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Wo die Zukunft des Handwerks gemacht wird

14 Betriebe aus Ostsachsen hatten sich um den Zukunftspreis der Handwerkskammer Dresden beworben. Der Sieger zeigt, wie Wachstum auch in Krisenzeiten funktioniert. Doch die Sorgen der Branche bleiben groß.

Lesedauer: 3 Minuten

Eine Gruppe Menschen steht auf einer Bühne.
Gruppenbild mit den Siegern: Die Preisverleihung fand im Bildungs- und Veranstaltungszentrum njumii in Dresden statt. Foto: Andre Wirsig/Handwerkskammer Dresden

Von Annett Kschieschan

Dresden. Hohe Energiepreise und Inflation, Fachkräftemangel und angespannte Lieferketten – Sachsens Handwerk spürt die Auswirkungen der multiplen Krisen der vergangenen Jahre genauso wie viele andere Branchen. Optimismus fällt da bisweilen schwer. An diesem Freitag im Juni im Bildungs- und Veranstaltungszentrum njumii im Dresdner Norden war davon aber viel zu spüren. Man könnte sagen, der Name war Programm, denn die Handwerkskammer Dresden vergab nicht weniger als den „Zukunftspreis“ für den Handwerksbetrieb des Jahres 2026. Und Zukunft ist ohne Zuversicht nicht zu machen. Insgesamt hatten sich 14 Unternehmen aus Ostsachsen, dem Einzugsbereich der Handwerkskammer Dresden, beteiligt. Zu den Finalisten gehörten die Bau Gräfe GmbH aus Pulsnitz, die bereits in fünfter Generation geführt wird, die FAE Elektrotechnik GmbH & Co. KG aus Heidenau, die elektrotechnische Anlagen für die Industrie, für die öffentliche Hand, Forschungs- und Bildungseinrichtungen entwickelt, sowie die TnT Neue Energien GmbH aus Dresden, die Photovoltaikanlagen plant. Mit der Unser Bäcker Bäckerei und Konditorei GmbH aus Klipphausen und der Schiebocker Fleischverarbeitungs GmbH aus Bischofswerda standen auch zwei Unternehmen aus der Lebensmittelbranche im Finale.
Am Ende hatten die Elektrotechniker aus Heidenau die Nase vorn. Das Unternehmen FAE stehe beispielhaft für das nachhaltige Wirtschaften im Handwerk, dessen starke regionale Verankerung sowie dessen Engagement vor Ort, so Handwerkskammer-Präsident Jörg Dittrich. Und tatsächlich ist die Entwicklung der Firma beachtlich. 1992 war der Elektrotechniker Lutz Fleck in Dohna mit zwei Mitarbeitern und einem Trabant als Dienstfahrzeug gestartet. Heute gehören rund 180 Mitarbeiter, darunter 21 Auszubildende und mehrere Studenten, zum Team. Das Unternehmen, das nach der Jahrhundertflut nach Heidenau zog, erwirtschaftet mehrere Millionen Euro Umsatz und hat nach eigenen Angaben rund ein Jahr Auftragsvorlauf. FAE arbeitet für die Industrie, die öffentliche Hand, für Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Zu den Kunden gehören die TU Dresden, Fraunhofer-Institute, die Uniklinik, der Kulturpalast, die Kunstsammlungen und das Landgestüt. Und FAE spezialisiert sich weiter – zum Beispiel über den Schaltanlagenbau und die eigene LED-Leuchtenproduktion. Zudem forscht das Unternehmen an mobilen Brennstoffzellensystemen, die emissionsfrei Strom erzeugen. Dieses Gesamtpaket hatte die Jury des Zukunftspreises am Ende überzeugt und es beeindruckte auch die mehr als 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur, die an der Preisverleihung im Rahmen des Sommerfestes der Handwerkskammer teilnahmen.

Modernste Technik und Weiterbildung
Sie erlebten glückliche Gewinner und Platzierte, die ebenso stolz auf die Nominierung in den Finalistenkreis waren. Platz 2 belegte das Unternehmen Unser Bäcker – Bäckerei und Konditorei GmbH aus Klipphausen. Gegründet ebenfalls 1992, hat der Betrieb heute fast 240 Mitarbeiter, 27 Fachgeschäfte und produziert auf 2.500 Quadratmetern jeden Tag 60.000 knackige Brötchen. Geschäftsführerin Rommy Schumann und Bäckermeister Thomas Johne bilden aus, setzen auf Mehrwegsysteme, plastikfreie Verpackungen, eine energieeffiziente Produktion und modernste Technik, investieren in die Weiterbildung ihres Teams und reagieren mit flexiblen Arbeitszeitmodellen auf die Wünsche ihrer Mitarbeiter.
Drittplatzierte ist die TnT Neue Energien GmbH aus Dresden. Das Kürzel steht für die Namen der Gründer Wirtschaftsingenieur Tom Hoffmann und Betriebswirt Thomas Schulz. 119 Großanlagen mit bis zu 19 Megawatt-Peak Spitzenleistung haben die Dresdner Photovoltaik-Profis bis heute errichtet. Der 2009 gegründete Betrieb hat zehn Mitarbeiter – darunter einen Werkstudenten, einen Auszubildenden und zwei Menschen mit Handicap.
Drei Erfolgsgeschichten, die Mut machen sollen und das auch tun. Ministerpräsident Michael Kretschmer, Schirmherr des Wettbewerbs, betonte einmal mehr die Bedeutung des Handwerks für die Wirtschaft. Es präge vor allem die Regionen. „Die Preisträger des Zukunftspreises zeigen jeden Tag, wie das sächsische Handwerk Tradition und Fortschritt verbindet“, so Kretschmer.

Viele Umbrüche in der letzten Zeit

Doch es blieb auch Raum für leisere Töne, denn die Sorgen im Handwerk bleiben groß. „Die wirtschaftliche Not ist da. Es fehlt vielen Unternehmen derzeit schlicht an der Wettbewerbsfähigkeit“, so Jörg Dittrich. Er mahnte ein „ganzes Maßnahmenpaket, das Wachstum schafft und den Betrieben Rückenwind gibt“, an. Wichtig seien eine spürbare Entlastung der Unternehmen bei den Lohnzusatzkosten, die dauerhafte Absenkung der Energiepreise und der konsequente Abbau der Bürokratie. All das würden wohl auch die Preisträger und Nominierten des Zukunftspreises so unterschreiben. Seit 2012 wird die Auszeichnung verliehen. Die vergangenen 14 Jahren waren durch besonders viele Umbrüche geprägt. Die Digitalisierung und die wachsende Bedeutung der KI treiben auch das sächsische Handwerk um. Beides bringt Chancen, vor allem im Bereich der Automatisierung, aber auch reichlich Herausforderungen mit sich. Als sicher dürfte gelten: Die Zukunft im Handwerk – sie wird auch weiterhin von Veränderungen geprägt sein.

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