Dresden. Der taiwanesische Chiphersteller TSMC baut seit 2024 im Dresdner Norden, Ende 2027 soll das Werk in Betrieb gehen und 2000 neue Arbeitsplätze bieten. Außerdem erweitert Infineon sein Werk, Globalfoundries hat es vor. Jetzt hat obendrein der französische Industriegase-Konzern Air Liquide angekündigt, groß in Rähnitz zu investieren.
Die vielen Ansiedlungen tun der Dresdner Wirtschaft gut, setzen die Stadt aber auch in mehreren Bereichen unter Druck, nicht nur beim Ausbau der Infrastruktur. Gerechnet wird mit bis zu 10.000 Zuzüglern, die Wohnungen benötigen. Gibt es genügend für sie und werden schon neue gebaut?
Jährlich über 4000 neue Wohnungen nötig
Bis 2028 braucht Dresden jährlich rund 4530 neue Wohnungen, so die Prognose des Forschungsinstitutes Pestel aus dem Vorjahr. Aktuell würden rund 1480 Wohnungen fehlen. Zwar stünden auch rund sechs Prozent aller Dresdner Wohnungen leer. Der Neubau sei aber notwendig, um das Defizit abzubauen. Gleichzeitig müssten mehr Unterkünfte erneuert werden, so Pestel.
Schon jetzt fällt es vielen Dresdner schwer, eine passende und vor allem bezahlbare Wohnung zu finden. Aufgrund stark gestiegener Baupreise und Kreditzinsen, coronabedingter Lieferschwierigkeiten sowie der unsicheren weltwirtschaftlichen Lage haben Bauträger in den vergangenen vier Jahren fast keine neuen Wohnbauprojekte in Dresden mehr begonnen. Gebaut wurde nur noch, was vor der Preisexplosion bereits vertraglich gebunden war.
Zahl der Baugenehmigungen sank
Dementsprechend sank die Zahl der erteilten Baugenehmigungen in Dresden seit 2021. Lag sie in den Jahren von 2011 bis 2017 immer über 1000 und von 2018 bis 2020 zumindest über oder nur knapp unter 900, so wurden ab 2021 nur zwischen 797 und 599 Genehmigungen erteilt. Die Zahl der neu gebauten Wohnungen sank von der höchsten Anzahl 6874 im Jahr 2017 auf 2858 im Jahr 2022.
Dennoch ist die Wohnungssituation in Dresden nicht als hoffnungslos zu bezeichnen. Es gibt einige neue Projekte, die erst vor Kurzem fertiggestellt wurden oder es in den kommenden Monaten und Jahren noch werden. Vor allem im Mietwohnungsbau ist viel Bewegung. Die nötige Wohnungsanzahl pro Jahr ist damit aber nicht zu erreichen. Und: die Mietpreise für Neubau beginnen durchschnittlich bei zwölf Euro kalt pro Quadratmeter, was sich nicht jeder leisten kann.
Viele neue Mietwohnungen in Dresden
So sollen im Frühsommer 2026 die 125 Zwei- bis Fünf-Raum-Wohnungen des Projektes „Löbtauer Tor“ zwischen der Löbtauer und der Eichendorffstraße fertig werden. Nachdem 2024 der vorherige Projektentwickler Insolvenz anmelden musste, führt das Immobilienunternehmen Fundamenta Group das Vorhaben weiter.
300 Wohnungen entstehen aktuell in der Dresdner Friedrichstadt. Die ersten davon im Projekt „Ostravorwerk“ von Quarterback Immobilien sollen im Frühjahr 2026 fertig sein, die weiteren Ende 2027. Darunter sind auch Sozialwohnungen.
Bereits seit Ende 2024 fertig und großteils bezogen sind die 403 Wohnungen in 19 Häusern im Quartier „Schützengarten“ der Buwog Immobilien Treuhand GmbH gegenüber vom Bahnhof Mitte. Gleiches gilt für die 195 Ein -, Zwei und Dreizimmerwohnungen zwischen 41 und 100 Quadratmetern im Quartier „Johanngarten“ an der Hans-Grundig-Straße, ein Quarterback-Projekt für die Vonovia.
Ein weiteres des Vorhabenträgers ist der markante, mit grünen Platten versehene Neubau auf der Grunaer Straße 28. An seiner Stelle stand früher das im Volksmund als „Dreckscher Löffel“ bekannte Schnellrestaurant. 52 Wohnungen mit ein bis vier Zimmern sind hier 2024 fertig geworden und gehören nun zum Portfolio der Buwog.
Im Oktober dieses Jahres stehen dann auch die rund 160 sanierten Wohnungen im Hochhaus am Pirnaischen Platz zur Vermietung. Die Quarterback-Immobilien hat das denkmalgeschützte Gebäude für die Buwog saniert.
Großvorhaben Lingnerstadt
Das größte Wohnbauvorhaben direkt angrenzend an die Innenstadt ist die neue „Lingnerstadt“. Projektentwickler Gateway Real Estate will dort bis 2028 rund 1300 neue Mietwohnungen bauen, davon 600 Sozialwohnungen. Baustart soll noch dieses Jahr in den Baufeldern drei und vier nahe der Bürgerwiese sein. Die Baugenehmigungen wurden gerade erteilt, sagt Projektleiter Maximilian Poller.
Dresdens größter Vermieter, die Vonovia, hat im Oktober 2024 das Annenquartier an der Clara-Zetkin-Straße in Löbtau fertiggestellt, 110 neue Wohnungen sind dort entstanden.
Aktuelle Neubauvorhaben plant der Konzern nicht. Allerdings prüft Vonovia schon geplante Neubauten, wie die 300 Wohnungen an der Nikolaistraße in Johannstadt. „Wir wollen diese Bauvorhaben umsetzen, aber wann das möglich sein wird, ist noch nicht klar“, sagte Regionalbereichsleiter Sebastian Krüger im Frühjahr.
Die kommunale Wohnungsgesellschaft WID baut aktuell drei Projekte auf der Schönaer, Braunsdorfer und Moritzburger Straße, wo zusammen 83 Sozialwohnungen entstehen. Die ersten auf der Moritzburger werden schon vermietet.
Genossenschaften bauen
Noch im Dezember dieses Jahres soll der Neubau mit 49 Ein- bis Fünfraumwohnungen der Wohnungsgenossenschaft „Glückauf“ Süd auf der Döbraer Straße in Kleinpestitz fertig werden.
Auch die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt plant weitere Neubauten. Im Vorjahr hat sie 13 Wohnungen auf der Wittenberger Straße in Striesen fertiggestellt, ein Jahr zuvor den Neubau auf der Fetscherstraße 67/69 mit 39 Wohnungen.
Im kommenden Jahr soll Baubeginn für zwei Projekte mit jeweils zehn bis zwölf Wohnungen auf der Heubnerstraße sowie auf der Wiener Straße sein, sagt Vorstand Alrik Mutze.
Wer eine solche Wohnung in Betracht zieht, muss jedoch Genossenschaftsmitglied werden und Anteile einbezahlen.
Teure Eigentumswohnungen
Die Alternative zum Mieten ist der Kauf einer Wohnung. Davon gibt es aktuell einige Projekte, für die Interessenten allerdings tief in die Tasche greifen müssen. Eigentumswohnungen gibt es zum Beispiel in der Hafencity oder in Marina Garden. Die Preise beginnen bei rund 6300 Euro pro Quadratmeter.
Neu gebaut wird von der Treubau in Klotzsche, wo auf der Stendaler Straße bis Ende 2026 sieben Drei- und Vierzimmer-Wohnungen entstehen. Preis: über 7000 Euro pro Quadratmeter. Etwas günstiger mit 6400 bis 6500 Euro pro Quadratmeter werden die 15 Wohnungen auf der Schandauer Straße von Schwebo Immobilien angeboten, die auch Ende des kommenden Jahres fertig werden sollen.
Fazit: Lösbar wird das Wohnungsproblem nur mit den Nachbarkommunen von Dresden sein. Aber die warten nicht lange ab. Es haben bereits Neubauprojekte begonnen wie in Medingen, Radeberg oder Coswig.
SZ


