Von Uta Büttner
Klipphausen. Jenny Kießling und Alexander Börger haben es gewagt. Den Schritt zur Unternehmensgründung in der Vakuumbranche. Bisher mit großem Erfolg. Im Oktober 2024 starteten die beiden Geschäftsführer mit der MTFS Modular Thin Film Systems GmbH im Gewerbegebiet Klipphausen. Dort fanden sie in den ehemaligen Eickhoff-Hallen, dem heutigen Sirius-Businesspark, einen geeigneten Platz. 2025 erzielten sie einen Umsatz von 700.000 Euro.
„Damals war die wirtschaftliche Lage nicht so einfach“, sagt Börger. Das sei sie natürlich heute noch nicht, aber besser. Für dieses Jahr peilen die Gründer mit ihren zehn Mitarbeitern einen Umsatz von drei Millionen Euro an. Und, so ergänzt er, „zwei Drittel haben wir jetzt schon erreicht“.
Ein gelungener Start
Jenny Kießling, 32 Jahre alt, schaut auf zehn Jahre Erfahrung in der Vakuumbranche zurück. Ihr Geschäftspartner Alexander Börger kommt aus dem Großanlagenbau. „Ich habe so ziemlich alles ausprobiert“, erzählt der 40-Jährige. Beide waren in ihrem letzten Angestelltenverhältnis nicht mit dem Kundenservice zufrieden.
Schnell seien sie ins Gespräch gekommen, „wie man es anders machen könnte“, erzählt Kießling. Und Börger habe gesagt, man müsse es von Grund auf neu machen. Die Gründungsidee war geboren. Anfangs sei sie noch nicht richtig überzeugt gewesen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Doch dann ging es recht schnell, berichtet Börger. Businessplan aufstellen, mit Banken reden, Kunden einweihen, Mitarbeiter gewinnen, Standort finden.

Quelle: Uta Büttner
Dass der Start so gut gelungen ist, liege auch daran, dass „wir schon einen Namen in der Branche hatten und die Kunden uns schon immer vertrauen“, sagt Jenny Kießling und ergänzt: „Zudem haben wir noch einen externen Berater.“
So füllen sich die Auftragsbücher
Die Firma entwickelt und baut Vakuumbeschichtungsanlagen für Kunden aus den Branchen Optik, Elektronik, Automobilindustrie bis hin zu Schmuckherstellern. Dabei zählen laut eigenen Angaben Mittelstandsfirmen und auch AG-Großkonzerne zu ihren Auftraggebern. Zudem stellt MTFS Bauteile und Module für die Vakuumtechnik und Beschichtungsprozesse bereit.
Kundenorientierte Lösungen seien ihnen sehr wichtig. Ganz groß geschrieben werde der Service: Wartung, Reparatur, Anlagenoptimierung und technische Beratung. Dabei müssen die Anlagen nicht aus dem eigenen Hause kommen, erklären sie. „Der Servicebereich ist das Wichtigste in einem Unternehmen“, meint Kießling. Biete man einen guten Service an, werde auch eine Anlage gekauft.
Zudem hat MTFS eine eigene Software entwickelt. „Damit haben die Kunden die Chance, an den Maschinen mehr selbst einstellen zu können. Wir kommen nur dazu, wenn sie etwas ganz Neues brauchen“, erklärt Börger. Ein Markenzeichen ihrer Anlagen sei die Modularität: „Wir können somit ganz einfach die Baugruppe wechseln“, je nach Anwendungsbedarf, wenn sich eine Technologie ändert, sei somit eine Anlage umbaubar.
Der Servicebereich ist das Wichtigste in einem Unternehmen. – Jenny Kießling, Geschäftsführerin
Diese Möglichkeit überzeuge die Kunden. Denn eine Modernisierung für vielleicht 250.000 Euro ziehen Kunden dem Neukauf einer Anlage mit einem Preis von drei bis vier Millionen Euro eher vor. „So füllen wir unsere Auftragsbücher.“ Diese modulare Plattform gebe es heute noch nicht so häufig, sagt Kießling.
Auch mache sich MTFS bei der Entwicklung über Energieersparnis Gedanken. Beispielsweise werden kleine Kammern gebaut, in denen das Vakuum erzeugt wird. „So klein wie möglich, so groß wie nötig“, sagt Kießling.
In Klipphausen waren alle Anforderungen, die wir hatten, erfüllt. – Jenny Kießling, Geschäftsführerin
Ursprünglich war der Plan, sich im Dresdner Norden niederzulassen. Doch alles sei voll gewesen, es gab lange Wartezeiten. „Und warten wollten wir nicht“. Außerdem seien die Mieten für ein Start-up zu hoch. Von Klipphausen hatten die Gründer bis dato nichts gehört. Allein der Name habe Gedanken ausgelöst, dass der Ort irgendwo im Nirgendwo liegen könnte.
So waren sie positiv überrascht, dass das Objekt an der Autobahn nahe Dresden liegt. „Alle Anforderungen, die wir hatten, waren hier erfüllt“, sagt Kießling. Allerdings mit einer Einschränkung, bemerkt Börger: Die Anbindung an den Nahverkehr sei nicht optimal. Seit Jahren bemüht sich die Gemeinde, hier eine bessere Lösung zu finden. Der Bürgermeister habe auch gesagt, dass daran gearbeitet werde.
Das sagt der Fünf-Jahres-Plan
Das junge Unternehmen hat einen klaren Plan. „Wir wollen gesund wachsen“, sagt Jenny Kießling. 30 Mitarbeiter seien das Ziel, nicht mehr. Künftig will es auch seine eigenen Techniker ausbilden, „das steht in unserem Fünf-Jahres-Plan“, sagt Alexander Börger.
Zudem werde auch langfristig an ein eigenes Firmengebäude gedacht, „aber nicht in den nächsten zehn Jahren“. Denn aktuell seien die beiden Geschäftsführer sehr zufrieden mit der angemieteten Halle und den Büroräumen. Sirius, der Vermieter, habe sehr viel investiert, „und die Halle so hergerichtet, dass es für uns passt“, sagen beide dankend.
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