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Trotz Schweinepest: Schweinehalter im Kreis Bautzen haben wieder Hoffnung

40 Prozent der Schweinebetriebe im Kreis Bautzen haben seit Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest aufgegeben. Wie steht es um die übrig gebliebenen?
Lesedauer: 3 Minuten
Man sieht den Schweinebauer Christian Schmidtgen.
Christian Schmidtgen hat seinen Sauenbestand in Nebelschütz von 2.000 auf 600 Schweine dezimiert. Trotzdem blickt er jetzt leicht optimistisch in die Zukunft. © Anne Hasselbach

Von Tim Ruben Weimer

Bautzen. Die Afrikanische Schweinepest ist in Sachsen auf dem Rückzug, im August 2023 wurden im Freistaat unter Wildschweinen nur noch zehn neue Infektionen mit dem Virus festgestellt. Alle zehn Fälle stammen aus den Gemeinden Lauta und Elsterheide im nördlichen Landkreis Bautzen, die Landkreise Görlitz und Meißen hatten bereits seit fast drei Monaten keine Schweinepest-Fälle mehr.

Doch die Pest hat unter den Schweinehaltern gravierende Auswirkungen: So haben mit Stand von Mitte August 2023 im Landkreis Bautzen 101 von ursprünglich 247 Schweinebetrieben ihren Betrieb aufgegeben, der größte davon ist die Firma Klixer Edelfleisch aus Großdubrau. Die Zahl der gehaltenen Schweine hat sich seit Ausbruch der Seuche im Jahr 2020 von insgesamt rund 60.000 auf 50.000 Tiere reduziert.

Schweinehaltung lohnt sich wieder

Durch die Schweinepest seien die Lieferketten weggebrochen, berichtet André Pietsch, der beim Landwirtschaftsunternehmen Budissa Agrarprodukte in Niederkaina die Schweinehaltung verantwortet. Eine von zwei Sauenzuchtanlagen mit jeweils rund 750 Schweinen sei im Oktober 2022 geschlossen worden, die Jungsauenzuchtanlage habe der Betrieb übergangsweise nach Lutherstadt Wittenberg und damit aus der ASP-Zone hinaus verlagert.

Inzwischen habe sich die Lage allerdings verändert, so Pietsch. Es lohne sich wieder, Schweine zu halten. Das liege daran, dass der Schweinemarkt nach dem Tief der Absatzpreise im Jahr 2022 wie leer gefegt gewesen sei, viele Betriebe hatten aufgegeben. Inzwischen würden mehr Schlachtanlagen auch Schweine aus ASP-Gebieten annehmen. „Wir haben uns durch die Krise geschleppt, die ganze Branche hat viel Geld verloren, aber jetzt blicken wir vorsichtig nach vorne.“

Gute Preise für Ferkel, doch Kosten bleiben hoch

Das sagt auch Christian Schmidtgen von der Sauenzuchtanlage in Nebelschütz. Er habe den Sauenbestand Mitte 2022 von 2.000 auf 600 Tiere dezimieren müssen, weil er pro Ferkel einen Verlust von rund 50 Euro einfuhr. Er gehe nicht davon aus, die Anlage wieder vollständig hochfahren zu können, und das obwohl der Preis für ein Ferkel inzwischen wieder bei 80 Euro und damit knapp über dem Allzeithoch von 75 Euro vor dem ASP-Ausbruch im Jahr 2020 liegt. Denn die Kosten für Futtermittel, Lohn und Energie blieben hoch.

Die Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt, dessen Mitarbeiter regelmäßig Blutproben seiner Tiere nehmen und bei jeder Ausfuhr die Verplombung des Fahrzeugs kontrollieren würden, verlaufe zwar reibungslos. Allerdings erhebe das Amt auch Gebühren, etwa für jede erteilte Ausnahmegenehmigung, die ihm die Ausfuhr lebender Tiere aus dem Gebiet erlaubt.

Neue Auflagen für Schweineställe noch unklar

„Ich halte trotzdem an der Schweinehaltung fest, weil wir mit den derzeitigen Auflagen sehr gut leben können“, sagt Schmidtgen. Sein Ziel sei es, langfristig einen größeren Teil der Wertschöpfungskette bei sich auf dem Hof zu behalten und somit nicht mehr auf Zwischenhändler und teure Transporte angewiesen zu sein. Eine Möglichkeit sei zum Beispiel, auf den freigewordenen Stallflächen eine eigene Mastanlage aufzubauen.

Doch dafür müssten erst einmal die künftigen gesetzlichen Vorgaben für die Ställe klar sein. „Die Umbauten, die wohl von uns gefordert werden, sind finanziell nicht tragbar, und die Fördermöglichkeiten sind auch übersichtlich“, sagt Schmidtgen. „Bei den Umbauten kann es um einen Zentimeter zu viel oder zu wenig gehen, der dann einen Rückbau erfordern würde.“ Deshalb die Devise: Erstmal abwarten, bis die Vorgaben klar formuliert sind.

Betriebe subventionieren Schweinezucht

Bei den neuen Auflagen geht es darum, dass künftig womöglich nur noch die Schweine aus den Haltungsformen 3 und 4 vermarktet werden sollen, erklärt Thomas Schneeweiß von der Erzeugergemeinschaft Qualitätsfleisch in Taubenheim bei Klipphausen, die auch Mitglieder im Landkreis Bautzen hat. Bei Haltungsstufe 3 müssen die Schweine Kontakt zum Außenklima haben, bei Haltungsstufe 4 benötigen sie einen dauerhaften Auslauf.

Die Lage sei derzeit sehr unsicher, viele Betriebe seien daher zurückhaltend mit Investitionen und hielten die Schweinezucht mit Quersubventionen aus anderen Bereichen des Landwirtschaftsbetriebes über Wasser. Jene, die aufgegeben haben, seien vor allem kleine Betriebe gewesen, die vollständig von der Schweinevermarktung abhängig waren.

Im Schnitt 15 Cent weniger für Fleisch aus ASP-Gebieten

Sich selber zu subventionieren, mache keinen Sinn, sagt Thomas Adler von der Agrargenossenschaft Großröhrsdorf. Seit Mai 2022 hat er seine Schweinehaltung vorübergehend eingestellt, hält sich aber die Option offen, sie wieder aufzubauen, falls die ASP-Sperrzone 2 zur Pufferzone degradiert werde. Der Aufwand mit hohen Transportkosten bis zum Tönnies-Schlachthof nach Kellinghusen nördlich von Hamburg sei zu hoch gewesen, zudem habe er für die aufgrund des Schlacht-Staus immer dicker werdenden Schweine nur noch 50 Cent pro Kilogramm bekommen. Aktuell liegt der Preis wieder bei 2,30 Euro.

„Uns geht es prima“, sagt Erik Thijsen, Halter von 1.600 Zuchtsauen und 2.000 Mastschweinen in Grüngräbchen. Er fahre inzwischen wieder Gewinne ein, die Produktion habe er zu keinem Zeitpunkt zurückfahren müssen. Im Durchschnitt bekomme er dennoch rund 15 Cent pro Kilogramm weniger für seine Schweine, weil sie aus einem ASP-Gebiet stammen. Er fordert daher mehr Unterstützung für die Schweinehalter. „Im Moment tut uns das nicht weh, weil die Gewinne hoch sind“, sagt er. „Aber es kommen auch wieder Zeiten, in denen die 15 Cent entscheidend sein können.“

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