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Wie Minister Dulig Sachsens Mikrochip-Industrie gute Laune macht

Vor drei Wochen hat Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) Fördergeld bei Globalfoundries abgegeben, nun ist Infineon an der Reihe. Fabmatics und Systema haben auch etwas davon.

Lesedauer: 3 Minuten

Man sieht Wirtschaftsminister Martin Dulig hat einen Fördermittelbescheid an Infineon und Partnerfirmen übergeben.
Neue Millionen für die Mikrochip-Forschung: Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD, Bildmitte) hat einen Fördermittelbescheid an Infineon und Partnerfirmen übergeben. © SZ/Georg Moeritz

Von Georg Moeritz

Dresden. Gute Nachrichten in unsicheren Zeiten überbringen – mit dieser Haltung hat Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Dienstag Millionen-Förderzusagen an Mikrochipfirmen und Forscher überreicht. Dulig sagte in seinem Ministerium in Dresden, er begegne derzeit fast überall Menschen mit schlechter Laune, mancher rede schon vom Niedergang des Industriestandorts. Doch er könne dem aktiv etwas entgegensetzen.

Die neuen Projekte seien dazu geeignet, „die Stärken zusammenzubringen, die wir bei uns haben“, sagte der Wirtschaftsminister. In Sachsen gebe es viel Potenzial, zum Beispiel die grüne Mobilität der Zukunft mitzugestalten. Mit rund 18 Millionen Euro staatlichem Fördergeld können nun Infineon Dresden und zehn Verbundpartner drei Jahre lang gemeinsam forschen. Sie wollen neue Elektronikbausteine entwickeln und auch die Produktionsverfahren verbessern.

Die Subventionen kommen nicht aus dem Bundeshaushalt oder den Milliardenfonds, die nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht mehr genutzt werden dürfen. Vielmehr stammt das Fördergeld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) und vom Freistaat. „Die Förderung steht auf sicheren Beinen“, sagte Dulig auf Nachfrage. Infineon Dresden baut auch seine Mikrochipfabrik aus und schafft dort 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze, die Bauarbeiten an diesem Modul 4 laufen bereits.

Infineon: Neue Methoden schaffen, schneller am Markt sein

Laut Dulig ist die sächsische Efre-Technologieförderung mit rund 600 Millionen Euro bis Ende 2027 ausgestattet. Mit Verbundprojekten unterstützt der Freistaat die Zusammenarbeit kleinerer Unternehmen mit Forschungseinrichtungen. Diese Förderung hat nichts mit den angekündigten Milliardenzuschüssen des Bundes für die neuen Mikrochipfabriken von TSMC in Dresden und Intel in Magdeburg zu tun. Laut Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) stehen diese Projekte trotz der Finanz-Unsicherheiten nicht zur Disposition. Andere Förderprojekte sind dagegen noch nicht gesichert, wie Dulig und Sachsens Energieminister Wolfram Günther (Grüne) am Montag nach einem Treffen bei Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) mitgeteilt hatten.

Dulig hatte vor drei Wochen bereits die Dresdner Mikrochipfabrik von Globalfoundries besucht und die Zusage über 5,4 Millionen Euro Subventionen für ein Projekt mitgebracht. Globalfoundries will mit Partnern das Transportsystem in der Dresdner Fabrik beschleunigen.

Das neue Verbundprojekt unter Federführung von Infineon Dresden hat den Titel „Grüne Mobilität made in Saxony – Innovative Lösungen für zukunftsweisende Automobil- und Industrieanwendungen (Future Mobility)“. Infineon-Manager Uwe Gäbler sagte, gemeinsam sollten völlig neue Methoden geschaffen werden, um schneller am Markt zu sein und energieeffizienter zu arbeiten. Gäbler ist Leiter des Entwicklungszentrums für Automobilelektronik und Künstliche Intelligenz von Infineon Dresden.

Vorgefertigte Module für die Elektronik im Auto

Gäbler sagte, Infineon stelle schon elektronische Bauelemente für die Autoindustrie her, die beispielsweise Sitzheizung, Fensterheber und Heckklappe steuern. Davon würden immer mehr benötigt. Infineon werde künftig einen Entwicklungsbaustein zur Verfügung stellen, sodass mit vorgefertigen Modulen effizienter produziert werden könne. Die Forschung gilt Leistungshalbleitern und Mikrocontrollern.

Systema-Geschäftsführer Manfred Austen hofft auf langfristige Partnerschaften durch das Verbundprojekt aus elf Partnern.
© SZ/Georg Moeritz

An diesem Dienstag soll in Zwickau das erste Projekttreffen der Verbundpartner stattfinden. Beteiligt sind der Dresdner Automatisierungsspezialist Fabmatics, das Software-Unternehmen Systema Systementwicklung Dipl.-Inf. Manfred Austen und der Laserspezialist LEC aus Eibenstock. Systema-Chef Austen sagte, Infineon sei seit fast 30 Jahren Kunde seines Dresdner Unternehmens, er habe zur Automatisierung der Fabrik beigetragen. Fast 250 Beschäftigte arbeiten für den Mittelständler, der auch Globalfoundries und Bosch zu seinen Kunden zählt.

Austen lobte die sächsische Wirtschaftsförderung. Sie habe ihm beispielsweise mit Gemeinschaftsständen auf Fachmessen geholfen, Kunden in den USA und anderswo zu finden – heute hat die Dresdner Firma Systema auch Standorte in Singapur, Indien und Brasilien. Austen erinnerte daran, dass er in den 1990er-Jahren von Bayern aus in Sachsen investierte, obwohl bayerische Banken damals weder Softwarefirmen noch Europas Mikrochipindustrie für zukunftsträchtig gehalten hätten.

Am Verbundprojekt mit Infineon beteiligen sich auch mehrere sächsische Hochschulen und Fraunhofer-Institute. Professor Christoph Leyens vom Fraunhofer IWS in Dresden sagte, es gebe verschiedene Wege, die Forschungsergebnisse aus den Laboratorien zur Anwendung zu bringen. Verbundprojekte seien wichtige Transfermöglichkeiten: „Wir spüren die Verantwortung, aus den Mitteln einen Mehrwert zu schaffen.“

Infineon Dresden teilte mit, das Unternehmen engagiere sich zurzeit noch in drei anderen regionalen Verbundprojekten mit insgesamt elf weiteren Partnern in Sachsen. Im Zentrum des Projekts „LeistungsSchaltEr“ stünden neuartige Halbleitermaterialien und -technologien. Leistungstransistoren sollten künftig konventionelle Schalter ersetzen, etwa in der Lade-Infrastruktur für Elektroautos. Im Fördervorhaben „HybridEcho“ geht es um ein Ultraschallverfahren für die Medizin, bei „Helios“ um leistungsfähigere und billigere Sensoren. Efre-Fördergeld sei beantragt, die Sächsische Aufbaubank habe für alle Verbundprojekte eine Genehmigung zum vorzeitigen Beginn auf eigenes Risiko erteilt.

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