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Zum Studieren nach Taiwan: „TSMC ist mein Traum“

Wissenschaftsminister Gemkow verabschiedet die ersten Studenten zu TSMC nach Taiwan. Sie könnten danach die ersten Mitarbeiter für das Dresdner Werk sein.

Lesedauer: 3 Minuten

Man sieht Anurima Mallick, Jannis Kaliske und Max Paulenz von der Technischen Universität Dresden, die zukünftig die neuen Chipmaker von TSMC sein könnten
Sie könnten die neuen Chipmaker von TSMC sein: Anurima Mallick, Jannis Kaliske und Max Paulenz von der Technischen Universität Dresden. © SZ/Veit Hengst

Von Luisa Zenker

Als die Inderin Anurima Mallick elf Jahre alt war, fragte sie sich, wie ihr Handy eigentlich funktioniert. Ihr Vater, ein Ingenieur, erklärte ihr daraufhin detailliert, was sich im Innenleben eines Smartphones abspielt, erinnert sich die 24-Jährige. Es war das erste Mal, das sie mit dem Wort Chip und Transistoren konfrontiert wurde. Vielleicht war das einer der entscheidenden Schritte, weshalb die Masterstudentin später den Weg zur Chipdesignerin einschlug und nun zwischen den Büchern der Dresdner Zentralbibliothek aufgeregt auf Englisch redet: „TSMC was my dream.“ TSMC war mein Traum.

Die Nanoelektronikerin ist eine der 30 ausgewählten Studenten und Studentinnen aus Sachsen, die Ende Februar nach Taiwan fliegen dürfen. Auf Kosten der Landesregierung. Das neue Programm ist einmalig: 500.000 Euro steckt das sächsische Wissenschaftsministerium pro Jahr in den Auslandsaufenthalt. Am Montag verabschiedet Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) mit Rektorin Ursula Staudinger die ersten Studierenden nach Taiwan.

Im Rahmen des sogenannten „Semiconductor Talent Incubation Program“ sollen dann jedes Jahr hundert Studenten und Studentinnen aus allen sächsischen Hochschulen daran teilhaben können. Einzige Voraussetzung: Ihre Leidenschaft für Naturwissenschaften.

„TSMC ist spannend, ein gewaltiges Unternehmen.“

Anurima weiß, dass sie sich gegen rund 124 Studierende behauptet hat. Sie ist eine von neun Frauen, und eine der wenigen, die aus dem Ausland kommt. Dafür erhält sie nun 700 Euro pro Monat, um sich von dem taiwanesischen Chipgiganten ausbilden zu lassen. Und, so die Hoffnung, ihr Wissen in das neue Werk zu tragen, das 2027 in der Landeshauptstadt durch milliardenschwere Fördergelder eröffnet wird.

Anurima ist dem nicht abgeneigt, sie hat zuvor in Indien für den Chiphersteller DXCORR gearbeitet. Schon mehrmals hatte sie Halbleiter mit der Aufschrift „Made in Taiwan“ in der Hand. „Ich will Karriere machen“, sagt sie enthusiastisch. Von den harten Arbeitsbedingungen bei TSMC habe sie gehört, aber in Indien sei sie das bereits gewohnt: „Wir mussten vieles aufgeben.“

Jannis Kaliske sitzt neben der Inderin und teilt ihre Begeisterung: „TSMC ist spannend, ein gewaltiges Unternehmen. Technologisch sind sie an der Spitze der Welt.“ Der 24-Jährige fliegt am 28. Februar nach Taiwan. Als Wirtschaftsingenieur macht er deutlich: für das Werk braucht es eben nicht nur Chipkenner, sondern auch Logistiker. Zwei Jahre Erfahrung hat er bereits bei Infineon gesammelt und viel über globale Lieferketten gelernt. Ob es später TSMC, Globalfoundries oder Infineon wird, da sei er offen. Der sächsische Verband der Halbleiterindustrie prognostiziert einen Zugewinn von knapp 20.000 Jobs bis 2030.

„Das ist ein unglaublicher Wert. Es entsteht hier ein Silicon Valley, das konkurrieren kann mit dem Silicon Valley in Amerika.“ Der Weltmarktführer für Mikrochips baut in Dresden die erste europäische Fabrik, die Investitionssumme für das Gemeinschaftsunternehmen mit Infineon, Bosch und NXP umfasst 10 Milliarden Euro, die Hälfte davon sind Subventionen von der Bundesregierung.

Konflikt um Taiwan beschäftigt auch Studenten

Dass er dafür erstmal in die Welt hinausfliegt, ist für ihn kein Problem. Bereits als Schüler hat Jannis an Austauschprogrammen nach Kolumbien, Kanada und Südkorea teilgenommen, später war er für ein Praktikum in Singapur. Doch dass Taiwan eine andere Nummer ist, weiß Jannis Kaliske. Denn dem Inselstaat droht eine Invasion Chinas. Die Führung in Peking betrachtet Taiwan mit seinen gut 23 Millionen Einwohnern als Teil der Volksrepublik. Das klare Ziel: der Anschluss der demokratisch regierten Insel an das chinesische Staatsgebiet – wenn nötig mit militärischen Mitteln.

„Es ist nicht zu leugnen, dass Gefahr besteht“, meint der Student. Doch sollte irgendetwas geschehen, werden sie sofort zurückgeflogen, so zumindest lautet die Aussage von Studiengangs-Koordinator Josef Goldberger. Bei Jannis überwiegt aber die Freude, er möchte neben Lernmodulen zur Halbleitertechnologie auch Chinesisch lernen.

Das kann Max Paulenz halbwegs fließend. Der gebürtige Dresdner ist in diesen Tagen aus Taiwan zurückgekommen, seine Partnerin stammt von der Insel. Der Elektrotechniker hat zum ersten Mal von TSMC gehört, als er während der Corona-Pandemie Abitur machte und wegen der Lieferengpässe zahlreiche Elektroartikel ausblieben. Die echte Leidenschaft für Halbleiter habe er dann im Studium entwickelt.

„Ich hoffe, dass dadurch Dresden tatsächlich ein europaweiter Player werden kann und das Ganze auch einen gewissen Effekt hat, auf Regionen wie zum Beispiel die Lausitz, die mir sehr am Herzen liegt“, sagt der 22-Jährige. Den drei Studenten ist durchaus bewusst, dass auch Herausforderungen, wie die ausreichende Wasserzufuhr mit der Chipansiedlung einhergehen. „Ich kenne die Fakten nicht, aber in meinen Augen ist das definitiv machbar, wenn man wirklich Hand in Hand mit Politik und Wirtschaft arbeitet“, so die Hoffnung der zukünftigen Chipgeneration.

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