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Sachsen will das Gehirn der Halbleiter entwickeln

Das Barkhausen-Institut bewirbt sich um einen der 5 Design-Hubs für das nationale Kompetenzzentrum für Chipdesign. Ab 2027 sollen Gründer und Uniabsolventen beim Entwurf digitaler Chips unterstützt werden. Was der sächsische Standort bieten würde.

Lesedauer: 3 Minuten

Die EU will die Kompetenzen beim Design von Computerchips stärken. In Deutschland soll ein nationales Kompetenzzentrum Chipdesign mit fünf Hubs entstehen. Das Barkhausen-Institut in Dresden bewirbt sich für einen Hub. Quelle: Christian Ohde

Von Nora Miethke

Das Barkhausen Institut (BI) hat gemeinsam mit vier Partnern aus Wissenschaft und Forschung einen Antrag beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt eingereicht, um in Sachsen einen der fünf geplanten Design-Hubs des neuen nationalen Kompetenzzentrums Chipdesign (ChipDE) für digitale Chips, zu etablieren. Das hat das Institut am Montag zum Auftakt des Branchentreffens „Silicon Saxony Days” mitgeteilt.

Das Zentrum soll ab 2027 Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Start-ups und Unternehmen beim Chipdesign unterstützen.

Lieferengpässe treiben Preise

Halbleiter sind das elektronische Gehirn in allen modernen Geräten, ob nun Smartphones, Autos oder Waschmaschinen. Wenn aber über 80 Prozent aller Chips für diese Produkte aus dem Ausland kommen, ist die Abhängigkeit zu hoch. Um unabhängiger von internationalen Lieferketten zu werden, muss man die Architektur von Chips selbst entwerfen. Sowohl die EU-Kommission als auch die Bundesregierung wollen deshalb das Wissen im Chipdesign stärken.

In den Aufbau von des Chipdesign-Zentrum fließen 44 Millionen Euro, konkret in fünf Design-Hubs und eine Koordinierungsstelle. Für den Hub digitale Chips wird mit sechs bis sieben Millionen Euro gerechnet.

Fettweis: Sachsen kann Position ausbauen

Professor Gerhard Fettweis, Gründer des Barkhausen-Instituts, sieht da für Sachsen eine besondere Chance. „Mit dem konsequenten Aufbau von Kompetenzen im Chipdesign kann Sachsen seine starke Marktposition langfristig festigen und über die Chipproduktion hinaus erweitern“, erklärt er.

Professor Gerhard Fettweis ist Gründer des Barkhausen Instituts und Koordinator des Antrags für den Design-Hub mit vier Partnern.
Professor Gerhard Fettweis ist Gründer des Barkhausen Instituts und Koordinator des Antrags für den Design-Hub mit vier Partnern.
Quelle: Andreas Traßl, TUD

Mit der Gründung des BI habe Sachsen schon 2018 die Weichen für genau die Entwicklungen gestellt, die Europa heute vorantreibe. Das größtenteils vom Freistaat finanzierte Institut forscht an vertrauenswürdigen Chiparchitekturen und entwickelt neuartige Konzepte für kostengünstiges Chipdesign. Dies wird in für Sachsen bedeutsamen Zukunftsfeldern wie Medizintechnik und Verteidigung immer wichtiger.

Mit dem konsequenten Aufbau von Kompetenzen im Chipdesign kann Sachsen seine starke Marktposition langfristig festigen und über die Chipproduktion hinaus erweitern. – Professor Gerhard Fettweis, Gründer des Barkhausen Instituts

Hub will Uniabsolventen und Gründer schulen

Der sächsische Hub für digitale Chips zielt nicht auf Forschung ab, sondern will Unterstützung leisten für Hochschulabsolventen und Startup-Gründer, damit diese schneller zu Chipdesign fähigen Teams werden. „Wir wollen die Ausbildung dahingehend verbessern, dass die Absolventen schon frühzeitig mit professionellen Entwicklungsmethoden vertraut werden“, erklärt BI-Geschäftsführer Tim Hentschel den Ansatz.

Ein Digitalchip für ein Auto sei ein anderer als für einen Saugroboter. „Aber die Grundstruktur ist immer dieselbe“, so Hentschel. Das BI will eine fertige Grundstruktur-Plattform, Software, Leiterplatten und ein Trainingsangebot zur Verfügung stellen, damit externe Teams ihre Chip-Architektur testen können. So könnten die Kosten und Einstiegshürden für neue Chip‑Entwürfe erheblich gesenkt werden. Normalerweise müssten Firmen diese Bausteine alle selbst besorgen und zusammenfügen. Das sei für junge Gründer, die eine coole Idee haben, oft zu komplex, so Hentschel.

Masur-25-Chip wird in den Sockel eines Evaluationsbordes gesetzt.
Masur-25-Chip wird in den Sockel eines Evaluationsbordes gesetzt.
Quelle: Rafael Vinz

Unterstützt wird das Institut von den großen Chipherstellern. Gerade TSMC als Auftragsfertiger ist auf Chipdesign-Firmen als Kunden angewiesen. Christian Koitzsch, der für TSMC die erste Chipfabrik in Dresden errichtet, betont die Notwendigkeit, europaweit Design-Kapazitäten auszubauen. „Hierzu gehört insbesondere das Engagement des Freistaats in der Stärkung von Ausbildung und Forschung zum Chipentwurf in Sachsen”, hatte er vergangenes Jahr gesagt, als das BI mit der Arbeit für den Antrag begann. Denn das schafft heimische Nachfrage nach Chipproduktion und nur wenn diese wächst, werden weitere Chipfabriken in Europa kommen.

SZ

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