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Waldhufener Firma baut Sichtschutz für die Stromerzeugung

René Neuburger errichtet seit mehr als 20 Jahren Solaranlagen. Doch immer mehr Flächen sind schon belegt und auch nicht immer passt die Photovoltaik auf das Dach. Dafür gibt es eine Lösung, die im Kommen ist.

Lesedauer: 3 Minuten

René Neuburger betreibt die Natur Energie Neuburger GmbH. Seine Mitarbeiter bauten ihm einen "Solartisch". Der ist nur für die Optik - die Solarzäune dagegen erzeugen richtigen Strom. Quelle: Constanze Junghanß

Von Constanze Junghanß

Waldhufen. Seine erste Photovoltaikanlage hat René Neuburger in Thiemendorf gebaut. Da war der Unternehmer noch Student für Maschinenbau, gründete während seiner Studienzeit eine Firma im Nebenerwerb und investierte 25.000 Euro in die Premieren-Anlage. Die errichtete der damals 21-Jährige auf dem Dach des Wohnhauses von Horst Brückner, dem bis 2025 amtierenden Bürgermeister der Gemeinde Waldhufen.

„Die Dachfläche hatte ich gepachtet, für den Bürgermeister fiel also auch was Finanzielles ab“, sagt er. Die Investition jedenfalls habe sich gelohnt. Nach neun Jahren sei das Geld wieder drin gewesen, wie René Neuburger sagt. Mit dem 2004 von der damaligen Rot-Grünen Bundesregierung ins Rollen gebrachten Energie-Einspeisegesetz habe das zu tun gehabt. Die Vergütung, die es damals gab, lohnte sich für Hausbesitzer. „Auf dieses Pferd setzte ich.“

Den ersten Solarzaun hat René Neuburger in Wilthen errichtet. Er ist etwa 20 Meter lang und liefert Strom. 
Den ersten Solarzaun hat René Neuburger in Wilthen errichtet. Er ist etwa 20 Meter lang und liefert Strom. 
Quelle: privat

Mittlerweile errichtet sein Betrieb auf im Durchschnitt etwa 30 Häusern pro Jahr Photovoltaikanlagen im Umkreis von 100 Kilometern rund um Waldhufen. „Natur Energie Neuburger“ heißt das Unternehmen, das seinen Sitz im Gebäude gleich neben der Gemeindeverwaltung Waldhufen hat. Zusammen mit dem 42-jährigen Chef sind es drei Mitarbeiter, die die Solarmodule auf die Dächer und den Sonnenstrom in die Wohnungen bringen. Aber nicht nur da: Auch auf dem Dach der evangelischen Kirche in Weißwasser ist Solarstrom dran, errichtet von Neuburger und seinem Team.

Nicht alle Häuser für Sonnenstrom geeignet

Bei Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen, ist es mittlerweile leichter möglich, Solaranlagen zu errichten. „Das ist in den letzten Jahren mit den dafür benötigten Genehmigungen deutlich entspannter geworden.“ René Neuburger sieht das darin begründet, „weil die Solarstromerzeugung im übergeordneten öffentlichen Interesse liegt“. Und so gibt es auch im Süden des Landkreises im Oberland-Gebiet Umgebindehäuser, die sein Unternehmen mit den Paneelen bestückte.

Dennoch passt nicht auf jedes Haus eine Photovoltaikanlage. „Manchmal geben das die baulichen Gegebenheiten nicht her“, sagt der zweifache Vater. Gründe, die dagegen sprechen, sind unter anderem eine verwinkelte Bauweise, mehrere Fenstergauben, eine nicht ausreichende Statik, das Alter des Dachbelags und mehr. Deshalb verwirklicht René Neuburger eine weitere Idee, wo die Solarplatten gar nicht erst auf ein Dach drauf müssen: Er startete mit dem Bau von Solarzäunen.

100 Meter Zaun für die Wärmepumpe

„Mein Grundgedanke ist, dass jeder Hausbesitzer, der das möchte, mit Solarstrom versorgt werden kann – auch wenn technische Gründe am Gebäude dagegen sprechen.“ Mit einem Zaun aus Solarfeldern könnten zudem zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Neben der Stromerzeugung gibt es gleichzeitig einen Wind- und Sichtschutz, der neugierige Blicke fernhält. Der Strom vom „Gartenzaun“ holt sozusagen die Energiewende in die Vertikale.

Premiere in Wilthen

Der erste von ihm aufgestellte Zaun dieser Art ist 20 Meter lang, steht auf einem Privatgrundstück in Wilthen und erzeugt nach Angaben Neuburgers Strom für zwei Drei-Personen-Haushalte. Gebaut hat er den im Jahr 2024. Kostenpunkt: „Rund 15.000 Euro ohne Speicher.“ Für einen Speicher könne man je nach Größe mit einer Summe von 5000 bis 10.000 Euro rechnen. „Die Solaranlagen funktionieren auch bei einem Blackout.“

Mein Grundgedanke ist, dass jeder Hausbesitzer, der das möchte, mit Solarstrom versorgt werden kann. – René Neuburger, Unternehmer Waldhufen

Einen Solarzaun in der Größe XXL bauen die Jänkendorfer im kommenden Monat in Sproitz auf. Der wird insgesamt 100 Meter lang. „Damit läuft dann die Wärmepumpe für das Haus und das E-Auto wird aufgeladen.“ Zehn bis elf Monate im Jahr könne so der Energiebedarf aus der Kraft der Sonne autark abgedeckt werden. „Im Winter wenn es düster ist, wird aber dann doch Strom aus dem Netz benötigt.“

Solarzaun wird schnell aufgebaut

Die stromerzeugende Zaunbauweise wird im Kommen sein, schätzt René Neuburger ein. „Das hängt einerseits damit zusammen, weil viele Flächen und Dächer bereits mit Solarmodulen belegt sind“, sagt er. Außerdem sei der Solarzaun vom baulichen Aufwand her bedeutend einfacher zu errichten, als die Module oben auf den Dächern. „Innerhalb einer Woche ist so ein Solarzaun inklusive Hauszählerschrank und Leitung errichtet.“ Anfragen dazu bekommt René Neuburger mittlerweile aus dem ganzen Kreisgebiet.

Spielt dabei der Ausbau des Netzknotens im nur wenige Kilometer entfernten Horka bei Niesky eine Rolle? Da investiert SachsenNetze, ein Tochterunternehmen der SachsenEnergie, 17 Millionen Euro in den Netzausbau, um dessen Kapazität zu erweitern. Der Knoten soll im kommenden Jahr fertiggestellt sein. Als im Sommer 2025 der symbolische erste Spatenstich für das Projekt erfolgte, hieß es auch, dass für den Ausbau die Solaranlagen auf privaten Dächern von Eigenheimbesitzern eine wichtige Rolle spielten, damit deren Sonnenstrom ins Stromnetz eingespeist werden kann.

René Neuburger hat andere Erfahrungen gemacht. „Vorwiegend für die kleinen Anlagen braucht das Stromnetz nicht ausgebaut zu werden“, sagt er. Denn mittlerweile würden die privaten Solaranlagenbesitzer ihren Strom zum überwiegenden Teil gar nicht mehr ins Netz einspeisen, sondern selbst nutzen: für die Warmwasseraufbereitung und zum Aufladen des eigenen E-Autos zum Beispiel. Und der Bund plant, die Einspeisevergütung für kleine Anlagen ab dem kommenden Jahr wieder abzuschaffen.

SZ

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