Markranstädt. Großer Bahnhof für große Visionen: Im Beisein des estnischen Premierministers Kristen Michal und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat das deutsch-estnische Unternehmen Skeleton Technologies am Freitag in Markranstädt sein neues Werk für die Herstellung von Superkondensatoren eröffnet.
Insgesamt wurden rund 220 Millionen Euro in die Errichtung der 10.000 Quadratmeter großen Produktionsstätte investiert, in der weltweit gefragte Stromspeicher produziert werden. Auf 420 Mitarbeiter soll die Belegschaft noch ansteigen, rund 170 Menschen arbeiten bereits im Werk.
Weltweit einzigartige Merkmale
Etwa zwölf Millionen seiner speziellen Kondensatoren will Skeleton im Gewerbegebiet Kulkwitz pro Jahr herstellen und damit einen Umsatz von 300 Millionen Euro pro Jahr generieren, betont Geschäftsführer Linus Froböse gegenüber der LVZ. Den Optimismus, mit der bereits 1745 entdeckten Wirkungsweise des Kondensators den Energiemarkt zu revolutionieren, bezieht er aus den weltweit einzigartigen Merkmalen der Skeleton-Produkte.
„Unsere Superkondensatoren bestehen aus regional verfügbaren Rohstoffen, können innerhalb einer Sekunde auf- oder entladen werden und sind wahre Marathon-Elemente.“ Auf mehr als eine Million Ladezyklen, so Froböse, seien die Speicher mit einer Kapazität von 3400 Farad ausgelegt.

Quelle: Dirk Knofe
Zudem sind die Kondensatoren so leicht, dass sie nicht nur in der Automobilindustrie oder im IT-Bereich begehrt sind, sondern auch bei Projekten der Europäischen Weltraumbehörde ESA zum Einsatz kommen. „Aber auch in Leipzig sehen wir einen großen Markt“, sagt Deutschland-Chef Froböse. Gekoppelt mit dem aus der Formel 1 bekannten ERS-System zur Rückgewinnung von Bremsenergie könne die Beschleunigung von Straßen- oder S-Bahnen so unterstützt werden, dass die Züge rund 20 Prozent weniger Energie aus dem Netz ziehen müssen.
Markranstädt: Favorit unter 150 Standorten
In einer kurzen Ansprache vor Vertretern aus Wirtschaft und Politik betonte Skeleton-Generalmanager (CEO) Taavi Madiberk, dass sich Markranstädt insbesondere aufgrund logistischer Voraussetzungen und seiner Lage unter 150 anderen Standorten empfohlen hat. In Estland sei man zwar schneller, wenn es um Ideen und Innovationen gehe, aber „um ein neues Produkt mit der Automatisierung zu untersetzen, ist man in Deutschland besser aufgehoben“, schwärmte er vom neuen Standort.
Auch für den europäischen Markt fand der estnische CEO visionäre Worte: „Was wir hier produzieren, ist ein Sicherheitsgurt bei der Nutzung erneuerbarer Energien, der uns Stabilität in der Versorgung bietet. Das heißt: Die Lichter bleiben auch bei Schwankungen im Netz an.“ Dies sei ein längst überfälliger Schritt, denn „wir sind in Europa spät dran, auch Deutschland hat da schon zehn Jahre verloren“. Madiberk warnte davor, nur Lösungen anderer Unternehmen zu kopieren und weiterentwickeln zu wollen. „Wir brauchen in Europa neue Ideen und Strategien.“
Wir sind damit auch nicht mehr abhängig von China oder zerbrechlichen Lieferketten. – Taavi Madiberk, CEO Skeleton Technologies
Die Skeleton-Kondensatoren würden durch die verwendeten Rohstoffe, die auch selbst veredelt würden, beispielsweise eine einzigartige Autarkie gewährleisten. „Nicht nur, dass es keine schnelleren Kondensatoren gibt: Wir sind damit auch nicht mehr abhängig von China oder zerbrechlichen Lieferketten“, so Madiberk.

Quelle: Dirk Knofe
Hintergrund: Im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen betreibt Skeleton bereits seit Februar die weltweit erste industrielle Produktionsstätte für das neuartige „Curved Graphene“. Dieses Kohlenstoffmaterial, das auch in Markranstädt zum Einsatz kommt, ermöglicht leistungsstärkere und umweltfreundlichere Energiespeicher als mit dem bisher verwendeten Graphit.
Ministerpräsident Michael Kretschmer sprach bei der Eröffnung von einem „coolen Tag für Estland und Deutschland“, sieht Sachsen in einer Vorreiterrolle für grüne Energien. Beim bisherigen Tempo pflichtete Kretschmer dem estnischen CEO allerdings bei: „Andere sind bei der Entwicklung nicht zu schnell, sondern wir waren zu langsam. Aber das werden wir jetzt aufholen.“


