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Rettungsplan für Heiterblick steht – neue Trams für Leipzig können kommen

Vor einem Jahr schockte die Insolvenz des Heiterblick-Werks in Leipzig Beschäftigte, LVB und die Stadt. Nun hat sich die Lage gedreht – ein weiterer Meilenstein ist geschafft.

Lesedauer: 3 Minuten

In einer Werkhalle von Heiterblick arbeiten Monteure an einer Straßenbahn. Beim insolventen Leipziger Trambauer ist die Produktion wieder angelaufen. Quelle: Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

Florian Reinke und Lucas Grothe

Leipzig. Im Frühjahr 2025 stand Heiterblick dem Abgrund gefährlich nahe: insolvent, ohne Investor, ohne Wagenkästen. Die neuen Straßenbahnen für Leipzig rückten in weite Ferne. Das Werk an der Niemeyerstraße lief auf Kurzarbeit.

An diesem Mittwoch, ziemlich genau ein Jahr später, sieht es ganz nach einem Comeback aus: Die Gläubigerversammlung vor dem Amtsgericht Leipzig hat dem Sanierungsplan zugestimmt, wie die LVZ erfuhr. Zu den Gläubigern gehören die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) genauso wie ein Bankenkonsortium um die Leipziger Sparkasse und mehrere Zulieferer.

Gläubiger machen Weg für Neustart frei

Damit zeichnet sich deutlich ab: Heiterblick kommt zurück. Der Rettung des Leipziger Straßenbahnherstellers scheint nichts mehr im Weg zu stehen. Und das ist auch für den gesamten Leipziger Nahverkehr und die Fahrgäste eine gute Nachricht.

Das Votum ebnet den Weg für die Übernahme durch Pesa Bydgoszcz SA – Polens größten Schienenfahrzeughersteller mit rund 4000 Beschäftigten. Auf den Einstieg der Polen hatten sich beide Seiten bereits vor Weihnachten geeinigt. Der formale Eigentümerwechsel hing seither am Insolvenzverfahren.

Mit dem Votum der Gläubiger steht die Insolvenz in Eigenverwaltung vor dem Abschluss. Das Verfahren könne „voraussichtlich in den kommenden Wochen beendet werden“, hieß es aus Kreisen von Heiterblick.

Laut Unternehmen ist der Weg nun frei „für eine Fortführung des Unternehmens, den Verbleib von rund 250 Arbeitsplätzen und den Verkauf an den polnischen Schienenfahrzeughersteller Pesa“.

Für die Beschäftigten und für Leipzig insgesamt ist das eine richtig gute Nachricht, denn der Stadt bleibt ein Industriestandort und ein Gewerbesteuerzahler erhalten. – Franziska Riekewald, Linken-Fraktionschefin

Franziska Riekewald, Linken-Fraktionschefin im Leipziger Stadtrat, sieht das Votum der Gläubigerversammlung als wichtigen Schritt für Heiterblick: „Der polnische Investor macht mit seinen Plänen, den Standort auszubauen, offenbar ernst“, sagt Riekewald, die auch Sprecherin ihrer Fraktion für Mobilität sowie LVB-Aufsichtsrätin ist.

„Für die Beschäftigten und für Leipzig insgesamt ist das eine richtig gute Nachricht, denn der Stadt bleibt ein Industriestandort und ein Gewerbesteuerzahler erhalten.“ Sie hofft, dass man so bald wie möglich die in Leipzig gebauten Straßenbahnen auf den Schienen erleben könne. Auch ihr SPD-Stadtratskollege Frank Franke sprach von einem positiven Schritt.

Fördermittel stehen noch aus

Bis die Bahnen wirklich auf Leipzigs Schienen unterwegs sind, dauert es allerdings noch einige Monate. Im Umfeld der Leipziger Verkehrsbetriebe geht man davon aus, dass die ersten XXL-Straßenbahnen noch 2026 ausgeliefert werden könnten und in den Testbetrieb gehen.

Die LVB haben bei Heiterblick 25 Bahnen fest bestellt, hinzu kommt eine Option für 30 weitere Fahrzeuge. Auf diese Ausweitung des Auftrages hatten sich die Beteiligten im vergangenen Jahr geeinigt.

LVB sind zuversichtlich

Entscheidend ist nun, dass die Fördermittel für die Fahrzeuge fließen. Allerdings ist genau dieser Punkt weiter offen: Vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr hieß es am Mittwoch, der Antrag werde noch immer geprüft.

Nach LVZ-Informationen gibt es bei anderen Straßenbahnherstellern rechtliche Bedenken wegen der potenziellen Förderung des Straßenbahnkaufs.

Heiterblick-Gelände im Leipziger Westen: Der Übernahme durch den polnischen Konzern Pesa steht nichts mehr im Weg.
Heiterblick-Gelände im Leipziger Westen: Der Übernahme durch den polnischen Konzern Pesa steht nichts mehr im Weg.
Quelle: Andre Kempner

Solange der Bescheid nicht verschickt wurde, sind die Leipziger Verkehrsbetriebe zurückhaltend.

Sprecher Marc Backhaus sagte, man sei dazu mit dem Freistaat im Gespräch. „Wir warten weiter auf die Fördermittelszusage, sind aber guter Hoffnung.“

Fahrzeuge künftig aus Polen und Leipzig

Ursprünglich sollten die 25 bestellten Fahrzeuge bereits 2025 rollen. Daraus wurde nichts. Grund ist auch, dass der Zulieferer Alstom im Sommer die Lieferung von Wagenkästen stoppte. Unter Pesa kommt das Fahrzeugskelett künftig aus dem Stammwerk im polnischen Bydgoszcz. Die Produktion in Leipzig läuft bereits wieder. Die Kurzarbeit ist seit Ende März beendet.

Bis zum regulären Einsatz im Stadtgebiet könnte es noch bis 2027 dauern. Die Fahrzeuge des Typs NGT12+ sind ein Upgrade für den Leipziger Nahverkehr: Sie sind 45 Meter lang, mit 2,40 Metern zehn Zentimeter breiter als die bisherige Flotte und bieten Platz für bis zu 282 Passagiere.

Die Übernahme der Polen ist auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten bemerkenswert, kommt es doch nicht alle Tage vor, dass ein osteuropäischer Konzern ein deutsches Traditionsunternehmen aus der Schieflage befreit. Das Ziel ist ambitioniert: „Durch die Integration von Heiterblick in Pesa entsteht ein länderübergreifender Anbieter, der den deutschen und westeuropäischen Markt künftig gemeinsam aus Leipzig bedienen soll“, heißt es von den Beteiligten. Für das Leipziger Werk will Pesa indes weitere Aufträge gewinnen.

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