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Sachsen erfindet eine neue Methode, um das Zinn aus dem Berg zu holen

Der strategisch wichtige Rohstoff Zinn ist reichlich im Erzgebirge vorhanden. Nur die Aufarbeitung aus dem Erz scheiterte – bisher. Auch für ein Recycling von Zinn hat das Verfahren großes Potenzial.

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Stephan Schön

Freiberg. Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg haben ein neues Verfahren entwickelt, um Zinn aus dem Erz herauszulösen. Bisher war das entweder wirtschaftlich gar nicht möglich oder wenn, dann mit sehr hohem Aufwand und ziemlich umweltbelastend. Das kann künftig anders laufen. Die Wissenschaftler haben ein neues mehrstufiges Verfahren entwickelt, um aus dem Mineral Kassiterit (Zinnoxid) den Rohstoff Zinn zu gewinnen. Dieses Mineral gilt als schwer aufarbeitbar. Bisher wurden für die Erzeugung von einer Tonne Zinn bis zu 2,5 Tonnen CO₂ ausgestoßen. Mit dem neuen Verfahren reduziert sich dies auf fast Null.

Die Freiberger Wissenschaftler verwenden für die Aufarbeitung des Minerals statt Kohlenstoff nun Wasserstoff. Bei der Reaktion entsteht dann statt CO₂ nur Wasser. Zudem wird in diesem ersten Schritt bereits die Hälfte des enthaltenen Zinns als reiner Stoff aus dem Mineral geholt.

Vom Computer ins Labor – und ins Bergwerk

„Durch eine chemische Laugung kann dann aus der Schlacke bei niedrigen Temperaturen das Restzinn gewonnen werden“, sagt Projektleiter Professor Alexandros Charitos. „Was unsere Computermodelle vorhergesagt haben, konnten wir in Laborversuchen bestätigen.“

Für Sachsen könnten diese Ergebnisse fürs Erzgebirge von besonderer Bedeutung sein. Unter anderem in Geyer, Gottesberg und Tellerhäuser laufen Erkundungen nach zinnhaltigen Erzen. Für die dortige umweltschonende Gewinnung, aber auch für ein neues Recycling von Zinn hat das neue Verfahren großes Potenzial. Zinn ist bisher nur sehr schwer recycelbar.

Zinn zählt zu den strategischen Rohstoffen. Die Elektrotechnik braucht es. Die Halbleiterindustrie giert danach. Batterien benötigen dieses Metall, und immer mehr erneuerbare Technologien sind darauf angewiesen. Die EU führt Zinn auf ihrer Liste der kritischen Rohstoffe, da es wirtschaftlich wichtig ist und Versorgungsrisiken bestehen. Die größten Produzenten sind China, Indonesien, Myanmar, Peru und Brasilien.

SZ

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