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Warum Futuretrans Döbeln auf Tschechen abfährt

Mehr als die Hälfte der Fahrer bei Futuretrans haben keinen deutschen Pass. Weshalb sie für das Unternehmen wichtig sind.
Lesedauer: 3 Minuten
Man sieht Dolmetscherin Stania Miskolci aus Tschechien und Geschäftsführer Andreas Krüger-Van den Brandt
Dolmetscherin Stania Miskolci aus Tschechien hilft bei der Verständigung der Mitarbeiter von Futuretrans Logistik in Döbeln, deren Geschäftsführer Andreas Krüger-Van den Brandt ist. © SZ/DIetmar Thomas

Von Cathrin Reichelt

Döbeln. Für die Döbelner Firma Futuretrans Logistik sind sie tausende Kilometer innerhalb von Deutschland unterwegs. Die Heimfahrt zu ihren Familien führt sie aber über die Grenze.

14 der 20 Fahrer des Transportunternehmens sind in Tschechien zu Hause. Dass so viele Mitarbeiter aus dem Nachbarland kommen, war ursprünglich nicht geplant. Aber inzwischen wäre es ohne sie für die Firma mehr als schwierig.

Fahrer wechselten nach Döbeln

Seit elf Jahren gibt es das Unternehmen. „Anfangs wurden nur Touren koordiniert“, sagt Doris Roca, Mitarbeiterin der Verwaltung. Die Einstellung der ersten Fahrer erfolgte 2016. Zwei Jahre später übernahm Futuretrans die insolvente Spedition Müller in Oederan.

„Dort haben viele tschechische Fahrer gearbeitet, die mit zu uns gewechselt sind“, so Doris Roca. Wenig später hätten auch Freunde und Bekannte der Tschechen in Döbeln nach einem Job gefragt.

Nicht alle seien geblieben. Durch den Fernverkehr sind sie von Montag bis Freitag unterwegs. Darunter leidet das Familienleben. Auch die Fahrer wollen ihre Kinder aufwachsen sehen.

Manch einer habe das Unternehmen deshalb verlassen – und sei nach einigen Jahren, wenn der Nachwuchs selbstständig geworden ist, zurückgekehrt. Das betreffe sowohl tschechische als auch deutsche Fahrer.

„Egal, welches Geschlecht, welche Kultur, Religion oder Landesherkunft – wir sind allen gegenüber neutral eingestellt. Wir geben jedem Menschen eine Chance, wenn er sich gegenüber der Firma loyal verhält“, so die Verwaltungsmitarbeiterin.

Schließlich repräsentierten die Fahrer das Unternehmen auf jedem Kilometer Autobahn und Landstraße sowie an jeder Ladestelle.

Wenn alle Faktoren stimmen, sei Futuretrans bereit, die Mitarbeiter zu unterstützen und auf sie einzugehen. Die Voraussetzung für einen Job als Fahrer sei der Lkw-Führerschein. Die Sprache spiele keine Rolle. Die wenigsten der Tschechen sprechen Deutsch.

Deshalb gehört auch Dolmetscherin Stania Miskolci aus Tschechien zum Mitarbeiterstamm. „Zwei Tage pro Woche kommt sie nach Döbeln. Die anderen drei Tage ist sie telefonisch erreichbar“, erklärt Janet Staroske, die ebenfalls in der Verwaltung tätig ist.

Gleichbehandlung für alle

Die Dolmetscherin hilft bei allen beruflichen Belangen der Fahrer. Sie übersetzt Arbeitsverträge, Urlaubsanträge und -pläne, ist bei Mitarbeitergesprächen anwesend und unterstützt bei der Kommunikation mit der Verwaltung und der Polizei, sollte sich ein Unfall ereignet oder die Planenschlitzer zugeschlagen haben. „Die Fahrer sind nie allein. Und das wissen sie“, sagt Doris Roca.

Sollte Stania Miskolci doch einmal nicht zur Verfügung stehen, werde der Google-Übersetzer genutzt und für die wichtigsten Grundbegriffe, die in diesem Job nötig sind, habe die Firma ein Nachschlagewerk erarbeitet.

Zwischen deutschen und tschechischen Fahrern würden keine Unterschiede gemacht. Beide erhielten denselben Lohn, Arbeitskleidung und anteilig die Kosten für Arbeitsschuhe.

Für alle gebe es eine betriebliche Altersvorsorge und vermögenswirksame Leistungen. Alle drei Jahre steige die Zugehörigkeitsprämie, die monatlich gezahlt wird. Alle fünf Jahre wird die Betriebszugehörigkeit zudem mit einem einmaligen Präsent gewürdigt.

Einen Unterschied gibt es doch. Während die deutschen Fahrer ihr Fahrzeug mit nach Hause nehmen können, sollten es die tschechischen Fahrer im Betriebshof in Oederan abstellen und von dort mit dem Auto über die Grenze fahren. Dazu würden häufig Fahrgemeinschaften gebildet.

Futuretrans bildet auch aus: erstmals einen BA-Studenten für Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik, schon öfter einen Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistungen. Im vergangenen Jahr habe es zwar viele Gespräche mit Bewerbern gegeben.

Es sei aber kein Lehrvertrag unterzeichnet worden. „Die Einstellung der Jugendlichen hat nicht zu uns gepasst“, sagt Doris Roca. Jetzt setzt die Firma einige Hoffnung in die Woche der offenen Unternehmen, zu der sich viele junge Leute angemeldet haben.

Sprachkurs ist möglich

Auch auf der Ausbildungsmesse im WelWel und in Schulen hat sich die Firma schon vorgestellt. Würde sich ein ausländischer Azubi bewerben, sei auch ein Sprachkurs möglich.

Das Döbelner Unternehmen ist für einige Großkunden, aber auch „Laufkundschaft“ unterwegs. Die Produkte, die transportiert werden, sind vielfältig und reichen von Getränken über Drogerieartikel und Spielwaren bis zu Autoteilen und Stahl.

„Wir arbeiten auch mit Subunternehmern zusammen, sodass wir täglich zwischen 60 und 70 Touren koordinieren können“, sagt Janet Staroske.

Theoretisch wäre noch mehr möglich, mit mehr Fahrern, die zu Futuretrans wechseln wollen und zusätzlichen Sattelzügen, die zur Verfügung stehen.

„Aber wir spüren, dass der Markt eingebrochen ist, erst durch Corona, dann durch den Ukraine-Krieg. Deshalb gehen wir das Risiko nicht ein“, erklärt Doris Roca. Das Unternehmen solle weiter auf stabilen Füßen stehen.

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