Dresden. Immer mehr Sachsen zeigen Interesse an einer Alternative zur Gasheizung: 2025 installierten doppelt so viele Sachsen eine Wärmepumpe im Vergleich zum Vorjahr. 11.422 Sachsen beantragten eine Förderung für eine klimafreundliche Heizung. Die Mehrheit ließ sich eine Wärmepumpe einbauen. 2024 lag die Zahl der Förderanträge noch bei 6729. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist Sachsen ostdeutscher Spitzenreiter bei der Installation von Wärmepumpen, zeigen die Daten des Bundeswirtschaftsministeriums. Das gleiche Bild ergibt sich beim mitteldeutschen Netzbetreiber envia-M, der Westsachsen, Brandenburg und Thüringen versorgt. Dort stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr von 34.700 auf 36.100 Wärmepumpen.
Auch bundesweit erfährt sie einen Aufschwung: 299.000 Heizungs-Wärmepumpen wurden 2025 in Deutschland installiert. Damit stieg der Absatz gegenüber dem Vorjahr um 55 Prozent, heißt es vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP). Erstmals sind knapp die Hälfte aller in Deutschland verkauften Wärmeerzeuger Wärmepumpen.
Mehr Hausbesitzer auf dem Land rüsten ihre Heizung um
Besonders auf dem Land erfreut sie sich größerer Beliebtheit: „Insbesondere im ländlichen Raum Ostsachsens hat die Nutzung von Wärmepumpen im vergangenen Jahr stark zugenommen“, sagt Sprecherin Nora Weinhold vom ostsächsischen Netzbetreiber Sachsen-Netze. Dort gebe es mehr Einfamilienhausbesitzer, die bevorzugt Wärmepumpen verbauen.
„Dazu passend ist im ländlichen Raum erkennbar, dass die Anzahl der Neuanschlüsse an das Erdgasnetz abnimmt und Abmeldungen zunehmen.“ Heißt: Die Wärmepumpe wird nicht nur im Neubau verbaut, sondern mehr und mehr Sachsen rüsten ihre alte Heizung um.
Die Wärmepumpe ist das Mittel der Zukunft, das wachsen wird. – Sven Fischer, Geschäftsführer vom sächsischen Fachverband für Sanitär, Heizung, Klima
Dennoch nimmt Sachsen-Energie die Nachfrage nach Wärmepumpen verhalten wahr. Grund dafür dürften die niedrige Investitionsbereitschaft und die politische Unsicherheit rund um das Gebäudeenergiegesetz (GEG) sein. Des Weiteren zögern offenbar viele Hausbesitzer, da die kommunale Wärmeplanung für das Fernwärmenetz noch nicht beschlossen ist.
Dresden, Leipzig oder Chemnitz – Orte mit mehr als 100.000 Einwohnern – müssen ab Juli 2026 über entsprechende Pläne verfügen. Kleinere Kommunen müssen die Unterlagen spätestens im Juli 2028 vorlegen.
Verunsicherte Hausbesitzer: Förderzeitraum für Wärmepumpe ungewiss
Auch das Energieunternehmen Octopus Energy Group bemerkt die gestiegene Nachfrage. Das Münchner Unternehmen hat 900 Beschäftigte und ist deutschlandweit aktiv. In Sachsen verbaut ein Team von 50 Beschäftigten Wärmepumpen. „Viele haben festgestellt, dass sich eine Wärmepumpe nach sieben bis 20 Jahren rentiert“, sagt Sprecherin Verena Köck – je nach Art des Gebäudes und der Fußbodenheizung.
Sie gibt jedoch zu: „Leider sind Wärmepumpen in Deutschland im Vergleich zu Großbritannien immer noch sehr teuer.“ Durch Vorschriften für Lautstärke und Fundament liegt der Preis für eine Wärmepumpe abzüglich der Förderung hierzulande bei durchschnittlich 23.000 Euro. In Großbritannien sind es 16.000 Euro.
Die Sprecherin sieht noch einen weiteren Grund für die gestiegene Nachfrage: „Die Leute wollen die Tücher ins Trockene bringen.“ Viele wüssten nicht, wie lange die staatliche Förderung von bis zu 70 Prozent beim Kauf und Einbau einer Wärmepumpe noch gelte. Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, das als Heizungsgesetz bekannt gewordene GEG abzuschaffen.
Das bestätigt auch Sven Fischer, Geschäftsführer vom sächsischen Fachverband für Sanitär, Heizung, Klima: „Der Verbraucher weiß nicht, wie es weitergeht. Viele sind verunsichert. Sollte die Förderkulisse für Wärmepumpen wegfallen, wäre das eine Katastrophe.“ Mit Blick auf die Reform des GEG fordert er verlässliche Förderregeln. „Die Wärmepumpe ist das Mittel der Zukunft, das wachsen wird.“
SZ


