölf Meter. Lange ist Inhaber der „Carzone Pirna“, eine SB-Werkstatt, in der Autobesitzer an ihren Karossen frickeln können, eine Art betreutes Schrauben, sie liegt unmittelbar hinter der neuen DRK-Rettungswache in Pirna-Copitz. Die meisten Kunden reparieren oder veredeln dort ihre Pkw.

Langes Neuerwerb ist ein paar Nummern größer, ein Linienbus, Marke MAN, lindgrün, bis vor einiger Zeit noch im Vogtlandkreis im Einsatz, fahrbereit. Lange hat ihn selbst vom Tieflader an seinen jetzigen Standort gelenkt, gleich hinter der Werkstatt. Gefunden hat er ihn bei einem Händler in Halle, ein Schnäppchen, wie er sagt. Drinnen ist ausreichend Platz, 24 Quadratmeter, zwölf für den Verkauf, zwölf für das Lager.

Geplant war der Bus so eigentlich nicht, aber er war in diesem Fall die schnellste und praktikabelste Lösung. „Er ist ein Hingucker und Werbegag zugleich“, sagt der Unternehmer. Die Großkarosse wird Langes neuer Laden, ein Geschäftsfeld, das er sich erschließen will mit seinem Betrieb, den er seit mittlerweile sechs Jahren in Pirna betreibt – mit wachsendem Erfolg.

Lehre, Armee, Studium – und dann ein Unternehmen
Lange, 36, gebürtiger Görlitzer, hat ursprünglich Sport- und Fitnesskaufmann gelernt, war dann lange bei der Bundeswehr, stationiert in Marienberg. Nach dem Ende seiner Armee-Laufbahn wollte er etwas mit Autos machen. „Daran hatte ich großes Interesse“, erzählt er. Lange schloss ein Studium zum Wirtschaftsfachwirt an, nebenher absolvierte er ein Praktikum in einer Dresdner Kfz-Werkstatt, um sich Wissen und Handgriffe anzueignen.

Danach sah er sich nach einem Grundstück für einen eignen Betrieb um, zunächst in der Landeshauptstadt, wo er nach seiner Bundeswehr-Zeit mit seiner Frau hingezogen war. Eine bezahlbare Halle war in Dresden aber nicht zu finden, so kam wenig später Pirna ins Spiel. Lange hatte eine Anzeige entdeckt, darin wurde eine Halle offeriert, zu vermieten auf dem Gelände des früheren Getriebewerkes unter der Sachsenbrücke.

Lange war einer von etwa 20 Bewerbern, aber wohl der Erste, der hinfuhr, er bekam die Halle und nahm sie sofort. Drinnen bot sie genug Platz für seine erste Werkstatt, die Fläche davor war groß genug für Tuning-Treffen, bei denen der Unternehmer auch einige Kunden akquirierte. Der Schritt in die Selbstständigkeit war gelungen, seit Juli 2017 gibt es die Firma „Carzone Pirna“.

An Pirnas Sachsenbrücke: Selbst ist der Schrauber

Den Begriff Selbsthilfe-Werkstatt hört Lange nicht so gern, es klingt zu sehr nach Selbsthilfegruppe, die Leute, die zu ihm kommen, sind jedoch vorbereitet und koordiniert, wissen, was sie tun wollen, viele haben sie sich ihr Schrauber-Wissen in Internet-Tutorials angeeignet. Lange sieht seine Firma eher als SB-Werkstatt, als ein Ausübungsort, wo die Kunden mit oft erstaunlichen Vorkenntnissen selbst Hand an ihre Autos legen.

Seine Kunden, sagt Lange, sind zwischen 18 und 84 Jahre alt, junge Leute tunen oft ihre Wagen, viele restaurieren auch ältere Modelle wie Trabant und Wartburg. Zudem profitiert der Unternehmer in Zeiten gestiegener Neu- und Gebrauchtwagenpreise sowie für viele inzwischen unerschwinglicher Werkstattkosten davon, dass die Leute ihre Autos pflegen und nicht mehr hergeben. Die Wagen, die in seine SB-Werkstatt kommen, sind im Schnitt 20 Jahre alt.

Das Geschäft lief gut am ersten Standort, Lange war mit der Auslastung sehr zufrieden, er generierte dort ein stetiges Wachstum von fünf bis zehn Prozent. Geöffnet war von 15 bis 24 Uhr, oft schraubten die Kunden auch bis weit nach Mitternacht. Das Problem allerdings: Auf dem Gelände des ehemaligen Getriebewerkes fehlte die Laufkundschaft, und Lange war dort nur eingemietet.

Das Bild zeigt einen umgebautzen Bus.
Umgebauter Bus, noch fahrbereit: Vielleicht wird daraus später ein mobiler Laden oder ein Imbiss. © Daniel Schäfer

Kunden nehmen weite Wege in Kauf

Über die Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP) fand er ein eigenes Grundstück an der Lohmener Straße hinter der neuen DRK-Rettungswache, seit Herbst vergangenen Jahres ist sein Firmensitz in Copitz. Lange ließ eine neue Halle bauen, drinnen gibt es fünf Hebebühnen, darunter eine Schwerlastbühne für Transporter. Am neuen Standort gibt es wesentlich mehr Laufkundschaft. „Allein von November 2022 bis Juni 2023 hat sich der Umsatz verdoppelt“, sagt der Unternehmer.

Das Geschäftsmodell: Carzone stellt Hebebühnen, Arbeitsplätze und Werkzeug bereit, die Kunden zahlen dafür eine Miete. Lange berät die Schrauber auch, das macht er kostenlos, er möchte, dass jeder zufrieden vom Hof fährt. Das hat ihm mittlerweile einen treuen Kundenstamm eingebracht. Das Einzugsgebiet beträgt 50 Kilometer und mehr, die Schrauber kommen beispielsweise aus Pirna, Dresden, Radeberg, Kamenz, Bautzen und Meißen. Seit dem Umzug läuft das Geschäft so gut, dass er im Februar einen ersten Mitarbeiter fest anstellte.

Ein weiterer Arbeitsplatz soll entstehen

Und weil viele schon mal schlechte Erfahrungen mit dem Online-Handel gemacht haben, können die Kunden über ihn Teile bestellen, sie sind in der Regel schnell da, Carzone wird siebenmal täglich beliefert. Das und eine Geschäftsaufgabe brachten Lange letztendlich dazu, einiges Zubehör selbst zu verkaufen. Einer seiner Lieferanten, ein Laden auf der Fährstraße in Pirna-Copitz, hat seit dem 1. September geschlossen. Lange entschloss sich, diesen Teileverkauf und möglichst auch den Kundenstamm zu übernehmen.

Das musste aber zügig gehen. Lange wollte zunächst Verkaufscontainer aufstellen, doch das hätte zu lange gedauert, weil er dafür eine Baugenehmigung benötigt hätte, die so schnell nicht zu bekommen war. Da kam ihm die Idee mit dem Bus, den er zum Verkaufs- und Lagerraum umgebaut hat. Zunächst soll er an der Werkstatt stehenbleiben. Weil die Großkarosse aber noch fahrbereit ist, will Lange später damit vielleicht mal als mobiler Laden herumfahren, vielleicht baut er auch einen Imbiss hinein, Ideen hat er genug. Und wenn es weiter so gut läuft, will er noch in diesem Jahr einen zweiten Mitarbeiter einstellen – der dann den Bus komplett betreut.

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