Suche
Suche

VW-Konzernchef Blume: „Wir kümmern uns um Zwickau”

In Zwickau ist die Stimmung schlecht. Viele Menschen arbeiten dort bei Volkswagen - und sind unsicher, ob das auch in Zukunft so sein wird. VW-Chef Blume verspricht im Interview, für Beschäftigung zu sorgen. Die Politik ist optimistisch.

Lesedauer: 2 Minuten

Nora Miethke

Zwickau. Bei Volkswagen gibt es trotz der Chipkrise vorerst keine Produktionsstopps. Nach heutigem Stand sei die Produktion auch in der kommenden Woche an allen deutschen Standorten abgesichert, teilte der Konzern mit. Das gelte auch für die Markentöchter Audi, Porsche und VW Nutzfahrzeuge, so ein Sprecher auf Nachfrage. Porsche produziert in Leipzig, VW in Zwickau und Dresden.

„Dennoch ist die Lage kritisch”, sagte Oliver Blume, Vorstandschef der Volkswagen AG, im Interview mit der „Zeit“, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Auf die Frage nach der Zukunft des Werks in Zwickau versicherte Blume: „Ich sage klar: Wir kümmern uns um Zwickau, wir haben die Produktionskapazität einvernehmlich angepasst und sichern bis zum Ende des Jahrzehnts die Beschäftigung.“ Mittelfristig würde reine Elektroautos für die Kunden ohnehin viel attraktiver sein, auch weil sie günstiger werden als Verbrenner oder Hybride, gibt der Automanager einen Hoffnungsschimmer.

Nach dem Tarifkompromiss von Weihnachten soll ab 2027 die Produktion im Zwickauer Fahrzeugwerk von zwei Fertigungslinien auf eine reduziert werden. Das löst nicht nur Existenzängste in der VW-Belegschaft aus, sondern vor allem bei den Autozulieferern in der Region.

Kretschmer optimistisch zur Zukunft von Zwickau

Auch Michael Kretschmer sieht eine Zukunft für die Produktion am Volkswagen-Standort in Zwickau. „Ich bin mir sehr sicher, dass Zwickau eine Perspektive hat“, sagte der CDU-Politiker im ZDF. Das ZDF-Morgenmagazin sendete am Donnerstag drei Stunden aus der westsächsischen Stadt. Gleichzeitig forderte er Gewerkschaften und Bundespolitik zur Mithilfe auf, um den Standort zu sichern.

Volkswagen baut an dem Standort in Zwickau Elektroautos. Die Menschen vor Ort kämpften für ihre Zukunft, sagte Kretschmer. Die Politik müsse dafür sorgen, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt stärker wird.

Auch Bundesumweltminister Carsten Schneider zeigt sich nach den Aussagen von Blume optimistisch: „Der VW-Konzern will die Arbeitsplätze am Standort Zwickau bis mindestens 2030 sichern. Das ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten und die Region”, betont der Minister und gebürtige Thüringer. Denn das VW-Werk in Zwickau sei eine echte Perle im Konzern.

Volkswagen könne froh und stolz sein auf den ostdeutschen Standort, der eine lange Automobiltradition hat und heute äußerst wirtschaftlich E-Autos produziert, so der SPD-Politiker. „Elektromobilität ist die Zukunft, da bin ich mir mit Oliver Blume einig. Das Werk in Zwickau zeigt, wie wir Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern und Klimaschutz im Verkehr wirkungsvoll vorantreiben können“, betont der Bundesumweltminister.

Landtagsdebatte zu VW und Chipkrise

Auf Antrag der SPD widmete sich auch der Sächsische Landtag am Donnerstag in einer aktuellen Stunden dem Thema „VW und die Chipkrise.

„Die globale Ordnung befindet sich im Wandel. Nationale Interessen gewinnen an Bedeutung, autoritäre Akteure setzen zunehmend auf das Prinzip »Mein Land zuerst«. Freie Märkte und internationale Regeln werden offen infrage gestellt, wirtschaftlicher Druck und politische Erpressung sind keine Ausnahme mehr“, bilanzierte Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter.

Besonders China subventioniere gezielt Unternehmen und Produkte, um Märkte zu destabilisieren und anschließend zu dominieren, kritisierte der SPD-Politiker. Das hätte man bei der Solarindustrie gesehen und das wiederhole sich heute in der Chemie, dem Maschinenbau und der Stahlbranche. Die aktuelle Chipkrise und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Automobilindustrie sei ein „alarmierendes Signal“ dafür, wie abhängig Europa in zentralen Zukunftstechnologien noch immer sei. Die Schlussfolgerung daraus ist für Panter: „Wir müssen Innovationen stärken, um selbst wichtiger Teil weltweiter globaler Wertschöpfungsketten zu sein.“

500 Bauelemente von Nexperia in jedem Auto

Zum Hintergrund: Nach einem Streit mit der niederländischen Regierung hat China einen Exportstopp für Produkte des Unternehmens Nexperia verhängt. Diese Maßnahme brachte die Produktion bei Autobauern wie VW erheblich ins Stocken. In jedem derzeit produzierten Auto stecken bis zu 500 Bauelemente von Nexperia. Die Niederländische Regierung hatte aus Angst vor einem Abzug von Technologie-Knowhow Nexperia verstaatlicht.

Das könnte Sie auch interessieren: