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Sachsen-Fonds hilft Mittelstand

Der WMS feiert 20. Geburtstag und plant die Auflage des vierten Geldtopfes.

Lesedauer: 3 Minuten

Ein Mann schaut freundlich in die Kamera.
Stefan Leermann ist Geschäftsführer des Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen, der seit 20 Jahren besteht. Foto: Andre Kempner

Von Ulrich Milde

Leipzig. Frank Tornau hat klein angefangen. Der Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Saxonia Network Systems GmbH (SNS) in Markkleeberg beschäftigte 15 Mitarbeiter, als sich ihm eine günstige Gelegenheit bot. Die Chemnitzer IT-Firma Klengel Systemhaus GmbH stand vor fünf Jahren zum Verkauf, würde ideal das Portfolio der Rand-Leipziger ergänzen. Doch der Erwerb erwies sich als schwierig. Das Eigenkapital war nicht sehr hoch, die Finanzierungsbereitschaft der Banken dagegen gering. „Wir hatten eigentlich keine Chance“, erinnerte sich Tornau. Die Lösung des Problems lieferte Stefan Leermann.

Mit dem Finanzpartner auf Einkaufstour
Er hatte Tornau zuvor kennengelernt und traf sich mit ihm auf einen Kaffee. Leermann, ein studierter Ökonom, ist Chef der Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Leipzig und in dieser Funktion zugleich Geschäftsführer des Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen (WMS). Das Ergebnis: Der Fonds stieg bei SNS ein, ermöglichte den Kauf des Konkurrenten. „So haben wir unser Wachstum finanziert“, berichtete Tornau jetzt am Rande einer Veranstaltung zum 20. WMS-Geburtstag in der Leipziger Kongresshalle. Der Unternehmer war in der Folge mit dem Finanzpartner im Gepäck weiter auf Einkaufstour, hat Firmen in Weimar und, vor wenigen Wochen, auch im bayerischen Schweinfurt übernommen. 70 Beschäftigte stehen inzwischen auf den Gehaltslisten. Damit zählt die Tornau-Truppe im Freistaat schon zu den größeren Betrieben; der Löwenanteil hat weniger als 50 Beschäftigte.
„Der WMS ist gut geeignet, um sächsischen Firmen bei der Expansion zu helfen“, kommentierte Leermann. Und das ist, auch volkswirtschaftlich gesehen, eine wichtige Aufgabe. Schließlich ist das Bruttoinlandsprodukt in Sachsen in den Jahren von 2019 bis 2024 nach Angaben des Wirtschaftsministeriums lediglich um 0,1 Prozent geklettert, was auch an der Corona-Pandemie lag. „Wir sind in der Region, in Sachsen, verwurzelt“, ergänzte Leermanns Geschäftsführer-Kollege Harald Rehberg. Das sei wichtig, „weil wir so nah dran sind an den hiesigen Unternehmen“.
Das Projekt, mit öffentlichen Geldern Firmen beim Wachstum aus eigener Kraft heraus durch Umsatzsteigerungen, bei der Erschließung internationaler Märkte, bei der Unternehmensnachfolge, beim Kauf von Konkurrenten und beim Herauslösen aus Konzernen zu unterstützen, geht auf eine Initiative der Landesbank Sachsen (Sachsen LB) zurück. Das 1992 gegründete Institut wurde im Zuge der Finanzkrise nach eklatanten Fehlspekulationen per Notverkauf an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) abgegeben. Der Freistaat musste dabei Verluste in Höhe von 1,9 Milliarden Euro tragen.
Die Idee der Hilfe für die kleinen Betriebe aber überlebte den Skandal um das Kreditinstitut. Der Freistaat und mehrere Sparkassen (Chemnitz, Dresden, Leipzig, Mittelsachsen, Vogtland) stellten Kapital zur Verfügung, die Bürgschaftsbank Sachsen, die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft, die Sächsische Aufbaubank und die LBBW komplettierten das Lager der öffentlichen Geldgeber. Unterstützt werden wachstumsorientierte Firmen mit einem Mindestumsatz von fünf Millionen Euro. In drei Tranchen standen 160 Millionen Euro an Eigenkapitalhilfen zur Verfügung. Davon profitierten bislang 70 Unternehmen, die zusammengerechnet heute auf 7200 Beschäftigte kommen und einen gemeinsamen Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Euro erwirtschaften. Leermann sprach von einem „tollen Instrument“, Rehberg von einem „Meilenstein“. Das seien Belege, „dass unser Modell funktioniert“. Es zeige sich, wie wirkungsvoll öffentlich-private Partnerschaften sein könnten, „wenn sie auf Vertrauen und gemeinsamen Zielen basieren“.

Den Erfolg des Standortes Sachsen stärken
Der WMS beteiligt sich mit zwischen einer und zehn Millionen Euro und sieht sich als Partner auf Zeit. „Selbstverständlich stehen wir auch mit Rat und Tat zur Seite“, betonte Leermann. Zudem sei es generell schwierig, große Finanzinvestoren für einen Einstieg bei kleinen Betrieben zu interessieren. Ganz wichtig: „Wir sind kein aktivistischer Investor“, sagte der Manager mit Blick auf manche großen Finanzfirmen, deren vordringliches Ziel darin liegt, eine schnelle und möglichst hohe Rendite zu erzielen, wobei der Kaufpreis dann auch gerne dem übernommenen Unternehmen aufs Auge gedrückt wird. „Wir sind geduldig“, sagte Leermann. Gingen die Pläne also nicht so früh auf wie erwartet, bestünden gute Chance, dass die Firmen mehr Zeit bekämen. Denn „wir wollen ihren Erfolg, um den Standort Sachsen zu stärken“. Da ist nach seiner Ansicht das Konzept bislang aufgegangen.
Das bestätigte zumindest Holger Födisch, Gründer der Dr. Födisch Umweltmesstechnik AG in Markranstädt. Das Unternehmen ist einer der weltweit führenden Hersteller zertifizierter Emissionsmesstechnik zur Überwachung von gasförmigen Komponenten, von Staub und von Volumenströmen. „Der WMS ist richtig gut“, sagte er. Der Fonds sei 2012 in seinen Betrieb eingestiegen. Das habe die Eigenkapitalseite erhöht und Kreditverhandlungen mit Banken erleichtert.

Unternehmen an Schweizer Konzern verkauft
Ein Nachteil sei allerdings vorhanden: „Man muss Macht abgeben.“ Schließlich wolle der neue Partner informiert werden und habe auch einen Anspruch darauf, mitzureden. Im vorigen Jahr verkaufte Födisch sein Unternehmen an den Schweizer Konzern ABB, der WMS erhielt sein Geld zurück. „Wir geben eben keine Zuschüsse“, erklärte Leermann.
Die Arbeit beim WMS geht weiter. Angedacht ist die Auflage eines neuen, des vierten Fonds. „Unser Anspruch bleibt es, den Mittelstand in Sachsen auch künftig mit Kapital, Know-how und einem starken Netzwerk zu begleiten“, begründete Rehberg.

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