Von Florian Reinke und Andreas Dunte
Leipzig. Der Traum vom grüneren Fliegen soll südlich von Leipzig industrielle Wirklichkeit werden. Unter dem Projektnamen „HyKero“ plant die Leipziger EDL Anlagenbau GmbH in Böhlen-Lippendorf mit einer Tochterfirma nichts Geringeres als die weltweit erste Anlage ihrer Art zur Herstellung von nachhaltigem Flugkraftstoff im industriellen Maßstab.
Die Pläne klingen nach einem technologischen Durchbruch für die gesamte Region: 50.000 Tonnen synthetisches Kerosin pro Jahr, rund 700 Millionen Euro Investition und neue Arbeitsplätze für den Strukturwandel. In einer Unternehmenspräsentation aus dem Jahr 2024 heißt es selbstbewusst: „PtL-SAF aus Sachsen – die Zukunft beginnt heute“. PtL steht für Power-to-Liquid: Gemeint sind flüssige synthetische Kraftstoffe, die mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt werden.

Quelle: EDL Anlagenbau
EDL aus Leipzig in Schieflage
Doch nun muss EDL erst einmal um die eigene Zukunft kämpfen. Das Amtsgericht Leipzig hat Ende Juni über das Vermögen des Anlagenbauers ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Die Geschäftsführung bleibt damit am Steuer, muss die Firma aber unter Aufsicht des Leipziger Sachwalters Rüdiger Weiß neu aufstellen.
Das Verfahren trifft formal nur die EDL Anlagenbau GmbH – nicht das Projekt HyKero. EDL betont auf Anfrage, das Insolvenzverfahren betreffe ausschließlich die eigene Gesellschaft. Zu anderen Gesellschaften oder Projektpartnern erklärt das Unternehmen: „Aussagen zu den wirtschaftlichen oder organisatorischen Verhältnissen anderer Gesellschaften oder Projektpartner sind uns daher weder möglich noch angezeigt.“
Ministerium sieht Unternehmen am Zug
Für HyKero ist die EDL-Schieflage dennoch relevant. Das zeigt sich beim Förderverfahren: Laut Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums befand sich die XFuels HyKero GmbH, eine Tochtergesellschaft von EDL, bis zum Bekanntwerden des Insolvenzverfahrens im Antragsprozess für die Wasserstoffförderung. Dieser Prozess pausiere derzeit. Das Ministerium sieht nun die Unternehmensseite am Zug: „Das Unternehmen ist aufgefordert, zeitnah eine Perspektive für die XFuels HyKero GmbH aufzuzeigen.“
Ein Blick in die Bücher verrät, wie der Druck auf EDL zuletzt stieg. Laut aktuellen Zahlen sank der Umsatz von EDL im Geschäftsjahr bis Ende Juni 2025 auf rund 23,8 Millionen Euro, nachdem er im Vorjahr noch bei rund 30,8 Millionen Euro gelegen hatte. Unter dem Strich stand bei EDL ein Verlust von rund 36.000 Euro – nach einem Gewinn von fast einer Million Euro im Vorjahr.
EDL-Kunden sagten Projekte ab
Die Schieflage kommt nicht von ungefähr: Auf LVZ-Anfrage führt EDL diese auf eine „schwierige Marktlage“ in der Chemie- und Petrochemie zurück. Hohe Energiepreise, eine schwache Konjunktur und regulatorische Unsicherheiten hätten Kunden dazu bewogen, Projekte zu verschieben oder ganz abzusagen. Nun soll die Entschuldung über einen Insolvenzplan gelingen. Die Wiener Pörner-Gruppe, die Eigentümerin der EDL ist, begleite den Prozess „konstruktiv“.
Dabei ist das Konzeptdesign für die Anlage, die jährlich 50.000 Tonnen grünes Kerosin und 14.000 Tonnen synthetisches Naphtha erzeugen soll, laut der Unternehmenspräsentation von 2024 abgeschlossen. Das Vorhaben war Teil der sächsischen Wasserstoff-Wertschöpfungskette „LHyVE“; in der Präsentation werden EDL, Leipziger Gruppe, VNG und deren Tochter Ontras als gemeinsames Netzwerk genannt. Das Ziel: den Einstieg in eine CO₂-ärmere Luftfahrt direkt vor der Haustür zu ermöglichen.
DHL als Kunde? Konzern äußert sich vage
In der Präsentation taucht auch das Logo eines großen, potenziellen Kunden auf: des Logistikriesen DHL am Airport Leipzig/Halle. Der Logistikriese, der bis 2030 eine weltweite Beimischquote von nachhaltigen Luftfahrttreibstoffen von 30 Prozent anstrebt, antwortet auf konkrete Fragen zum Projektstand nicht und verweist lediglich auf seine globale Strategie.
Nach Informationen der LVZ sah sich der Flughafen in solchen Überlegungen nicht als Produzent, sondern eher als Schnittstelle zwischen Herstellern, Infrastruktur und möglichen Abnehmern. Aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen heißt es, für den nächsten Schritt brauche es politischen Rückenwind.
EDL selbst möchte sich nicht näher zum aktuellen Stand des Projekts äußern. HyKero besitze für alle Beteiligten weiterhin eine „hohe Bedeutung“, heißt es vom Unternehmen. Und der Geschäftsbetrieb von EDL werde auch während des Verfahrens „ohne wesentliche Einschränkungen fortgeführt“. Sämtliche laufenden Projekte würden weiterhin bearbeitet und Aufträge angenommen. „Das Ziel des Eigenverwaltungsverfahrens ist ausdrücklich die nachhaltige Sanierung und Fortführung des Unternehmens“, erklärt das Unternehmen.


