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Wie eine junge Frau aus Sri Lanka in Dresden zu Deutschlands bester Fleischfachverkäuferin wurde

Vor vier Jahren kam Hashini Warnakulasuriya von Sri Lanka nach Dresden. Wie sie zu Deutschlands bester Fleischfachverkäuferin wurde und welche Gerichte sie aus ihrer Heimat vermisst.

Lesedauer: 3 Minuten

Man sieht Hashini Warnakulasuriya, eine Fleischfachverkäuferin an der Fleischtheke
Hashini Warnakulasuriya aus Dresden ist Deutschlands beste Fleischfachverkäuferin. © Matthias Rietschel

Von Connor Endt

Dresden. Hashini Warnakulasuriya hat einen langen Weg hinter sich. Fast 10.000 Kilometer Entfernung liegen zwischen ihrer Heimatstadt Negombo in Sri Lanka und ihrer neuen Heimat Dresden. Im Mai wird die 28-Jährige ihre Ausbildung zur Fleischfachverkäuferin abschließen – schon jetzt sorgt sie bei ihrem Arbeitgeber Edeka Scheller im Dresdner Stadtteil Friedrichstadt für Furore.

Im vergangenen Februar wurde Hashini Warnakulasuriya von der Fachzeitschrift „Lebensmittelpraxis“ zu Deutschlands bester Fleischfachverkäuferin gekürt. Sie wurde beim diesjährigen „Fleisch-Star-Talent“ in der Kategorie „Verkauf“ ausgezeichnet. Der Preis gilt als eine der höchsten Auszeichnungen in der Fleischerbranche. Die Auszeichnung für Deutschlands beste Fleischtheke ging ebenfalls nach Dresden: Die Dresdner Fleischer Marko Schirmer und Antje Metzner vom Konsum in der Schillergalerie konnten die Jury ebenfalls überzeugen.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich gewinne“, sagt Hashini Warnakulasuriya und lächelt bescheiden. Für das „Fleisch-Star-Talent“ waren 20 Fachverkäufer aus ganz Deutschland angetreten; sechs von ihnen mussten schlussendlich die Jury in verschiedenen Herausforderungen überzeugen. So wurden etwa Kundenbegegnungen nachgestellt und das Fachwissen abgefragt.

„Bin wegen der Liebe nach Dresden gezogen“

Hashini Warnakulasuriya kommt über Umwege von Sri Lanka nach Deutschland. Nach dem Abitur studiert sie in ihrer Heimat die deutsche Sprache. „Ich wollte etwas ganz Neues lernen und fand Deutsch sehr interessant“, erinnert sie sich.

Während ihrer Studienzeit arbeitet sie ein Jahr lang als Au-Pair-Mädchen in Hamburg. Dort lernt sie ihren Freund kennen, der aber eigentlich in Dresden lebt. „Ich bin wegen der Liebe nach Dresden gezogen“, sagt sie.

In der Landeshauptstadt angekommen, beginnt sie ihre Ausbildung zur Fleischfachverkäuferin bei Edeka Scheller. „Mein Vater und mein Opa sind Fleischer und Fischer, unsere Familie hatte in Negombo einen kleinen Lebensmittelladen“, sagt sie. Schon als Jugendliche habe sie dort mitgeholfen. „Ich liebe es einfach, zu kochen und mit Lebensmitteln zu arbeiten“, sagt sie.

„Das Team hier ist wie eine zweite Familie für mich geworden“: Hashini Warnakulasuriya wird nach ihrer Ausbildung in Dresden bleiben.
© Matthias Rietschel

Mittlerweile lebt Hashini Warnakulasuriya seit vier Jahren in Dresden. „Ich finde die Stadt sehr schön“, sagt sie. Am liebsten ist die 28-Jährige in der Altstadt oder dem Großen Garten unterwegs. Besucht man die Fleischtheke in der Friedrichstadt, hat man das Gefühl, dass alle hier die Sri-Lankerin lieben. „Da kommt ja unser Goldstück“, sagt etwa eine Mitarbeiterin, als Hashini in weißem Hemd und Schürze aus dem Umkleideraum tritt. Eine andere Kollegin umarmt sie zur Begrüßung. Überhaupt herrscht an der Fleischtheke eine sehr gute Stimmung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lachen viel.

Hashini Warnakulasuriya vermisst Sri Lanka trotzdem oft. „Ich telefoniere jeden Tag mit Mama“, sagt sie. Vom „Fleisch Star“-Preisgeld ist sie mit ihrem Freund zur Familie in Negombo geflogen. Auch sonst fliegt sie einmal im Jahr in ihre Heimat. „Besonders das Essen vermisse ich“, sagt sie. „In Sri Lanka essen wir viele scharfe Gerichte, fast täglich Reis, viel Fisch und viel Hühnchen.“ Das sei ein großer Unterschied zu Deutschland: Hier würden die Menschen viel mehr Schweinefleisch essen.

Die „zweite Familie“ in Dresden

Nach ihrem Abschluss will Hashini Warnakulasuriya weiterhin in Dresden bleiben. „Das Team hier ist wie eine zweite Familie für mich geworden“, sagt sie. Ihr Plan ist es, sich im Fleischereigeschäft weiterzubilden. Dabei hilft ihr auch das „Geh deinen Weg“-Stipendium der Deutschlandstiftung Integration. Dieses Programm richtet sich an Schüler, Auszubildende und Studierende mit Migrationsgeschichte und unterstützt sie bei ihrem Karrierestart.

„So konnte ich mir schon unterschiedliche Betriebe und die Fleischproduktion vor Ort anschauen“, berichtet Hashini Warnakulasuriya. Auch Frank-Walter Steinmeier hat sie bereits im Schloss Bellevue die Hand geschüttelt. Je länger man mit Hashini Warnakulasuriya spricht, desto mehr hat man das Gefühl: Sie hat einen einen langen Weg hinter sich – aber jetzt ist sie angekommen.

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