Dresden. Selbstverständlich hat Thomas Büttner wie jeden Tag schon auf die Preistafel der Total-Tankstelle geschaut. Die steht schließlich gleich neben seiner Werkstatt und dem Ladengeschäft mit der lebensgroßen Pferdeplastik an der Straße. Wer in Dresden die Kesselsdorfer Straße stadtauswärts fährt, an Gorbitz vorbei, der hat das Nebeneinander von Tankstelle und „Reitsport Tom Büttner“ bestimmt schon gesehen.
Sattlermeister Thomas Büttner ist Chef von 20 Menschen, hat Fachgeschäfte in Dresden und Moritzburg und verfügt über eine kleine Fahrzeugflotte. Vier Elektroautos und ein Hybridfahrzeug gehören zu dem Handwerksbetrieb, aber auch Diesel-Transporter.
Elektroautos verbinden Dresden und Moritzburg
Büttner ist gerade in Verhandlungen über das nächste Elektro-Auto-Leasing. „Für den Warentransport zwischen Dresden und Moritzburg sind E-Autos perfekt“, sagt der Handwerksmeister, der auch Diplom-Ingenieur für Lederverarbeitungstechnologie ist. Was er macht, will er richtig machen.

Quelle: SZ/Georg Moeritz
Bei seinen Kollegen sieht Büttner auch zunehmend Elektrofahrzeuge: „Für Dachdecker, Malermeister, Zimmerer, die um die Ecke zu tun haben, ist das sinnvoll“, sagt er. Und seine Frau fahre zum Einkaufen und zum Reiten mit einem Elektro-Kleinwagen.
Wallbox auf Sonntag programmiert
An der Werkstattwand hat Büttner die Wallbox anbringen lassen. Da lässt er schon mal am Sonntag oder Montagfrüh eine Autobatterie laden. Übers Handy kann er die Zeit einstellen. So nutzt er den Strom aus dem eigenen Blockheizkraftwerk optimal, wenn der in der Werkstatt nicht gebraucht wird.

Quelle: Foto: Sven Ellger
Der Handwerksbetrieb Büttner hat nämlich gleich zwei eigene Stromquellen: eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Flachdach und ein Blockheizkraftwerk. Das ist ein blauer Kasten, und wenn Büttner dessen Haube aufklappt, kommen Schläuche zum Vorschein. Das kleine Kraftwerk wird mit Erdgas betrieben und erzeugt außer Strom auch Wärme.
Strom vom Dach an Sachsen-Energie verkauft
Um seine Autobatterien aufzuladen, nutzt Büttner nicht etwa den Strom vom Dach. Den speist er vielmehr ins öffentliche Netz ein und verkauft ihn komplett an die Sachsen-Energie. Vor 17 Jahren hat der Unternehmer diese Solaranlage angeschafft, und 20 Jahre lang kann er den Strom zum garantierten Preis, zur Einspeisevergütung, vermarkten. „Die Anlage hat sich inzwischen amortisiert“, sagt Büttner. Die Module stammen vom ehemaligen Hersteller Solarworld aus Freiberg.

Quelle: Foto: Sven Ellger
Wenn die garantierte Vergütung in drei Jahren endet, wird Büttner den Strom vom Dach wohl selbst nutzen und nicht mehr das gasbetriebene Kleinkraftwerk. Doch noch hilft es ihm beim Heizen und sorgt auch für Warmwasser. Das fließt in die beiden Industriewaschmaschinen, die der Meister gerne vorzeigt.
Pferdedecke waschen kostet 24,95 Euro
Die Waschmaschinen sind größer als Haushaltsmaschinen und können auch die ausladenden Pferdedecken aufnehmen, die Kunden zur Reinigung vorbeibringen. Sportpferde brauchen solche Decken, sagt Büttner, denn die Tiere werden im Winter geschoren. Einmal Pferdedecken waschen kostet 24,95 Euro – so steht es auf einem Schild neben der Kasse im Ladengeschäft.

Quelle: Foto: Sven Ellger
Der Laden ist eine Schau: Wo gibt es in Dresden schon Regale mit Pferdesätteln, mit Zaumzeug und Zubehör? Gerade streifen zwei junge Frauen durch die Gänge und fachsimpeln. Darf es ein „Vorderzeug Pony schwarz“ sein? Für die Pflege vielleicht „Mähnenstriegel mit Fellglanz brillant“? Auch Eimer mit Futter stehen zum Verkauf bereit, mit „Gemüse-Kräuter-Mineralien“.
Mithilfe des gewonnenen Stroms laden wir unsere Elektroautos und E-Bikes. Die Wärme heizt das Wasser unserer Deckenwäscherei. – Thomas Büttner, Sattlermeister und Reitsporthändler
Beleuchtet werden die Waren seit fünf Jahren mit LED-Lampen. Seitdem sei es „sogar heller als vorher“, sagt Büttner. Als er vor 20 Jahren einzog, habe ihm der Ladendesigner zu Kunstlicht geraten. Schließlich gebe es auch bei Ikea und Galeria kein Tageslicht, das sei für die Warenpräsentation ungünstig. Ein Lichtkonzept war aber nötig, weil viele Ausstellungsstücke dunkel sind: „Sättel schlucken viel Licht.“
Fördergeld für die Elektroflotte
Für die Umrüstung der alten Lampen auf LED gab es Fördergeld, erinnert sich der Inhaber. Auch das Blockheizkraftwerk wurde staatlich subventioniert, so wie nun die E-Autos: Der „Investitionsbooster“ erlaubt Unternehmern, betrieblich genutzte Fahrzeuge günstig in der Steuererklärung anzusetzen. 75 Prozent der Anschaffungskosten können derzeit schon im ersten Jahr abgeschrieben werden.
Vollständig energie-autark ist das Unternehmen Büttner trotzdem nicht. Wenn der Chef maßgeschneiderte Pferdesättel zu Kunden nach Bayreuth oder Rostock bringt wie vorige Woche, dann möchte er sich nicht auf Elektrotankstellen verlassen. Für weite Strecken nimmt er weiterhin Diesel-Transporter.

Quelle: Foto: Sven Ellger
Das Blockheizkraftwerk braucht Erdgas, und das ist „mit dem Ukrainekrieg teurer geworden“. Fernwärme liegt zu Büttners Bedauern an diesem Teil von Gorbitz nicht an, die Leitungen versorgen aber die großen Wohngebiete in der Nähe.

Quelle: Foto: Sven Ellger
Im eigenen Wohnhaus, ganz in der Nähe seines Geschäfts, hat Büttner gerade Wärmepumpen installieren lassen. Auch für diese „energetische Sanierung“ gab es Fördergeld. Statt Erdgas nutzt der Dresdner daheim jetzt Strom zum Heizen und für Warmwasser. Fußbodenheizung und neue Fenster hat er einbauen lassen, ein Energieberater war Voraussetzung für die Förderung.
Neue Fenster fürs alte Defa-Trickfilmstudio
Nun bekommt auch Büttners Werkstattgebäude hinter dem Laden neue Fenster. „Was man halt so macht, um Geld zu sparen“, sagt der Handwerker. In diesem Flachbau war früher das Defa-Studio für Trickfilme. Heute sitzt dort zum Beispiel die Auszubildende Ernestine Schlechte an einer Industrienähmaschine und repariert einen Reitstiefel: „Der Reißverschluss war kaputt.“
Büttner lässt die alten Holzfenster des Defa-Baus durch dreifach verglaste Wärmedämmfenster ersetzen. Auf seiner Internetseite erklärt er seine „nachhaltige Firmenphilosophie einer umweltschonenden Arbeitsweise“: Als Partner von Pferd und Reiter lägen „Umweltschutz und Nachhaltigkeit in unserer Natur“. Dazu gehöre auch, Versandkartons mehrfach zu nutzen und hochwertiges Material statt „fast fashion“ anzubieten.

Quelle: Foto: Sven Ellger
Lieber als auf die Preistafel der Tankstelle schaut Büttner aufs Display seiner Solaranlage. Freilich gebe es Tage im Winter, an denen sie gerade mal acht Euro einbringe. Aber ein Tastendruck zeigt ihm: „Gestern habe ich für 159 Euro Strom eingespeist.“ Die Solarmodule hätten jetzt in der Übergangszeit einen höheren Wirkungsgrad als im Sommer bei Hitze.
Kaffeemaschine mit eigenem Strom
Das Display zeigt Büttner auch an, wann seine Sattler am Vorabend in der Werkstatt die Elektrogeräte abgeschaltet haben und wann später die Außenbeleuchtung in Betrieb ging. Der Handwerksmeister denkt inzwischen darüber nach, seine Stromtankstelle öffentlich anzubieten.
Eine gute Kundin aus Leipzig darf die Auto-Steckdose schon nutzen. „Sie hat Angst, womöglich nicht zurückzukommen.“ Also schließt sie den Wagen an die Wallbox, macht einen Ladenbummel und trinkt bei Büttner einen Kaffee. Die Maschine bietet auch Kakao und Latte Macchiato. Den Strom liefert das hauseigene Kraftwerk.
SZ


