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Nach der Insolvenz: Wie Varialux in Arnsdorf den Neustart schafft

Nach der Insolvenz im Herbst hat der Arnsdorfer Leuchtenhersteller Varialux einen Neustart hingelegt. Die Firma soll für schwedische Hochgeschwindigkeitszüge die Lichttechnik liefern – weitere Anfragen kommen aus New York.

Lesedauer: 3 Minuten

Christian Kummerfeldt (links) und Tobias Krüger sind die Geschäftsführer der neuen Varialux-nmd GmbH, die den Betrieb des Traditionsbetriebs Varialux übernommen hat. Quelle: Verena Belzer/SZ

Verena Belzer

Arnsdorf. Der Schock war nicht nur in Arnsdorf groß, als das Unternehmen Varialux im vergangenen Herbst meldete, insolvent zu sein. Varialux ist ein Traditionsbetrieb, der weit über die Grenzen des Rödertals bekannt ist. Die Leuchten der Firma sorgen für Licht in vielen Straßenbahnen – unter anderem in Berlin, Rotterdam und Dortmund.

Und doch: Der Leuchtenhersteller und Experte für die Branchen Schienenfahrzeugbau und Medizintechnik mit rund 50 Mitarbeitern war aufgrund von Umsatzrückgängen und der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Lage in die Krise geraten.

Die Rettung kam indes schnell: Der laufende Geschäftsbetrieb wurde seit Jahresbeginn auf die neu gegründete Varialux-nmd GmbH übertragen. Deren drei Gesellschafter sind Christian Kummerfeldt und dessen Frau Verena sowie Tobias Krüger. Die beiden Männer fungieren auch als Geschäftsführer.

450 Mitarbeiter zu DDR-Zeiten

Noch zu DDR-Zeiten beschäftigte Varialux zeitweise 450 Mitarbeiter und hatte einen eigenen Gleisanschluss. In den 80er-Jahren produzierte das Unternehmen sogar für den schwedischen Möbelriesen Ikea.

Doch dann kam die Wende und mit ihr schwierige Zeiten. Schon 1992 bekam Varialux Finanzprobleme, 1995 übernahm Christian Kummerfeldts Vater Gerhard das Unternehmen. „Dabei wollte er damals eigentlich nur drei Maschinen kaufen“, erzählt dessen Sohn, heute 50 Jahre alt. „Aber er hat das große Potenzial der Varialux sofort erkannt.“

1997 stieg Christian Kummerfeldt in den Betrieb ein. Kurz darauf kam zum Leuchtenbau auch die Medizintechnik dazu – Varialux fertigt seit 1999 etwa Komponenten für Gehäuse für Röntgengeräte.

Insolvenzverwalter geht auf Dresdner Betrieb zu

Die neue Firma Varialux-nmd investiert: Kürzlich ist eine Stanze nach Arnsdorf geliefert worden, auf der etliche neue Aufträge gefertigt werden sollen.
Die neue Firma Varialux-nmd investiert: Kürzlich ist eine Stanze nach Arnsdorf geliefert worden, auf der etliche neue Aufträge gefertigt werden sollen.
Quelle: Varialux-nmd

Als Christian Kummerfeldts Vater 2020 mit 76 Jahren sein Unternehmensportfolio neu sortierte, übernahm der Sohn eine andere Firma auf dem Gelände in Arnsdorf und verließ die Varialux. Insgesamt sind auf dem Areal sieben Unternehmen beheimatet.

Die Varialux führte eine Unternehmerin aus Pirna weiter – bis zum Herbst vergangenen Jahres, als die Finanzierungsschwierigkeiten zu groß wurden und ein Insolvenzverwalter übernahm.

Der wiederum traf den Unternehmer Tobias Krüger, der auf der Suche nach einem neuen Fertigungsstandort war. Der 51-Jährige kommt aus Weinböhla und ist in der Branche kein Unbekannter.

Er ist Chef des Sonderleuchtenherstellers nmd Licht am Bau GmbH, der seinen Sitz in der Dresdner Friedrichstadt hat. Der Betrieb wurde einst 1926 gegründet und kann auf eine 100-jährige Firmengeschichte zurückblicken.

Die Lierferanten haben wieder Vertrauen und merken, dass auf uns Verlass ist. – Christian Kummerfeldt, Geschäftsführer

Früherer Chef Christian Kummerfeldt kehrt zurück

„Wir haben in der Vergangenheit unter anderem große Einkaufszentren mit Leuchten ausgestattet“, sagt Krüger. „In Dresden etwa die Erstausstattung der Altmarktgalerie oder einige Bereiche im Berliner KaDeWe.“ Auch etliche Leuchten in der Elbphilharmonie stammen von nmd Licht am Bau.

Doch nicht nur Tobias Krüger ist in der Branche gut bekannt, auch Christian Kummerfeldt ist vielen noch ein Name. Und dem gehört zusammen mit seiner Frau das Fertigungsgelände der Varialux. Und so kam nun auch er wieder ins Spiel, obwohl er eigentlich gar nicht geplant hatte, zur Varialux zurückzukehren. Und als sich die beiden kennenlernten, merkten sie schnell, dass sie auf einer Linie waren und sich gut vorstellen konnten, gemeinsam den Leuchtenstandort zu bewahren und auszubauen.

Kunden und Lieferanten springen nicht ab

Die neue Varialux-nmd blickt nun zuversichtlich in die Zukunft. „Die Lieferanten haben wieder Vertrauen und merken, dass auf uns Verlass ist“, sagt Christian Kummerfeldt. „Auch die großen Kunden haben zu uns gehalten und sind nicht abgesprungen, obwohl sie natürlich verunsichert waren. Es gab aber auch nie einen Lieferstopp.“ Allen voran war Siemens beunruhigt, einer der wichtigsten Kunden. Dabei hat es sicher auch nicht geschadet, dass der Name Kummerfeldt bei den Partnern durchaus noch bekannt war.

Von nmd sind nun acht Mitarbeiter von Dresden nach Arnsdorf umgezogen. Laut Geschäftsführer Krüger sei das für die Kollegen kein Problem. „Da hilft es natürlich, dass Arnsdorf einen Bahnhof hat und gut angebunden ist.“ Der Betrieb sei wirtschaftlich immer stabil gewesen – der Zusammenschluss mit Varialux böte nun aber für beide Unternehmen mehr Optionen und viele Vorteile.

Großauftrag aus Schweden

Einer der ersten Aufträge, die das neue Unternehmen an Land ziehen konnte, kommt aus Schweden. Für die dortigen Hochgeschwindigkeitszüge soll Varialux-nmd die Lichttechnik bereitstellen. „Eine sehr anspruchsvolle Aufgabe“, sagt Christian Kummerfeldt. Zudem gebe es weitere Anfragen weltweit – eine zum Beispiel aus New York.

Für Tobias Krüger und Christian Kummerfeldt ist es wichtig, alle Betriebssparten erfolgreich zu machen. Kummerfeldt erklärt das mit einer Metapher: „Wir wollen breit aufgestellt sein. Wenn Siemens beispielsweise einen Schnupfen hat, soll nicht das ganze Unternehmen gleich die Influenza bekommen.“

SZ

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