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Sächsischer Stromversorger testet, ob Kunden für Windenergie mehr Geld geben

Energiehändler bieten zunehmend wieder unterschiedliche Tarife zur Auswahl an. Der Versorger Envia-M macht in Sachsen einen Versuch mit 1.000 Kunden.
Lesedauer: 3 Minuten
Man sieht ein Haus mit Windkrafträdern im Hintergrund.
Wer ist bereit, für Windstrom aus Sachsen etwas mehr zu bezahlen? Envia-M macht den Preistest. © Archivbild: Sebastian Schultz

Von Georg Moeritz

Chemnitz. Der Strommarkt kommt in Bewegung: Seit vor anderthalb Jahren die Energiepreise kräftig stiegen und manche Händler das Geschäft aufgaben, warben auch die meisten Stadtwerke nicht mehr mit verschiedenen Tarifen. Neukunden mussten in der Regel den teuren Grundversorgungstarif zahlen – häufig mehr als 40 Cent pro Kilowattstunde, bis der Staat bei diesem Betrag die Strompreisbremse anzog. Doch jetzt umwerben Versorger wieder die Verbraucher. Envia-M mit Sitz in Chemnitz kündigte am Mittwoch ein „limitiertes Angebot“ an.

Der ostdeutsche Energieversorger mit mehr als 1,3 Millionen Kunden will für rund 1.000 Haushalte ein Preismodell namens „Naturstrom von hier“ einführen. Das Unternehmen teilte mit, die Kunden könnten „regionalen Strom“ aus erneuerbaren Energien aus sächsischen Anlagen kaufen. Der Strom komme in diesem Fall von drei Windkraftanlagen aus den Kreisen Mittelsachsen, Zwickau und dem Erzgebirgskreis.

Es ist zwar technisch nicht möglich, einzelne Stromportionen aus einem bestimmten Windrad einer bestimmten Wohnung anderswo in Sachsen zukommen zu lassen. Aber Envia-M verspricht den Kunden Herkunftsnachweise für den gelieferten Strom, sodass die gelieferte Menge tatsächlich mit den genannten Anlagen erzeugt wird. Auf der Urkunde soll stehen, welche Windkraftanlage die Quelle ist.

Öko-Strom wird mit 50 Euro Bonus angeboten

Zum Preis macht das Unternehmen in seiner Pressemitteilung zwar keine Angaben. Doch auf der Internetseite der Firma lassen sich Preise abrufen, wenn ein Ort und eine Menge eingegeben werden. Demnach muss beispielsweise ein Haushalt in Waldheim mit 2.500 Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr für den „Naturstrom von hier“ einen Preis von 43,02 Cent pro Kilowattstunde bezahlen. Der Grundpreis pro Monat beträgt zudem 12,09 Euro. Eine Firmensprecherin sagte auf Nachfrage von sächsische.de, die Verbrauchspreise seien „sehr unterschiedlich, je nachdem, wo man wohnt“. Das hänge auch von Abgaben und Netzentgelten ab. Eine Spanne könne sie nicht angeben.

Mit dem Vertrag bindet sich der Kunde für eine „Erstlaufzeit“ von zwölf Monaten an diesen Stromtarif. Dafür bietet ihm Envia-M 50 Euro Bonus. Bei einer Abnahme von 2.500 Kilowattstunden sind nach Angaben auf der Internetseite demnach am Beispiel Waldheim 101,71 Euro monatlich zu zahlen, dabei ist der Bonus schon abgezogen. Das ist mehr als im Tarif „Mein Strom best“, der allerdings 24 Monate Vertragslaufzeit hat, aber etwas weniger als der Preis in der Grundversorgung. Dort verlangt Envia-M derzeit 43,51 Cent pro Kilowattstunde. Wegen der Strompreisbremse bei 40 Cent übernimmt der Staat davon 3,51 Cent für 80 Prozent der Strommenge.

Bei Preisvergleichen im Internet sollten Kunden beachten, dass sich ein Bonus wie etwa die 50 Euro von Envia-M nur einmalig auswirkt. Außerdem sollten sie die Laufzeit und die Kündigungsfristen vergleichen – an einen teuren Stromtarif sollte man sich nicht lange binden. Die Verträge für die Grundversorgung können mit zwei Wochen Frist gekündigt werden.

Envia-M kündigt dynamische Tarife an

Der Eon-Konzern hat kürzlich angekündigt, zum September für Millionen seiner Kunden die Preise zu senken. Diese Kunden seien bereits informiert worden. Envia-M gehört anteilig zum Eon-Konzern, aber auch ostdeutschen Städten und Gemeinden. Envia-M hat zum Juli Strom- und Gaspreise gesenkt. Sie liegen aber immer noch über den staatlichen Preisbremsen. Die Sachsen-Energie in Dresden mit den Marken Drewag und Enso hatte angekündigt, ihre Strompreise zunächst nicht zu senken, zumal sie niedriger als beim Nachbarkonzern Envia-M sind und in der Regel unter 40 Cent pro Kilowattstunde liegen.

Envia-M geht beim Testen seiner Kunden noch weiter: Außer dem neuen Stromtarif für Windkraft-Freunde kündigt der ostdeutsche Konzern auch schon „dynamische Tarife“ an. Noch sind sie nicht verfügbar, aber Interessenten können sich über die Internetseite dafür vormerken lassen. Sie sollen dann „exklusive Informationen“ erhalten, noch bevor der neue Tarif buchbar ist.

Die dynamischen Preise nach diesem Modell sollen sich am Börsenpreis orientieren und während eines Tages unterschiedlich sein. Kunden können dann ihren Stromverbrauch anpassen und zum Beispiel die Waschmaschine dann einschalten, wenn der Preis etwas niedriger ist. An den Einstellmöglichkeiten für solche dynamischen Tarife arbeitet beispielsweise das Dresdner Software-Unternehmen Kiwigrid.

Die Strompreise werden künftig zunehmend davon abhängen, ob gerade viel Sonnen- und Windstrom verfügbar ist oder ob teure Gaskraftwerke zusätzlich in Betrieb genommen werden müssen. Das dürfte auch für Besitzer von Elektroautos wichtig werden, die ihre Akkus zu bestimmten Zeiten aufladen oder gar den Strom aus dem Akku ins Stromnetz zurückverkaufen wollen, wenn sie den Wagen einige Zeit nicht brauchen.

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