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So behauptet sich eine echte Töpferei gegen Billig-Geschirr

Trotz Krisen und des abgelegenen Standorts Schmölln-Putzkau beschäftigt Thomas Thunig zehn Leute und kann jetzt das 50-jährige Bestehen des Handwerksbetriebes feiern. Das ist sein Erfolgsrezept.

Lesedauer: 4 Minuten

Thomas Thunig glättet in seiner Töpferei in Schmölln bei Bischofswerda den Boden eines Tellers. „Abdrehen“ ist der Fachbegriff dafür. Quelle: Anne Hasselbach

Von Katja Schäfer

Schmölln-Putzkau. Einen Teller nach dem anderen nimmt Thomas Thunig vom großen Stapel neben seinem Arbeitsplatz in der Töpferei in Schmölln bei Bischofswerda. Er setzt ihn verkehrt herum auf die Töpferscheibe und glättet mit speziellen Werkzeugen und einem feuchten Schwämmchen die Unterseite.

Der Ton ist zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr so feucht wie beim Drehen, weil die Teller zuvor eine ganze Weile auf runden Holzplatten in langen Regalen getrocknet wurden. Bis sie verkauft werden können, sind aber noch etliche Arbeitsschritte notwendig.

Das Team der Töpferei Thunig freut sich über das 50-jährige Bestehen. Chef Thomas Thunig steht in der Mitte (mit weißem Krug in der Hand), neben ihm seine Frau Maranke Thunig (weinrotes Oberteil).
Das Team der Töpferei Thunig freut sich über das 50-jährige Bestehen. Chef Thomas Thunig steht in der Mitte (mit weißem Krug in der Hand), neben ihm seine Frau Maranke Thunig (weinrotes Oberteil).
Quelle: Töpferei Thunig

„Wir drehen, malen, glasieren unsere Produkte noch immer per Hand. Jedes Stück ist ein Unikat“, betont der Töpfermeister, der mit seinem zehnköpfigen Team gerade das große Jubiläum des Handwerksbetriebes vorbereitet. Am 20. Juni wird im Ortsteil Schmölln der Gemeinde Schmölln-Putzkau das 50-jährige Bestehen gefeiert.

Seine Eltern Wolfgang und Angela Thunig gründeten die Töpferei 1967. Für den Sohn stand nie ein anderer Beruf zur Debatte. „Ich bin ja zwischen Ton und Töpfen aufgewachsen“, sagt er lachend.

Zu Beginn der Töpfer-Lehre, die er nicht bei den Eltern absolvierte, kamen ihm jedoch Zweifel, gibt er zu. „Am Anfang hat man nur Matsche in den Händen. Es dauert eine ganze Weile, ehe mal ein Stück gelingt. Aber wenn man es dann geschafft hat, dass man mit dem Ton machen kann, was man will, und nicht umgekehrt, macht es richtig Spaß.”

Wir drehen, malen, glasieren unsere Produkte noch immer per Hand. Jedes Stück ist ein Unikat. – Thomas Thunig, Töpfermeister

Und das ist bis heute so. „Ich gehe montags gern zur Arbeit, auch wenn ich das ganze Wochenende auf einem Töpfermarkt war“, sagt der 55-Jährige. An seinem Beruf begeistert ihn, mit den eigenen Händen etwas schaffen und kreativ sein zu können.

Frisch getöpferte Produkte trocknen in langen Regalen.
Frisch getöpferte Produkte trocknen in langen Regalen.
Quelle: Anne Hasselbach

Kreativität war und ist auch immer wieder gefragt, um den Handwerksbetrieb, den er vor 30 Jahren übernommen hat, erfolgreich zu führen. Selbst durch schwere Zeiten. Die erste Krise erlebte Thomas Thunig hautnah mit, als er 1989 seine Lehre beendet hatte. Während zu DDR-Zeiten den Töpfereien die Produkte förmlich aus den Händen gerissen wurden, „war den Leuten nach der Wende erstmal anderes wichtig“, erinnert sich der Schmöllner.

Um mehr berufliche Möglichkeiten zu haben, holte er drei Jahre lang an der Abendschule das Abitur nach. Ein Studium schloss er jedoch nicht an, denn dann stieg der Absatz von Töpferwaren langsam wieder. Das habe auch daran gelegen, dass zu dieser Zeit Töpfermärkte in Mode kamen.

Zum Töpfermarkt nach China

Sie sind bis heute ein wichtiges Standbein für die Töpferei Thunig. Bei 17 derartigen Veranstaltungen war und ist sie allein dieses Jahr vertreten. Darunter sind Termine in der Nähe, zum Beispiel in Neukirch/Lausitz oder Dresden, aber auch in der Ferne wie in Schwerin, im österreichischen Gmunden oder im tschechischen Beroun. Sogar in China waren der Töpfermeister und seine Frau Maranke Thunig, die in Bischofswerda eine Porzellan-Werkstatt mit Laden betreibt, schon.

Das Dekor Goldlibelle ziert nicht nur Geschirr, sondern unter anderem auch Petroleumlampen.
Das Dekor Goldlibelle ziert nicht nur Geschirr, sondern unter anderem auch Petroleumlampen.
Quelle: Anne Hasselbach

Verkauft werden die Waren außer auf Märkten auch im Laden über der Werkstatt, in einem eigenen Geschäft in Görlitz sowie übers Internet.

Die Produktpalette reicht von Bechern über Kerzenhalter und Räucherfiguren bis hin zu Brottöpfen, Backformen und Petroleumlampen. Schlichtes, dunkelbraunes Geschirr ist in den Regalen ebenso zu finden wie Krüge und Tassen mit traditionellem Dekor – zum Beispiel mit weißen Punkten auf buntem Grund.

Gefäße sollen freundliche Atmosphäre schaffen

Moderne Motive wie knallrote Hagebutten, goldig schimmernde Libellen oder kräftig-blaue Kornblumen ziehen regelrecht die Blicke an. „Es wird immer wichtiger, dass die Gefäße Fröhlichkeit ausstrahlen, eine freundliche Atmosphäre schaffen in einer leider zunehmend unfreundlichen Welt“, sagt Thomas Thunig.

In der Töpferei Thunig ist alles Handarbeit; auch das Dekor Kornblume wird mit dem Pinsel aufgebracht.
In der Töpferei Thunig ist alles Handarbeit; auch das Dekor Kornblume wird mit dem Pinsel aufgebracht.
Quelle: Anne Hasselbach

Sich Veränderungen beim Geschmack der Kundschaft anzupassen, Trends nicht zu verpassen und immer wieder Neues zu bieten, nennt er als wichtigen Faktor, um auf dem Markt zu bestehen.

So feiert die Töpferei ihr Jubiläum

Das 50. Jubiläum wird am 20. Juni ab 14 Uhr bis tief in die Nacht auf dem Gelände der Töpferei Thunig an der Dorfstraße in Schmölln-Putzkau gefeiert. Bei einem Töpferquizz und Zielwerfen gibt es einen limitierten Jubiläumsbecher zu gewinnen. Ab 19 Uhr spielt die Band Caracou. Der Eintritt ist frei.

Der abgelegene Standort im kleinen Schmölln ist eine zusätzliche Herausforderung. „Hier kommt niemand zufällig hin“, ist sich der Töpfermeister bewusst. Deshalb lässt er sich zusammen mit seinem Team immer wieder was einfallen, um den Einkauf zu einem Erlebnis zu machen. So gibt es auf dem Töpfereigelände Frühlingsfeste und Weihnachtsmärkte, zu denen das hauseigene Bistro öffnet.

Auch wenn der Meister bisher überhaupt nicht ans Aufhören denkt, macht er sich doch ab und zu Gedanken über die Zukunft des Handwerksbetriebes. Da Thunigs keine Kinder haben, ist ein Generationswechsel innerhalb der Familie keine Option. „Vielleicht will ja mal jemand aus dem Team die Firma übernehmen“, sinniert Thomas Thunig.

Er hofft jedenfalls, dass zu den 50 Jahren noch viele weitere hinzukommen. Auch wenn die derzeitige Situation gerade mal wieder eine schwierige ist, unter anderem durch steigende Preise für Sprit, Ton und vor allem Energie, von der er eine ganze Menge braucht, um die Brennöfen auf Temperatur zu bringen.

Meister töpfert am liebsten Teller

Seine Erfahrungen als Töpfereiinhaber lassen ihn dennoch optimistisch in die Zukunft blicken. „Mit Leidenschaft und Enthusiasmus haben wir bisher schon einige Krisen gemeistert“, sagt der Töpfermeister und spricht seinem Team viel Lob und großen Dank aus. „Wir sind wie eine Familie, und alle ziehen mit, jeder bringt eigene Ideen ein.“

Dann greift er sich den nächsten Teller vom Stapel. Diese Geschirrteile dreht er am allerliebsten. „Das ist für mich eine meditative Tätigkeit; die Hände wissen, was sie machen müssen, und der Geist kann abschalten“, begründet er.

SZ

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