Von Sascha Klein
Geierswalde/Großräschen. Die IBA-Terrassen in Großräschen sind einst das Sinnbild für eine verrückte Idee gewesen. Zwischen 2000 und 2010 war die Internationale Bauausstellung „Fürst-Pückler-Land“ in der Lausitz – die IBA-Terrassen der Blickfang. Sie symbolisierten einen Aufbruch und eine Idee von der Lausitz nach der Kohle. Mit Blick auf die charakteristischen drei Gebäude denkt auch Großräschens neuer Bürgermeister André Lehnick (parteilos) an die Zukunft.
Die IBA-Terrassen, die inzwischen einen malerischen Blick auf den Großräschener See möglich machen, werden umgestaltet und erweitert. Insgesamt fließen rund 25 Millionen Euro in den Um- und Ausbau des im Jahr 2004 erbauten Areals. Jüngst hat Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU) einen Förderbescheid in Höhe von 2,66 Millionen Euro übergeben. Das Geld stammt aus dem Strukturwandeltopf. „Die IBA-Terrassen werden ein Aushängeschild für den Strukturwandel“, sagt sie.

Quelle: Dittrich
Künftig wird das Gelände der IBA-Terrassen zum „Campus IBA-Terrassen“. Ein wichtiger Baustein steht bereits direkt vor dem Gelände: die neue Tourist-Information am Großräschener See. Sie bietet Gästen eine Möglichkeit, sich über die Möglichkeiten am See und im gesamten Lausitzer Seenland zu informieren.
Die IBA-Terrassen selbst werden großflächig umgestaltet. Am Haus 1 wird derzeit außen gebaut. Es soll weiterhin für die Gastronomie erhalten bleiben. Dafür laufen derzeit Arbeiten im Innen- und Außenbereich.

Quelle: Sascha Klein
Deutlich belebt werden soll das Haus 2. Es war viele Jahre für Ausstellungen genutzt worden. Jetzt wird daraus ein Co-Working-Space für alle Interessierten, die nichts gegen Arbeiten im Großraum und einen wunderbaren Seeblick haben. Großräschens Bürgermeister André Lehnick (parteilos) hofft zudem, auch die BTU Cottbus/Senftenberg für den Standort IBA-Terrassen begeistern zu können. Das Haus 3 wird energetisch saniert und soll anschließend als Haus für Konferenzen und Tagungen angeboten werden.
Die zurzeit größte Baustelle auf dem „Campus IBA-Terrassen“ steht jedoch eher in zweiter Reihe. Es ist die „Energiewerkstatt“. Dahinter verbirgt sich die künftige Energieversorgung des gesamten Areals sowie ein Bild in Vergangenheit und Zukunft für Gäste.

Quelle: Sascha Klein
Zum einen wird im neuen Gebäude, das im Jahr 2028 fertiggestellt sein soll, moderne Energietechnik verbaut werden. Neben Wärmepumpe und Fotovoltaik ist laut Lehnick auch ein Eisspeicher geplant. Diese Anlagen versorgen den Campus dann mit Energie und Wärme. Zum anderen soll die „Energiewerkstatt“, die rund elf Millionen Euro kostet, auch zur Ausstellungsfläche werden. Geplant ist etwa, dort ein Windrad zu zeigen.
Ebenso sollen Gäste sehen, wie früher und heute Energie erzeugt worden ist – und wie sie morgen erzeugt werden könnte. Das schlägt den Bogen zur Bergbaugeschichte Großräschens. Denn noch in den späten 1980er-Jahren mussten mehr als 2000 Menschen aus dem Ortsteil Großräschen-Süd/Bückgen wegziehen. Sie wurden vom Tagebau Meuro vereinnahmt. Dort ist heute der Großräschener See.
Platz in der neuen „Energiewerkstatt“ soll auch ein Besucherstollen haben. Er zeigt, dass die Anfänge der Braunkohlenförderung im Lausitzer Revier nicht etwa riesige Tagebaue gewesen sind. Die ersten Braunkohlegruben in der Lausitz funktionierten im 19. Jahrhundert im Tiefbau. Der Stolleneingang soll eine Klinkerfront bekommen. Der Klinkerbau ist ebenfalls typisch für Großräschen in seiner industriellen Blütezeit.

Quelle: Sascha Klein
So bekommt das Lausitzer Seenland mit dem „Campus IBA-Terrassen“ einen weiteren modernen Anlaufpunkt für Tourismus, Wirtschaft und Kultur. Erst am 29. Juni waren in der Region drei weitere schiffbare Kanäle eröffnet worden, die nun fünf Bergbaufolgeseen schiffbar miteinander verbinden: den Senftenberger See, den Geierswalder See, den Partwitzer See, den Sedlitzer See und den Großräschener See.
SZ


