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Sächsische Rohstoffe sollen unabhängiger machen

Die EU und der Bund wollen die heimische Rohstoffproduktion stärken. Sachsen kann vom wachsenden Bedarf profitieren und eine neue Zukunftsperspektive aufbauen.
Lesedauer: 3 Minuten
Ein Bergmann hält ein Stück Erz in der Hand.
Im Bergmannshabit hält Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig ein mit Lithium durchsetztes Stück Erz in der Hand. Dulig startete am Montag den sächsischen Rohstoffdialog in Berlin. © dpa/Robert Michael

Von Wolfgang Mulke

Freiberg im Erzgebirge ist in anderen Regionen Deutschlands kaum bekannt. Dafür sorgt der Name der Stadt in fernen Regionen wie Moçambique oder der Mongolei für Aufmerksamkeit. Denn ein Teil der Fachleute im dortigen Bergbau hat seine Kenntnisse an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg erworben. „Die Hälfte unserer Studenten kommt aus dem Ausland, erläutert Klaus Dieter Barbknecht, Rektor der Hochschule.

Er schlägt Alarm, denn im Gegensatz zu anderen Bergbaustandorten fristet der Wirtschaftszweig hierzulande ein Randdasein. „Bergbau ist seit Jahrzehnten in Deutschland kein Thema mehr“, sagt Barbknecht. Das hat Folgen, wenn es damit wieder losgehen wird. „Uns werden die Leute fehlen“, befürchtet er.

Und losgehen soll es wieder richtig, vor allem in Sachsen. Dafür rührt Wirtschaftsminister Martin Dulig kräftig die Werbetrommel, diesmal in Berlin. In der sächsischen Landesvertretung in der Hauptstadt trafen sich Unternehmer, Politiker und Experten von Bund und Land zum Dialog über die sächsische Rohstoffstrategie. Das Konzept hat die Landesregierung im vergangenen Dezember beschlossen. Die Vorkommen an dringend benötigten Rohstoffen, auch nachhaltigen wie Holz sowie das Recycling von Wertstoffen sollen einen Weg in die wirtschaftliche Zukunft weisen. “Das ist eine Chance für unsere Wirtschaft“, betont der Minister.

Sachsen und insbesondere das Erzgebirge ist reich an Rohstoffen. Die Bandbreite ist groß, sie reicht von Lithium oder Kobalt bis hin zu Wolfram, Indium, Fluor, Zinn und Silber. Vom Holz der Wälder ganz zu schweigen. Es gibt Quarzsandlagerstätter, Steine und Erden. All diese Rohstoffe werden in Zukunft noch stärker gefragt sein als heute, denn sie sind angesichts der weltweit steigenden Nachfrage knapp.

„Der Bedarf steigt exorbitant“, sagt auch Anne Lauenroth, Rohstoffexpertin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen zudem die Krisenanfälligkeit der Versorgung. „Rohstoffe werden immer mehr zum geopolitischen Spielball“, beobachtet Lauenroth.

Fachkräftemangel bremst neues Berggeschrey

Die sächsischen Vorkommen können dazu beitragen, die Abhängigkeit von anderen Ländern zu verringern. Eine reine Selbstversorgung hält der Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Ralph Watzel, jedoch für unmöglich. „Die Rückkehr in eine autarke Wirtschaft ist Nonsens“, dämpft er allzu hohe Erwartungen. Doch bevor es zu einem neuerlichen Boom kommen kann, müssen noch einige Hürden beseitigt werden, bürokratische wie gesellschaftliche.

Letztere führen zum Beispiel zum Mangel an Ingenieuren oder anderen Fachkräften. Das Image des Bergbaus könnte besser sein. „Wir müssen ein Rohstoffbewusstsein schaffen“, glaubt Thorsten Dierks, Chef der Vereinigung Rohstoffe Bergbau. Im öffentlichen Bewusstsein fehlt demnach das Wissen um die Bedeutung der Rohstoffe, die am Ende eine Basis des Wohlstands sind. Es fehlt an positiven Geschichten darüber, etwa, dass in Deutschland die Umweltstandards weitaus höher sind als in anderen Bergbauländern oder der heimische Abbau deutlich klimafreundlicher ist als der Import der Stoffe.

Eine Milliarde Euro vom Bund für einen Rohstofffonds

Andere Hürden liegen nicht mehr im Einflussgebiet Sachsens. Die Genehmigungsverfahren dauern lange, die Förderung hierzulande ist vergleichsweise teuer. Das ist laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck auch eine Folge der hohen Umwelt- und Sozialstandards in Europa. „Man braucht auch abnehmende Hände“, sagt Habeck. Mit einer staatlichen Förderung will nicht nur die Bundesregierung Investitionen in den Rohstoffsektor unterstützen, wie es auch Frankreich und Italien tun. Zwischen 500 Millionen Euro und einer Milliarden Euro will Habeck für einen Rohstofffonds bereit stellen.

Die drei Länder wollen bei der Versorgung mit kritischen Rohstoffen stärker kooperieren. Das beschlossen ihre Fachminister am Montag. Sie wollen auch die Kreislaufwirtschaft gemeinsam vorantreiben. Unterdessen bereitet auch die EU-Kommission eine Gesetzgebung zu kritischen Rohstoffen vor. So sollen zum Beispiel die Genehmigungsverfahren erleichtert werden. Sie will die Abhängigkeit Europas von Importen verringern. Für Sachsen sind das Hoffnungszeichen, denn im Boden hier liegen genau die gefragten Erze und Erden. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire zählt Lithium, Kobalt, Nickel, Kupfer und Silizium dazu. „Sie sind nötig für die grüne Industrie“, stellt er fest.

Sachsens Bergbauminister Dulig berichtet schon von einer steigende Zahl an Anträgen für Bergbaulizenzen. Derzeit gäbe es schon 220 Aktivitäten. „Hinter den Antragstellern sehen in der Regel keine deutschen Investoren“, bedauert Dulig. „Die Staatsregierung unterstützt die Erschließung und Nutzung heimischer Rohstoffquellen durch bergbauliche Gewinnung, stärkt das Rohstoffrecycling und macht sich stark für die Nutzung nachwachsender Rohstoffe“, sagt der Minister und weiß sich in diesem Punkt auch einig mit dem Bund. Habecks Staatssekretärin Franziska Brandner sichert die Unterstützung bei der Gewinnung, Weiterverarbeitung und beim Recycling zu. „Sachsen hat in allen drei Bereichen ein besonderes Potential“, betont sie.

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