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Wie sich der sinkende Bierkonsum der Deutschen auf Radeberger auswirkt

Die Radeberger Exportbierbrauerei ist eine der größten Brauereien in Sachsen. Doch auch der heimische Bierproduzent spürt, dass die Deutschen immer weniger Bier trinken. Sachsen hat dabei noch immer eine Sonderrolle.

Lesedauer: 2 Minuten

Die Radeberger Exportbierbrauerei in Radeberg. Die Brauerei gehört zu der nach ihr benannten Radeberger Gruppe, einer Tochter der Dr. August Oetker KG. Quelle: Arno Burgi/dpa

Moritz Schloms

Radeberg. Die Deutschen trinken von Jahr zu Jahr weniger Bier. Und das bekommen auch die sächsischen Brauereien zu spüren. Im vergangenen Jahr verkauften sie rund 620 Millionen Liter Bier. Das sind fast sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Damit schrumpfte der Absatz im Freistaat sogar stärker als im bundesweiten Durchschnitt.

Und das, obwohl der Bierabsatz in Deutschland im gleichen Jahr auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung sank – 7,8 Milliarden Liter. Das geht aus Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt veröffentlichte.

Diese Entwicklung geht auch am sächsischen Bierproduzenten Radeberger nicht spurlos vorüber. Pressesprecher Hendrick Wagner ordnet die Zahlen so ein: „Eine derart negative Absatzkurve über einen so langen Zeitraum hat unsere Branche noch nicht gesehen.“

Jetzt ist eben schlechtes Wetter, schlechtes Bierwetter, aber irgendwann geht immer wieder die Sonne auf. – Steffen Dittmar, Präsident des Sächsischen Brauerbundes

Genaue Verkaufszahlen teilt der Konzern nicht mit. Aber: Radeberger Pilsner behaupte sich im rückläufigen Marktumfeld im Vergleich zum allgemeinen Absatztrend etwas besser, so Wagner. Der Rückgang ist in der sächsischen Brauerei also nicht so stark wie im Markt allgemein.

Sächsischer Brauerbund: Lage ist dramatisch

Auch der sächsische Brauerbund ist angesichts der Zahlen besorgt. Der Verband vertritt die rund 80 sächsischen Brauereien. „Ja, sagen wir so, es ist schon insgesamt auch für Sachsen dramatisch“, sagte Steffen Dittmar, Präsident des Sächsischen Brauerbundes, der Deutschen Presse-Agentur in Dresden.

Mindestlohn, Energiekosten und Bürokratie seien zusätzliche Belastungen für die Brauereibranche. Doch der Verbandspräsident gibt sich optimistisch: „Jetzt ist eben schlechtes Wetter, schlechtes Bierwetter, aber irgendwann geht immer wieder die Sonne auf.“

Hendrick Wagner nennt neben wirtschaftlichen Unsicherheiten bei den Kunden, und einer immer größer werdenden Auswahl an alkoholischen Getränken auch ein steigendes Bewusstsein zum Alkoholkonsum als Grund für den Absatzrückgang. „Wir betonen auch in unserer Werbung immer, dass unser Bier zum Genuss gedacht ist“, sagt er.

Radeberger verkauft mehr alkoholfreies Bier

Für die Branche sind daher besonders die alkoholfreien Sorten ein Hoffnungsschimmer. Der Markt für das Segment wächst auch in Sachsen. Weil keine Biersteuer anfällt, sind alkoholfreie Biere wie auch Malzgetränke nicht in der aktuellen Statistik des Statistischen Bundesamtes enthalten.

Auch Radeberger betont die Bedeutung des alkoholfreien Bieres, welches die Brauerei seit 2022 verkauft. „Im Osten Deutschlands haben wir es bereits auf Platz 3 im Ranking der alkoholfreien Biere geschafft, Tendenz weiter steigend. In einigen Gebieten Sachsens liegen wir im Handel inzwischen auf dem ersten Platz“, so Pressesprecher Hendrick Wagner. Seit diesem Jahr gibt es das alkoholfreie Bier in der Gastronomie auch aus dem 30-Liter-Fass.

Sachsen noch immer Bierland

Und auch der Export in andere Länder ist für Radeberger ein wichtiges Geschäft. „Ein wichtiger Absatzmarkt sind für uns die USA“, sagt Wagner. Doch egal, ob der Kunde ein Bier in einer Kneipe in New York trinke, oder in einem Supermarkt in Dresden kaufe – gebraut wurde es auf jeden Fall in der „Bierstadt Radeberg“. Dort beschäftigt das Unternehmen etwa 250 Mitarbeiter.

Und auch wenn der Bierabsatz der sächsischen Brauereien sinkt. Im Vergleich ist der Freistaat noch immer ein Bierland. Wie der Brauerbund mitteilt, wird außer in Bayern pro Kopf nirgendwo so viel Bier gebraut wie in Sachsen. Und auch getrunken. Während der Bierkonsum der Deutschen auf unter 90 Liter gesunken ist, sind es bei den Sachsen noch immer mehr als 100 Liter pro Kopf.

SZ

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