Von Anja Beutler
Mit einer aktiven Protest-Mittagspause haben mindestens 80 Mitarbeiter des Medizindiagnostik-Herstellers Euroimmun in Rennersdorf und Bernstadt ihrem Unmut über die Umstrukturierungen des Unternehmens Luft gemacht. Die Aktion war von der Gewerkschaft unternehmensweit, also auch an den Standorten in Norddeutschland, organisiert worden. Insgesamt beteiligten sich Hunderte Mitarbeiter.

Quelle: privat/Gewerkschaft
Die Aktion ist eine Reaktion auf die inzwischen seit Monaten andauernden Unsicherheiten: Bereits Ende 2025 gab es erste Gerüchte, dass der US-amerikanische Mutterkonzern Revvity zahlreiche Mitarbeiter entlassen wolle. Im Frühjahr bestätigte das Unternehmen dann Umstrukturierungspläne, bei denen bundesweit rund 500 Stellen abgebaut werden sollen.
Oberlausitz: Mindestens 20 Arbeitsplätze weniger
Wie und wo genau, ist noch immer nicht gänzlich geklärt. Dem Vernehmen nach ist in der Oberlausitz bislang nur der Wegfall einer Abteilung mit 20 Arbeitsplätzen bestätigt, deren Jobs zum Teil in den Niederlassungen in Norddeutschland übernommen werden sollen. Zu vielen weiteren Umstrukturierungsvorschlägen laufen noch Verhandlungen mit dem Management und dem Betriebsrat.

Quelle: privat/Gewerkschaft
Zu hören ist, dass vor allem auf den Führungsebenen gespart werden soll – aber nicht nur. Generell ist eine Verschlankung des Unternehmens das Ziel. Dazu wurde auch ein „Freiwilligenprogramm“ aufgelegt, das inzwischen wohl mehrere Hundert Mitarbeiter deutschlandweit genutzt haben, um das Unternehmen zu verlassen.
Neue China-Strategie sorgt für massive Unruhe
Neuerliche Unruhe haben nun Informationen zur China-Strategie des Unternehmens gebracht: So hegen die Mitarbeiter in Deutschland inzwischen den Verdacht, dass ihre Arbeitsplätze nach China abwandern könnten. Dazu beigetragen hat eine Veröffentlichung auf der Website des chinesischen Euroimmun-Ablegers Anfang Mai. Dort war angekündigt worden, dass Revvity in den USA und die deutsche Tochter Euroimmun ihre Mehrheitsbeteiligung an eine „von Euroimmun China geführte Kontrollgesellschaft“ abgeben werden.
Euroimmun-Vorstandsvorsitzender Dirk Beecker hat diese „Ausgliederung unseres Immundiagnostik-Geschäfts in China in ein eigenständiges lokales Unternehmen – Oumeng Medical Diagnostics Co., Ltd. (Euroimmun China)“ inzwischen offiziell bestätigt. Hintergrund sei die chinesische Gesundheitsreform, die es sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, die Abhängigkeit von ausländischen Pharmaunternehmen zu verringern.
Technologie und Know-how nach China?
Zur Beruhigung der Mitarbeiter hat das nicht beigetragen, zumal auf der Seite der chinesischen Firma davon gesprochen wird, die gesamte Technologie aus Deutschland nach China zu transferieren. Dadurch werde „ein tiefgreifendes lokales Forschungs- und Entwicklungs- sowie Produktionssystem aufgebaut und Fertigungskapazitäten auf Weltklasseniveau geschaffen“, heißt es.
Dass vor allem in Norddeutschland bereits Fachkräfte aus China tätig sind, die sich „mit Produktions- und Entwicklungsprozessen vertraut machen“, wie es die Gewerkschaft umschreibt, nährt Befürchtungen, dass man die Arbeitsplätze nach China verlagern wolle. Vorstandsvorsitzender Beecker zeigt offiziell Verständnis für die Fragen der Mitarbeiter. Er betont in diesem Zusammenhang jedoch, allein „die Stärkung unserer europäischen Präsenz – insbesondere unserer deutschen Standorte“ sei Ziel der neuen strategischen Ausrichtung.
Auch wenn in der Oberlausitz dem Vernehmen nach noch keine chinesischen Fachkräfte angelernt werden, sorgt hier die Zukunft vor allem des Standortes Rennersdorf für Fragezeichen. Hier ist das Unternehmen im einstigen Familiensitz von Gründer Winfried Stöcker eingemietet. In den vergangenen Jahren soll es dem Vernehmen nach zu Uneinigkeiten bei der Verlängerung des Mietvertrages gekommen sein.
Nach SZ-Informationen haben sich Management und Stöcker darauf geeinigt, den Mietvertrag bis Ende 2029 zu verlängern. Über 2029 hinaus solle das – wegen Eigenbedarfs Stöckers – nicht mehr möglich sein, heißt es. Winfried Stöcker äußerte inhaltlich dazu nicht konkret, er teilte auf Anfrage mit: „Es liegt in dieser Richtung aus meiner Sicht nichts Neues vor.“
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