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Sachsens Autobranche rechnet mit längerer Durststrecke – Konkurrenz aus China

Sachsens Autobauer haben in den vergangenen Jahren Tausende neue Jobs geschaffen. Doch die Nachfrage nach E-Autos entwickelt sich für einige Hersteller nicht so euphorisch wie erhofft. Das hat Folgen auch für viele Zulieferer.

Lesedauer: 2 Minuten

Man sieht eine lackierte Karosserie.
Blick ins Leipziger BMW-Werk: Die Automobilbranche hat sich in den vergangenen zehn Jahren in Sachsen als Jobmotor erwiesen. © BMW AG

Sachsens Autowirtschaft stellt sich auf eine Durststrecke von etwa zwei Jahren ein. Zwar steige die Nachfrage nach Fahrzeugen in Europa, sie liege aber noch 20 Prozent unter dem Niveau vor Corona, sagte Dirk Vogel vom Branchennetzwerk AMZ am Dienstag in Zwickau.

Zudem steige die Produktion von E-Autos langsamer als gedacht. Als großes Hemmnis wird der vergleichsweise hohe Preis solcher Fahrzeuge gesehen. Bei Neuzulassungen in Deutschland habe er im Schnitt zuletzt deutlich über 48.000 Euro gelegen, sagte Werner Olle vom Chemnitz Automotive Institute. „Modelle, die preislich attraktiver sind, sind nicht vor 2025/2026 zu erwarten.“

Außerdem kommen neue Anbieter von E-Autos auf den Markt etwa aus China, was angesichts der Nachfrageschwäche zu Verdrängungswettbewerb führt. „Ein E-Auto darf kein Luxusgut sein“, sagte der Präsident der IHK Chemnitz, Max Jankowsky. „Made in China“ sei kein Qualitätsmanko mehr, sondern stehe für bezahlbare Mobilität.

Nach 2025 sei mit einem deutlichen Schub für E-Autos in Europa zu rechnen, erklärte Olle. Der Anteil an den Neuzulassungen werde dann bis 2030 auf 60 bis 70 Prozent steigen. Zum Vergleich: Für dieses Jahr wird mit gut 16 Prozent gerechnet. Erwartet wird, dass ab 2025 die Kosten für Batterien um etwa 50 Prozent sinken und E-Autos günstiger in der Herstellung werden, erklärte Olle. Modelle ab 25.000 oder gar 20.000 Euro dürften die Anschaffung solcher Fahrzeuge für Verbraucher attraktiver machen. Doch müssten weitere Barrieren abgebaut werden, mahnte der Wissenschaftler. Dazu zählte er Verbesserungen der Ladeinfrastruktur und Ladegeschwindigkeit.

In den vergangenen zehn Jahren hatte sich die Autobranche in Sachsen als Jobmotor erwiesen. Von 2012 bis 2022 stieg die Beschäftigung bei Unternehmen, die Kraftwagen oder Kraftwagenteile produzieren, um 44 Prozent. Das Plus lag damit weit über dem allgemeinen Beschäftigungszuwachs im Freistaat von 11,5 Prozent, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Demnach arbeiteten Ende 2022 mehr als 43.400 Männer und Frauen im hiesigen Autobau.

Die Herzkammern der Branche liegen in den Regionen Leipzig und Zwickau, wo die großen Autohersteller Volkswagen, BMW und Porsche Produktionsstätten haben. Auf weiteren Plätzen folgen mit erheblichem Abstand der Erzgebirgskreis und die Stadt Chemnitz. Dabei lockt die Branche mit hohen Löhnen. Der Median beim Monatsverdienst von Vollzeitbeschäftigten liegt bei 4.169 Euro und damit mehr als 1.000 Euro über dem Landeswert insgesamt.

Allerdings bangen bei Volkswagen in Zwickau viele der mehr als 2.000 befristet Beschäftigten wegen der schwächelnden Nachfrage bei E-Autos um ihren Job. VW hatte jüngst angekündigt, knapp 270 demnächst auslaufende Verträge nicht zu verlängern. Weitere könnten abhängig vom künftigen Trend bei den Bestellungen folgen.

Die Entwicklung bei VW weckt Sorgen bei Zulieferunternehmen. Denn an den Autobauern hängt eine Vielzahl von Jobs in weiteren Unternehmen. Dazu gehören etwa Betriebe in der Textilindustrie und der chemischen Industrie. Laut Regionaldirektion waren Ende vergangenen Jahres in Sachsen insgesamt mehr als 97.800 Menschen hierzulande in Branchen rund um das Auto beschäftigt. Laut einer Umfrage von AMZ stagnieren die Geschäfte der meisten Zulieferer oder gehen sogar zurück. Ähnlich sieht es bei der Beschäftigung aus. Von einer „absteigenden Trendkurve“ ist die Rede. (dpa)

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