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Streit um sächsischen Chip-Campus: Das sagen ESMC und Co. zur Standortfrage

Radeberg kämpft darum, dass die Mikrotechnologen von morgen auf dem Eschebach-Areal ausgebildet werden. Doch die Standortfrage ist nicht geklärt. Der Branchenverband Silicon Saxony nennt drei Kriterien. Welche das sind und ob Radeberg infrage kommt.

Lesedauer: 3 Minuten

"Radeberg könnte die Anforderungen erfüllen", sagt Silicon-Saxony-Geschäftsführer Frank Bösenberg zu Plänen, einen Mikrochipcampus auf das Eschebach-Gelände zu bauen. Quelle: René Meinig, Silicon Saxony, Montage: Verena Belzer/SZ

Verena Belzer

Radeberg. Die Halbleiterindustrie im Dresdner Norden wächst und mit ihr die Nachfrage nach Fachkräften. Um den Bedarf an ausgebildetem Personal zu decken, hat der Freistaat den Bau eines Campus angestoßen, auf dem künftige Mikrotechnologen qualifiziert werden sollen.

Mitte 2024 hatte der damalige Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) zwei wichtige Botschaften dazu verkündet. Erstens: Die Finanzierung sei gesichert. Zweitens: Der Campus soll in Radeberg entstehen.

In der Stadt war die Freude groß – denn das Sächsische Ausbildungszentrum für Mikrotechnologie, kurz „SAM“ sollte den Plänen zufolge auf die Brache des Eschebach-Areals nahe des Bahnhofs gebaut werden. Hier entsteht aktuell die neue Außenstelle des Humboldt-Gymnasiums. Das Eschebach-Gelände könnte ein großer Ort der Bildung werden.

Und vielleicht wird es auch so kommen – doch Anfang des Jahres machte das Wirtschaftsministerium mindestens eine halbe Rolle zurück, als Staatssekretär Sebastian Scheel zweierlei verkündete: Die Finanzierung war zum Zeitpunkt der Bekanntgabe 2024 mitnichten gesichert. Und anders als ursprünglich angedacht, sei Radeberg als Standort aktuell nicht gesichert.

Nicht nur Oberbürgermeister Frank Höhme fiel aus allen Wolken, auch etliche Stadträte zeigten sich erstaunt bis enttäuscht über die Entwicklungen. Gleichzeitig freute man sich in der Lausitz – denn dortige Bürgermeister spekulieren ebenfalls auf die Ansiedlung des SAM in ihren Gemeinden. Ihr Argument: Sollte das SAM tatsächlich mit Kohlegeldern finanziert werden – die Rede ist von bis zu 75 Millionen Euro –, dann sei die Investition in den strukturschwachen Gemeinden in den ehemaligen Tagebaugebieten besser aufgehoben.

„Duale Ausbildung lebt von kurzen Wegen“

Dass die Ansiedlung eines derart großen Zentrums für jede Gemeinde ein großer Gewinn wäre, steht zweifelsohne fest – und so lässt sich auch erklären, warum die Bürgermeister für ihre Kommunen kämpfen.

Aber es gibt noch einen anderen Akteur – und der ist auch nicht unentscheidend: Das sind alle Unternehmen in der Mikrochipbranche, allen voran natürlich TSMC, Infineon und Globalfoundries – aber auch deren Zulieferer und Partner.

Die Erreichbarkeit für Auszubildende und Lehrkräfte, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ist zentral. – Frank Bösenberg, Geschäftsführer von Silicon Saxony

700 dieser Unternehmen haben sich im Verband „Silicon Saxony“ organisiert – er ist damit das größte Hightechnetzwerk Sachsens. Als eigenfinanzierter Verein verbindet Silicon Saxony seit seiner Gründung im Jahr 2000 Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Hochschulen/Universitäten, Forschungsinstitute, öffentliche Einrichtungen sowie branchenrelevante Startups am Wirtschaftsstandort Sachsen und darüber hinaus.

Sein Geschäftsführer ist Frank Bösenberg – und der sagt zur Standortdiskussion rund ums SAM: „Die Standortentscheidung ist eine Abwägung, die Silicon Saxony den zuständigen Akteuren nicht abnehmen kann.“ Aus fachlicher Sicht seien aber drei Kriterien zentral.

„Erstens die Erreichbarkeit für Auszubildende und Lehrkräfte, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln; zweitens die räumliche Nähe zu den ausbildenden Unternehmen und Forschungseinrichtungen, weil duale Ausbildung von kurzen Wegen und engem Austausch lebt; drittens die Anbindung an das bestehende Mikroelektronik-Ökosystem.“ Und dann der entscheidende Satz: „Radeberg könnte als Standort diese Anforderungen erfüllen.“

Silicon Saxony: „SAM“ braucht längerfristige Perspektive

Grundsätzlich begrüßt Silicon Saxony selbstredend die Entscheidung des Freistaats, die Ausbildung zu stärken. „Wir unterstützen jede Initiative, die die Ausbildungskapazitäten für die Mikroelektronik in Sachsen substanziell stärkt“, sagt Frank Bösenberg. Entscheidend sei aber nicht das „Ob“, sondern das „Wie“. Ein neues Zentrum sollte laut Verband die bereits etablierten Ausbildungspartner einbinden und gezielt ergänzen. „Die Mikroelektronikbranche braucht attraktive Ausbildungsstätten, ein praxisnahes Curriculum und eine enge Verzahnung mit den realen Bedarfen der Industrie.“

Stichwort Bedarf: Mittel- und langfristig steigt der Personalbedarf der Chipbranche laut Silicon Saxony weiter an. „Die Investitionen der Halbleiterunternehmen erzeugen Beschäftigungseffekte, im Übrigen auch bei Zulieferern, Ausrüstern und Dienstleistern“, sagt der Geschäftsführer. Für ein Ausbildungszentrum zählt daher eine längerfristige Perspektive.

Im Sommer 2024 hat das sächsische Kabinett grünes Licht für das SAM gegeben – zwei Jahre später ist noch nicht einmal entschieden, wo es angesiedelt werden soll. Kommt das SAM für die Halbleiterbranche nicht viel zu spät? „Die Investitionsentscheidungen der Unternehmen sind getroffen, der Hochlauf der neuen Fabs folgt einem klaren Zeitplan“, sagt der Silicon-Saxony-Chef.

„Wenn die Ausbildungsstrukturen erst dann stehen, wenn der Personalbedarf längst Realität geworden ist, war das Verfahren zu langsam.“ Der Verband wünscht sich, dass parallel zur Klärung der finalen Trägerstruktur die bereits funktionierenden Ausbildungspartner gezielt gestärkt werden, „damit in der Zwischenzeit kein Zeitverlust entsteht“.

SZ

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